Abo

Gesellschaft

So trotzt das Turnfest-OK in Turbenthal dem Dauerregen

An der Turn-Regionalmeisterschaft in Turbenthal regnete es buchstäblich nur einmal. Das OK reagierte prompt auf die Herausforderungen. Doch ganz ohne Einschnitte ging es nicht.

Hilft mit, dass das «Hudelwetter» dem Turnfest nichts anhaben kann: OK-Mitglied Marc Bölsterli.

Foto: Michael Eggenberger

So trotzt das Turnfest-OK in Turbenthal dem Dauerregen

Regionalmeisterschaft im Tösstal

Am Wochenende lockte die Turn-Regionalmeisterschaft rund 3600 Turner nach Turbenthal – trotz strömendem Regen. Ein Besuch vor Ort zeigt, wie die Organisatoren den wetterbedingten Kollaps abwenden.

«Ein Turnfest fällt ins Wasser» – So oder so ähnlich hätte die Schlagzeile dieses Berichts lauten können. Doch das OK der Regionalmeisterschaften wollte es nicht so weit kommen lassen. «Eine Absage stand nie zur Diskussion», betont Marc Bölsterli, im Komitee verantwortlich für Marketing und Sponsoring.

Im Gegenteil: Unter Turnerinnen und Turnern sei der Zusammenhalt gerade jetzt, wo alle mit denselben widrigen Bedingungen zu kämpfen haben, gar noch grösser. «Fast schon etwas trötzelig sagen wir uns ‹Jetzt erst recht›», sagt Bölsterli, «und es schweisst schon enorm zusammen, dass wir alle im selben Boot sitzen.»

Und doch wird beim Gang durch das Festgelände Gmeiwerch augenfällig, was der Dauerregen angerichtet hat. Der Rasen gleicht stellenweise einer Schlammgrube, das Sickerbecken bei der Reithalle war bereits mehrfach überlaufen und musste ausgepumpt werden. Am Freitag stand das Wasser teilweise bis zum Rand des Festwirtschaftszelts. Und auch am Samstag war die Feuerwehr Turbenthal-Wila-Wildberg noch vor Ort.

Aus dem Biergarten wird ein Bierzelt …

Vom schlechten Wetter betroffen sind besonders jene Wettkämpfe, die auf dem Rasen ausgetragen werden – die Pendelstafette und das Kugelstossen etwa. Damit der Boden weniger stark beansprucht wird, hat das Komitee zusätzliche Stafettenbahnen abgesteckt.

Trotzdem weckt gerade der Anblick beim Kugelstossen bei Marc Bölsterli Erinnerungen an ein Turnfest mit ebenso schlechtem Wetter. «2013 in Marthalen war das Wetter ähnlich schlecht. Dort sind die Kugeln ebenfalls nach jedem Stoss im Matsch versunken, und man musste sie ausgraben.»

Gewisse Vorbereitungen im Hinblick auf das schlechte Wetter trafen die Organisatoren schon im Vorfeld. Bereits am Montag fiel etwa der Entscheid, den nicht ganz unwichtigen Biergarten in ein Bierzelt zu verwandeln. «Ein grosser Vorteil ist, dass die meisten Zelte einen eigenen Boden haben oder auf Asphalt stehen», so Bölsterli.

Zudem stellte das OK sicher, dass genügend kleine und grosse Zelte vorhanden sind, damit möglichst viele der rund 3600 Teilnehmer während des Wettkampfs möglichst trocken bleiben.

Zusätzliche Bodenplatten sorgen dafür, dass der Gang durch das Festgelände auch abseits der mit Holzschnitzeln ausgekleideten Wege nicht zur Schlammschlacht wird. Aus Sicherheitsgründen ist ausserdem der Zugang vom Festgelände zur Töss abgesperrt, und ein Sicherheitsdienst patrouilliert auf dem Gelände. «Es ist einfach so schnell etwas passiert», sagt Bölsterli.

… aus dem Wettkampfzelt ein Massenschlag

Buchstäblich ins Wasser fielen trotz der richtigen Vorbereitung zwei Disziplinen. Weil ein Hangrutsch die Strecken blockierte und es keine Ausweichmöglichkeiten gab, mussten der 800-Meter- und der Crosslauf abgesagt werden. Eine Seltenheit: «Meines Wissens sind wir die erste RMS, an der Wettkämpfe abgesagt werden müssen.»

Das bestätigt auch Guillermo Modena, der als Gesamtwettkampfleiter für den Zürcher Turnverband vor Ort ist und die Organisatoren bei Fragen berät. «Wir haben mit dem OK geschaut, welche Anlagen wir umplanen können. Das geht nur, wenn es genügend Reserven gibt», betont er. «Aber hier sind die Anlagen so gut gebaut, dass wir wirklich nur die Disziplinen absagen mussten, bei denen es keine Alternative gab.»

Ein weiterer Einschnitt war der Entscheid, den Zeltplatz am Dorfausgang Richtung Wila zu schliessen. Rasch suchten Bölsterli und der Rest des OKs am Freitag nach Ausweichmöglichkeiten im Dorf. «Innert zwei Stunden hatten wir 2000 potenzielle Schlafplätze organisiert», sagt Bölsterli.

Das ist nicht nur wichtig für die Turnvereine aus Winterthur und Umgebung, die um den Titel des Regionalmeisters kämpfen. Sondern vor allem für die rund 20 auswärtigen Vereine, die die RMS als Vorbereitungswettkampf nutzen – ein Verein ist gar aus dem Berner Oberland angereist.

Fündig wurde man unter anderem in der Grosshalle. Als Unterkünfte dienen aber auch die Turnhalle des Schulhauses Breiti und das Gerätezelt. Um 20.30 Uhr endet hier der letzte Wettkampf, ab 21 Uhr wird das Zelt zum Massenschlag. Einige Vereine funktionieren zudem ihre mitgebrachten Fahrzeuge und Anhänger zur Schlafgelegenheit um, indem sie eine Blache darüber spannen.

Das Ziel für Bölsterli: «Kein Verein soll vor Sonntag abreisen.» Denn der zweite Festtag ist für die meisten Vereine ein Highlight – am Sonntagabend findet die Rangverkündigung statt, tagsüber weitere Disziplinen.

Wasserdichte Feststimmung

Wie viele Turnerinnen und Turner tatsächlich auf dem Gelände übernachten, ist ebenso unklar wie die Antwort auf die Frage, wie viele Besucher vor Ort sind. «Das kannst du nur abschätzen.» Dass es weniger werden als bei strahlendem Sonnenschein, damit rechnet aber auch Marc Bölsterli.

Auf das Wetter reagiert hat auch das Team der Festwirtschaft: So wurde etwa das Getränkeangebot kurzfristig angepasst. Wegen des nassen Wetters stehen neu «Holdrio» und «Fröschli» auf der Karte.

Gerade bei den Riegen selbst vermag das trostlose Wetter die Feststimmung aber nicht zu trüben. Und auch der Zuspruch ist gross. Unzählige Male wird Bölsterli angesprochen, als er durch das Festgelände läuft. «Das Mitgefühl ist riesig, und die Vereine sind extrem kulant.»

Bis ein Heimspiel wie dasjenige des TV Turbenthal ins Wasser fällt, müsste, so scheint es, noch sehr viel mehr Wasser die Töss hinunterfliessen. Doch erst einmal sorgt Marc Bölsterli dafür, dass die Getränke fliessen – setzt den Hut des Marketing-Chefs vorläufig ab und jenen des Barkeepers auf.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.