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Reitszene im Tösstal weiss, wie man das Vereinsleben zelebriert

Der Reitverein Tösstal feiert sein 150. Geburtstag. Doch der Jubilar erfreut sich noch immer bester «Gesundheit». Wie machen das die Tösstaler Reiter?

Unzählige Stunden Fronarbeit leisteten und leisten die Vereinsmitglieder für ihre professionelle Reitanlage.

Foto: PD

Reitszene im Tösstal weiss, wie man das Vereinsleben zelebriert

150 Jahre Reitverein Tösstal Teil 2

Während viele Vereine mit Nachwuchssorgen und fehlenden Helfern zu kämpfen haben, feiert der Reitverein Tösstal sein 150-jähriges Bestehen. Worin liegt das Geheimnis seines langjährigen Erfolgs?

«Auch wir müssen uns mehr bemühen als in früheren Jahren, um genügend Helfer zu motivieren», relativiert Conny Kägi. Die Präsidentin des Reitvereins Tösstal spricht damit das Aufgebot von freiwilligen Mitarbeitern an, die für die Durchführung von Anlässen auf der Reitanlage Gmeiwerch in Turbenthal benötigt werden.

Mit diesen Events finanziert der Reitverein unter anderem die vereinseigene Reithalle mit Aussenplatz.

Im Gegensatz zu vielen anderen (Reit-)Vereinen können sich die Tösstaler allerdings nicht über schwindendes Interesse beklagen. Die Mitgliederzahlen seien in den letzten 40 Jahren recht stabil geblieben, erklärt Heidy Dietiker. Sie hat für den Reitverein Tösstal die Chronik verfasst, die in Kürze erscheint. Nach ihren Angaben zählt der Verein auch heute noch knapp 100 Aktiv- sowie 100 Passivmitglieder, 35 Ehrenmitglieder und 14 Junioren.

Der Reitverein Tösstal feiert sein 150-Jahr-Jubiläum.
Diese Statistik zeigt die Entwicklung und Verteilung der Mitgliederzahlen in 150 Jahren.

Dass ein Reitverein über eine eigene Infrastruktur in solch professionellem Ausmass verfügt, ist gemäss Conny Kägi nicht alltäglich. «Wir wurden schon von internationalen Reitern aus dem Ausland angesprochen, wem diese tolle Anlage gehöre», sagt sie schmunzelnd, «sie machten grosse Augen, als sie erfuhren, dass wir als Verein die Anlage ehrenamtlich unterhalten.»

In solchen Momenten empfindet Kägi grossen Stolz, Mitglied im Reitverein Tösstal zu sein: «Es ist ein schönes Gefühl, was man alles gemeinschaftlich erreichen kann.»

Turniere mit Geschichte

Wie Dietiker erklärt, hat die Springkonkurrenz in Turbenthal eine langjährige Tradition: «1915 erstand der Verein ein Stück Land im Wiesenthal, um vorerst einen vereinsinternen Wettbewerb durchzuführen», erzählt sie. 1931 sei dann das erste offizielle Sommerspringen organisiert worden.

Neben vielen anderen Aktivitäten kam später auch ein Dressurturnier dazu. Genau wie bei der Springkonkurrenz finden an den Dressurprüfungen Turniere vom Einsteiger- bis zum Profi-Niveau statt.

Neben dem sportlichen Aspekt wird im Tösstaler Reitverein auch die Geselligkeit grossgeschrieben. «Ich glaube, der Zusammenhalt ist das Geheimnis unseres langjährigen Erfolgs», sagt Heidy Dietiker. Und damit ist sie nicht allein.

Werner Wüthrich, seit 1973 im Reitverein Tösstal und heute Ehrenmitglied, bestätigt: «In all den Jahren empfinde ich die Kameradschaft untereinander als besonderes Highlight.» Ausserdem schätze er es, dass der Verein immer wieder neue Projekte vorangetrieben habe. Wie etwa den Bau der eingangs erwähnten Reitanlage: «20 Jahre lang haben wir versucht, eine neue Reithalle zu bauen», führt Dietiker aus, «doch immer wieder wurde das Projekt abgeschmettert.»

Die Tösstaler liessen sich nicht unterkriegen, bis sie 1997 ihre neue Reithalle eröffnen konnten. 2008 kam ein Aussensandplatz hinzu. In einer dritten Etappe wurde der Bau einer überdachten Galerie in Angriff genommen. Seit 2014 können die Zuschauer von dieser aus sowohl das Geschehen auf dem Sandplatz als auch in der Reithalle verfolgen.

