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Der Bauer aus Rüti, der keine Scheu vor Windrädern zeigt

Auf dem höchsten Rütner Hügel könnten Windkraftanlagen entstehen. Ein Landbesitzer meint: Warum nicht?

Bauer Daniel Steinmann besitzt auf dem Batzberg eine Wiese und Wald. Gegenüber Windrädern auf dem höchsten Rütner Hügel zeigt er sich offen. Im Hintergrund führt eine Starkstromleitung übers Gelände.

Foto: Christian Brändli

Der Bauer aus Rüti, der keine Scheu vor Windrädern zeigt

Potenzialgebiet Batzberg

Windrädern bläst im Oberland eine steife Brise entgegen. Der Rütner Landwirt Daniel Steinmann hält dagegen und verleiht den umstrittenen Anlagen Aufwind.

«Wenn etwas Neues kommt, lehne ich das nicht einfach schon von Anfang an ab.» Daniel Steinmann hat diese Offenheit auch an einem Podium zur Windenergie in Rüti an den Tag gelegt. Während in der Region reihum grosse Skepsis gegenüber Windrädern herrscht, will er auch bei diesem umstrittenen Thema mindestens beide Seiten anhören.

An jenem Abend im April stand er als Zuhörer in der Diskussion allerdings auf. Er hielt den Gegnern oben auf dem Podium Polemik vor und meinte, sie würden Populismus betreiben. Das Besondere: Steinmann ist nicht irgendwer, sondern als Bauer am Batzberg wohl ganz direkt betroffen, wenn auf dem höchsten Hügel von Rüti tatsächlich Windenergieanlagen aufgestellt würden.

Keine Abneigung gegen hohe Rotoren

«Wenn man gegen etwas ist, findet man es immer schlimmer», meint er einen Monat später dazu. Und: «Ich finde solche Windräder nicht einmal so hässlich.»

Übersichtskarte des Batzbergs auf den Gemeindegebieten Rüti und Wald.
Der Batzberg ist eines der Potenzialgebiete für Windenergie im Kanton Zürich.

Eine Potenzialstudie des Kantons zeigt, dass sich der Batzberg als Standort für drei Windräder eignet. Diese könnten bis zu 25 Gigawattstunden Strom liefern. Ein kleiner Teil der Standortfläche liegt auf Walder Boden, der allergrösste aber auf Rütner Gebiet – und auf Wiesen und in Wäldern, die Steinmann gehören. 

Blick auf den Batzberg, den höchsten Rütner Hügel.
Am Fusse des Batzbergs ist der Rütner Bauer Daniel Steinmann daheim.

Am Fusse des Batzbergs führt er einen breit abgestützten Landwirtschaftsbetrieb. Auf 40 Hektaren betreibt er Futter- und Ackerbau sowie Rindviehhaltung. Hinzu kommen viele Biodiversitätsflächen – und Pferde. Seit 2019 ist der lizenzierte Reiter und passionierte Pferdezüchter auch Präsident des Zuchtverbands CH-Sportpferde.

Nachfrage bei möglichen Betreibern

«Ich positioniere mich gerne», meint Steinmann, der auf dem Oberwis-Hof aufgewachsen ist und diesen seit 1996 führt. Was Steinmann als positionieren bezeichnet, würden andere wohl eher als exponieren titulieren. «Tatsächlich bin ich für viele meiner Bauernkollegen ein rotes Tuch», gesteht er ein.

Dabei wolle er doch der Sache nur auf den Grund gehen. So hörte er auch davon, dass sich in der Region schon potenzielle Windenergie-Investoren bei Landbesitzern gemeldet hatten. Er fragte mal bei den Centralschweizerischen Kraftwerken (CKW) nach, ob das den Tatsachen entspreche.

Es verging keine halbe Stunde, bis er einen Rückruf erhielt. Allerdings habe er bis heute keine Ahnung, was solche Windräder dem Bodenbesitzer finanziell bringen würden. 

Bei Solarenergie früh eingestiegen

Der oberste Rütner – diesen Titel führt er scherzhaft als Besitzer des auf 778 Meter gelegenen höchsten Punkts der Gemeinde – zeigt sich gegenüber neuen Technologien interessiert. So hat er auch früh Photovoltaikanlagen installiert. «Zur besten Zeit. Die auf 25 Jahre ausgelegten Investitionen waren schon nach fünfeinhalb Jahren amortisiert.»

Gerne hätte er noch mehr Panels montieren lassen. Doch deren Strom könnte er gar nicht mehr einspeisen. Die Leitungen hoch zur Oberwis sind zu schwach.

Deponie wird beim Hof geplant

Seine Grundhaltung – «Wieso immer gleich alles bodigen?» – zeigt sich auch in Sachen Kiesabbau und Deponie. Beides wird es in den nächsten Jahren gleich neben seinem Hof geben. Im Gebiet Goldbach will die Wetziker Tiefbaufirma Merkli & Solioz wieder Kies gewinnen. Parallel dazu wird eine 400'000 Kubikmeter fassende Deponie mit Inertstoffen aufgefüllt.

Vom Waldrand am Batzberg öffnet sich der Blick hinüber zum Bachtel.
Vom Waldrand am Batzberg öffnet sich der Blick hinüber zum Bachtel. Unterhalb des weissen Hauses kommt die neue Deponie Goldbach zu liegen.

Auch wenn er diesem Vorhaben gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt ist, kritisiert er, dass er für den Gestaltungsplan vom Kanton nie konsultiert worden sei. Und dies, obwohl ein Teil der geplanten Zufahrtsstrasse über seinen Grund führt.

Gut erschlossener Batzberg

Wo die drei Windräder auf dem Batzberg genau zu stehen kommen könnten, weiss Steinmann nicht. Noch ist offen, ob die Zürcher Baudirektion überhaupt diesen Standort weiterverfolgen wird. Der Walder Daniel Diggelmann gibt diesem jedoch gute Chancen.

Der CEO der Energieberatungsfirma e3hus, einer Tochterunternehmung der EW Wald AG, sieht als grossen Vorteil, dass der Batzberg bereits gut mit einer Zufahrtsstrasse erschlossen ist.

Steinmann vermutet, dass ein Windrad auf der Waldwiese zu stehen kommen könnte. Nicht zu nahe am Ried und mit genügend Abstand zur Hochspannungsleitung, die über die Wiese führt. Auch mit dieser hat er sich arrangiert. Schliesslich sind ja alle auf Energie angewiesen.   

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