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Dieses Haus in Turbenthal ist Symbol einer ganzen Familiengeschichte

Die Familie Gubler war für ihr Spenglergeschäft und dessen erfolgreiche Lehrlinge bekannt. Aber sie brachte auch Lokalprominenz hervor.

Das Wohnhaus mit dem Ladengeschäft der Familie Gubler. Links daneben stand das Haus Werffeli, die Strassen waren ungeteert.

Foto: Archiv Ueli Vetter

Dieses Haus in Turbenthal ist Symbol einer ganzen Familiengeschichte

Tösstaler Häuser erzählen Geschichten

So unscheinbar das Haus an der Tösstalstrasse 105 in Turbenthal heute wirkt, es erzählt neben der Familiengeschichte auch die einer einst erfolgreichen Firma und lässt zudem Ortsgeschichtliches nicht aus.

Renate Gutknecht

Die Turbenthaler Chronik stellt in kurzen Passagen mehrere Persönlichkeiten vor. So auch Ernst Gubler-Bosshard, geboren 1875 und 1947 gestorben. Verheiratet war er mit Ida Bosshard, das Paar hatte drei Kinder, Ida, Emma und Ernst.

Wie sein Vater Heinrich hat er den Beruf des Spenglers erlernt und konnte dadurch nach dessen Tod das Familienunternehmen an der Tösstalstrasse 105 übernehmen.

Zugleich wurden ihm öffentliche Ämter übertragen. Mit 26 Jahren das des Feuerwehrkommandanten, mit 29 Jahren wurde er in den Gemeinderat gewählt. Neun Jahre später, noch keine 40 Jahre alt, übernahm er das Gemeindepräsidium.

In der lose erscheinenden Serie «Tösstaler Häuser erzählen Geschichten» stellt Korrespondentin Renate Gutknecht markante Tösstaler Gebäude und deren bewegte Historie vor.

Dieses Amt führte er bis 1937 aus, in den Folgejahren des Ersten Weltkriegs mit der verbundenen Wirtschaftskrise. Daneben gründete er eine Familie, und es galt, das Geschäft zu führen. Dessen Grundstein hatte Vater Heinrich Gubler gelegt, der 1889 erfolgreich an der Weltausstellung in Paris mit einem Feuerlöscher und einer Waschmaschinenkonstruktion teilnahm.

Ernst Gubler, Patron und Lehrmeister

1913 wurde Ernst Gubler-Kägi geboren. Er folgte den Spuren seines Vaters und seines Grossvaters, erlernte denselben Beruf, stieg in das Familienunternehmen ein und fügte die Meisterprüfung an. Der Spenglermeister beschäftigte durchwegs Arbeiter und Lehrlinge aus der Gemeinde.

Der ehemalige Mitarbeiter Emil Stössel sagt denn auch: «Ernst Gubler war ein sehr guter Lehrmeister. Bei den Abschlussprüfungen holte sich fast jeder Lehrling den ersten Rang.» Die Aufträge des florierenden Geschäfts waren – wie früher üblich – immer in Turbenthal und der nächsten Umgebung.

Der Meister packte gerne selber an, am liebsten in einem tiefen Graben, wo es galt, Wasserleitungen zu ersetzen. Ursula Vetter, Nichte von Gubler, erzählt: «Lange fuhr er mit einem Motorrad zu den Arbeitsstellen, bevor er dann ein Auto kaufte.»

Damit konnte er dann noch mehr Material mitnehmen. So wie er auf ein gutes Arbeitsklima Wert gelegt habe, so habe er den geselligen Teil mit der Belegschaft gepflegt, erzählt Emil Stössel weiter. Zu deren Unterhaltung habe er auf Ausflügen auf dem Akkordeon gespielt und dieses stets verkehrt herum gehalten.

Wie bereits der Vater und der Grossvater engagierte sich Gubler in der Gemeinde. Er gehörte der Sozialbehörde an, die damals noch Armenpflege hiess, und war zudem Pikettkommandant in der Feuerwehr.

In der Freizeit liebte er es zu fischen, er hatte das notwendige Patent dafür. Der allseits beliebte Ernst Gubler starb 2001.

Neuanfang als Astra AG

Bis 1979 stand das Spengler- und Sanitärgeschäft unter der Ägide von Ernst Gubler-Kägi, nachfolgend übernahm familienintern Schwiegersohn Werner Fankhauser.

Vorgesehen war, dass dessen Sohn wieder als gelernter Spengler einsteigen sollte, doch ein Unfall des jungen Mannes hat diese Pläne begraben. Das Ende der Firma kam abrupt mit einem nicht mehr abzuwendenden Konkurs, mehr als 20 Mitarbeitende waren betroffen.

Vier von ihnen rafften sich auf, denn Emil Stössel, Robert Sommer, Viktor Lüscher und Heinz Trachsler mochten das grosse Wissen, das sie aus unzähligen Arbeiten in der Gemeinde hatten, nicht versenken und gründeten die Astra AG.

Die Werkstatt wurde hinter dem alten «Bären» in der Liegenschaft Knecht eingerichtet und bestand nahezu 20 Jahre. Dank der Meisterprüfung von Robert Sommer konnte auch die Tradition der Lehrlingsausbildung fortgesetzt werden.

Fankhauser seinerseits verkaufte die hinter dem Wohnhaus liegende Werkstatt an der Tösstalstrasse 105a, in die er eine Wohnung eingebaut hatte, an die Familie Hugi. Heute wohnt der Europameister im Ballonfahren, Roman Hugi, mit seiner Familie in ebendieser Wohnung. Elsbeth und Christian Hugi verkleinerten die Werkstatt und bauten mehrere Wohneinheiten in das grosszügige Gebäude ein.

Geschäfts- und Wohnhaus

An der viel befahrenen Tösstalstrasse hat das Wohn- und Geschäftshaus seine Geschichte. Die beiden grossen Fenster signalisieren auch heute noch, dass hier eine Verkaufsstätte war. Links befand sich die Eisenwarenabteilung und rechts das Haushaltwarengeschäft.

Der Laden wurde von Ernst Gubler-Bosshards lediger Schwester Emma (1872–1948) geführt. Später übernahm Olga Gubler-Kägi den Laden. Im Obergeschoss wohnte die Familie Ernst und Olga Gubler-Kägi mit ihren drei Kindern Verena, Elisabeth und Katharina.

So ganz nebenbei kann man in der Familiengeschichte entdecken, in welch nahem Umkreis man früher Ehepartnerinnen und -partner fand. Die Schwester von Ernst und Emma Gubler, die 1905 geborene Ida, verheiratete sich mit Rudolf Ott aus der Metzgerei in Hutzikon.

Dieser wiederum war ein engagierter Amtsträger, wirkte als Gemeindepräsident, Kantons- und Nationalrat. Olga Gubler-Kägi kam von der Schmidrüti und war die Schwester des bekannten und inzwischen verstorbenen Gärtnermeisters Koni Kägi.

Im Spengler- und Sanitärgeschäft mitgearbeitet hat deren Bruder Albert Kägi. 1969 übernahmen Käthi und Karl Gasser diese Geschäfte, die sie in der Nähe über viele Jahre weiterbetrieben. Das Ladengeschäft an der Tösstalstrasse 105 wurde gänzlich aufgehoben und durch die Fankhausers in eine Wohnung umgebaut. Diese Liegenschaft wurde zu einem späteren Zeitpunkt weiterverkauft.

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