Die Besucherränge sind stets gut besucht, die Faszination Reitverein scheint ungebrochen. Darüber freut sich Werner Wüthrich: «Es ist toll zu erleben, wie sich die Jungen immer noch für das Vereinsleben engagieren.» So ist auch die heutige Präsidentin, Conny Kägi, im Tösstaler Verein «gross geworden»: «Ich durfte als Juniorin die Pferde einer befreundeten Familie reiten», erinnert sie sich. Später begann sie sich fürs Parcoursbauen zu interessieren.

Sie assistierte Werner Wüthrich, bestritt selbst aktiv Turniere und durfte vereinsintern die Verantwortung über die Aktivitäten übernehmen. Bis sie schliesslich für das Amt der Präsidentin angefragt wurde. «Wir haben bisher immer eine gute Wahl mit den Vorstandsmitgliedern getroffen», bestätigt Dietiker.

Sie führt den ungebrochenen Erfolg des Tösstaler Reitvereins aber noch auf andere Umstände zurück: Sportlich waren die Tösstaler schon immer sehr erfolgreich unterwegs. Neben dem Ehrgeiz sei aber auch der Spass nie zu kurz gekommen.

«Vermutlich ist es das klassische Geben und Nehmen, das uns so erfolgreich macht. Eine Mischung aus Profitieren, Zusammenhalten und Helfen.» Als weiteren Punkt nennt die ehemalige Wildbergerin die geografischen Gegebenheiten: «Das Tösstal ist ein Fleckchen Erde für sich – so viele andere Reitvereine liegen nicht in unmittelbarer Nähe.»

Frauen an die Macht

Seit 150 Jahren ist man nun schon als Verein unterwegs. Was hat sich in dieser Zeit am meisten verändert? Heidy Dietiker antwortet darauf mit der Geschlechterverteilung: «Es hat 104 Jahre gedauert, bis die erste Frau in den Vorstand gewählt wurde – heute sind die weiblichen Mitglieder in der Überzahl.» Der Anteil der weiblichen Aktivmitglieder habe sich in den letzten 30 bis 40 Jahren drastisch gesteigert: 92 Prozent sind mittlerweile Frauen.

Man sieht die Vorstandsmitglieder des Reitvereins Tösstal.
Der Vorstand: Melanie Grob, Thomas Wüthrich (vorne, von links), Caroline Schurig, Sylviane Hauri, Susi Miedzik, Pascale Ramensperger und Conny Kägi (hinten, von links).

«Ich glaube auch heute noch ans Vereinsleben», sagt Conny Kägi dazu. «Obschon zurzeit viele Vereinsmitglieder Familien mit kleineren Kindern haben, versuchen sich alle nach ihren Möglichkeiten zu engagieren.» Das freut die Vereinspräsidentin, die selbst Mutter ist.

Gefragt nach den weiteren Zielen des Vereins, kündigt sie an, dass der Vorstand im Herbst die Ausrichtung in den nächsten Jahren besprechen wird. «Wir möchten der Zeit immer einen Schritt voraus bleiben und dennoch das bodenständige, vorausschauende Niveau beibehalten, das unsere Vorfahren schon eingeschlagen haben», erklärt sie.

Besonders am Herzen liege dem Verein der generationenübergreifende Austausch. «Die Älteren unterstützen die Jüngeren – viele Nachwuchsmitglieder profitieren von diesen Erfahrungen.» Dennoch würden die Älteren die Verantwortung an die nächste Generation weitergeben, «ohne immer reinreden zu wollen».

Festprogramm

Von 14 bis 17 Uhr für die ganze Bevölkerung:

– Bodenarbeit-Vorführung des Ponyclubs Bonnie Ponies, anschliessend können Kinder mit den kleinen Pferden auf Tuchfühlung gehen.
– Working Equitation: Sabine Kropf und ihr Team stellen die traditionelle Arbeitsreitweise aus dem Süden Europas vor.
– Dressurquadrille: Choreografie von Dressurreitern und Fahrern.
– Voltige: Der Verein Voltige Tösstal (Weltmeister 2022, Europameister 2019/2022, Schweizer Meister 2015, 2021, 2022, 2023) zeigt anspruchsvolle Akrobatik auf dem Pferderücken.
– Springquadrille: Choreografie von Springreitern.
– Train-Vorführung: Armeemitglieder zeigen, wie das Pferd noch heute in der Schweizer Armee eingesetzt wird. Auf einem Reitsimulator kann jeder ausprobieren, wie es sich auf einem Pferdrücken anfühlt.

Ab 17 Uhr Abendprogramm für die geladenen Gäste.

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