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Demokratie in Uster inspiriert südafrikanischen Forscher

Vorbild für die Demokratie im Heimatland: Ein südafrikanischer Forscher ist von der Politik in Uster begeistert.

Der südafrikanische Forscher Noel Chellan interessiert sich für die Politik in Uster.

Foto: Jan Gubser

Demokratie in Uster inspiriert südafrikanischen Forscher

Besuch in der Schweiz

Ein Forscher aus Südafrika will herausfinden, wie das Leben in einer Demokratie ist. Er reist in die Schweiz und wird in Uster fündig.

Rund 80 Personen sitzen im Stadthofsaal in Uster. Vorne sieht man die sieben Stadträte. Sie stehen der Bevölkerung Rede und Antwort. Normalerweise kommen Einwohnende aus Uster zur Veranstaltung «Stadtrat im Dialog». An diesem Abend ist jedoch ein Mann dabei, der sonst gar nichts mit Uster zu tun hat.

Noel Chellan kommt aus Südafrika und spricht kein Deutsch. «Ich habe deshalb während der Veranstaltung kein Wort verstanden», sagt er. «Nachher bin ich mit den Leuten aber auf Englisch ins Gespräch gekommen. Da haben sie mir erklärt, worüber sie diskutiert haben.»

Unter anderen sprach Chellan mit dem Ustermer Stadtrat Cla Famos (FDP). Sie haben sich über die Demokratie in Südafrika und in Uster ausgetauscht. «Ich habe ihm erklärt, wie das Milizsystem in der Politik hier in der Schweiz funktioniert», sagt Famos. Die beiden haben sich erst am Abend selbst kennengelernt. Chellan hat Famos trotzdem eingeladen, ihn in Südafrika zu besuchen. Famos weiss noch nicht, ob er das dann machen wird.

Reise fast geplatzt

Chellan hat einen Doktortitel in Soziologie und ist Dozent an der University of KwaZulu-Natal im Osten von Südafrika. Aktuell beschäftigt er sich im Rahmen einer Forschung mit dem Thema Demokratie. Dafür besuchte er für zwei Wochen Rumänien und jetzt für zwei Wochen die Schweiz.

Er will wissen, wie die Menschen in einer Demokratie leben. «Ich wollte nicht nur etwas darüber lesen, sondern es selbst erleben», sagt Chellan. Dafür war er bereits bei der Franklin University Switzerland in Sorengo bei Lugano. Bevor er zur Schweizer Demokratie Stiftung in Bern ging, verbrachte er zehn Tage in Uster. «Hier gab es günstigere Übernachtungsmöglichkeiten», begründet Chellan seine Entscheidung.

Die Reise muss der südafrikanische Forscher selbst bezahlen, weil sich seine Universität nicht an den Kosten beteiligen wollte. Damit er die Reise antreten konnte, musste er bei Verwandten Geld ausleihen. Den Flug und die Unterkunft gebucht, den Koffer gepackt, ging er zum Flughafen. Und dann, zwei Stunden vor dem Abflug, erhielt Chellan auch noch das ersehnte Visum.

Uster als Vorbild

«Hier merke ich, was es heisst, in einer Demokratie zu leben», sagt Chellan. Bei der Veranstaltung «Stadtrat im Dialog» sah er, wie gut der Austausch zwischen der Politik und den Bürgerinnen und Bürgern funktionieren kann. Chellan erzählt davon, wie mit einer Waffe auf ihn geschossen wurde, als er sich politisch engagierte. Glück im Unglück: Die Kugel traf nur sein Bein. «Es gibt Menschen, die kämpfen für Freiheit und erleben sie nie. Dann gibt es Menschen, die kennen Freiheit und mussten nie dafür kämpfen», sagt er heute.

Chellan erzählt von den vielen Dingen, die in seiner Heimat schieflaufen. Eine hohe Arbeitslosenquote von rund 30 Prozent – bei den jungen Menschen sei sie noch höher. Menschen werden ausgeraubt, vergewaltigt, entführt, getötet. «Ein Menschenleben hat nicht mehr Wert als ein Smartphone oder ein Velo», sagt Chellan. Die Entwicklung in Südafrika geht nur stockend voran. Grund dafür sind die korrupten Strukturen in der Politik, die auch 30 Jahre nach den ersten freien Wahlen nicht verschwunden sind.

Südafrikas Politik

Bis ins Jahr 1994 herrschte in Südafrika das Apartheitregime. Die Menschen wurden aufgrund ihrer Hautfarbe eingeteilt und anders behandelt. Dann gab es die ersten freien Wahlen in Südafrika. Massgebend dazu beigetragen hat Nelson Mandela. Dieser gehörte der Partei ANC an. Erstmals seit 30 Jahren verlor sie nun die Mehrheit bei den Wahlen vergangene Woche.

Uster diente für Chellan als positive Inspiration. Hier erlebte er, dass die Leute ein Mitspracherecht haben. In Südafrika können die Menschen alle fünf Jahre eine Person in die Politik wählen. Danach hat diese Person aber die Macht. «In der Schweiz hat das Volk das letzte Wort, das ist faszinierend», sagt er.

Ein Buch soll bewegen

Zurück in Südafrika will Chellan ein Buch schreiben. Die gesammelten Erfahrungen fliessen so in eine Monografie – ein Buch, das wissenschaftlich geschrieben und auf ein Thema fokussiert ist. Er hofft, dass er mit seiner Arbeit die Diskussion über die Demokratie in seinem Heimatland neu anstossen kann. Durch die Begegnungen und Erfahrungen in Uster hat Chellan einen Eindruck erhalten, wie Demokratie funktionieren kann.

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