7000 Liter Desinfektionsmittel aus Uster sind inzwischen verschenkt
Erfolgreiche Verteilaktion
Eine Firma geht in Konkurs und hinterlässt über 10’000 Liter Desinfektionsmittel. Der Nachmieter macht eine Verteilaktion. Die Nachricht erreicht sogar eine Klinik aus der Ostschweiz.
Kanister und Kartonschachteln stapelten sich in dieser Lagerhalle in Uster. Darin befanden sich grosse Mengen an Desinfektionsmittel – insgesamt über 10’000 Liter. Der aktuelle Besitzer wollte sie aber so schnell wie möglich loswerden und startete eine Verteilaktion. Wir berichteten darüber.
Weshalb verschenkt jemand Desinfektionsmittel?
Eine Desinfektionsmittelfirma in Uster ging in Konkurs und machte sich aus dem Staub. Zurück blieben über 10’000 Liter Desinfektionsmittel, die sehr viel Platz benötigten. Ein neuer Mieter zog in die Liegenschaft. Dieser sprach sich mit dem Eigentümer ab, dass er sich darum kümmere. Ein kleiner Teil der Mittel war ohnehin schon abgelaufen; er entsorgte sie. Die restlichen Desinfektionsmittel laufen aber erst in einem Jahr ab, weshalb sich der Mieter dazu entschied, diese Mittel zu verschenken.
Am vergangenen Samstag war es so weit: Gut 100 Personen holten Desinfektionsmittel an der Ackerstrasse in Uster. Es kamen junge wie alte Leute, Einzelpersonen, Paare sowie Familien. Der Mieter und Kopf hinter der Aktion möchte namentlich nicht genannt werden. Dennoch erzählt er: «Es hat auch ‹Hamsterer› gehabt. Einige haben gleich mehrere Säcke mit Flaschen gefüllt, andere gleich den Kofferraum.»

Für das Desinfektionsmittel verlangte der Mieter kein Geld. Dennoch hatte er eine Kaffeekasse aufgestellt – für die Menschen, die freiwillig etwas bezahlen wollten. Das Geld war für das Personal bestimmt. Dabei kam die eine oder andere 20er- und 50er-Note zusammen. «Die Personen, die am meisten Desinfektionsmittel mitgenommen haben, waren die, die am wenigsten, wenn überhaupt was, gaben», sagt der Mieter.
Für Katzen- und Altersheim
Alle Besuchenden hatten ihre Gründe, wofür sie die Desinfektionsmittel benötigen. Wie der Mieter erzählt, holten einige Personen Mittel für den Privat- oder den Werkstattgebrauch. «Eine Dame sagte, sie sei von einem privaten Altersheim. Eine zweite Person kam von einem Katzenheim», sagt der Mieter. Aber auch in einem Tattoostudio werden die Mittel künftig eingesetzt.
Die Nachricht von den Gratis-Desinfektionsmitteln hat es sogar bis in den Kanton Appenzell Ausserrhoden geschafft. Der Geschäftsführer der Berit Klinik AG, Peder Koch, wurde durch einen Bekannten auf die Verteilaktion aufmerksam gemacht. Daraufhin nahm die Klinik, die insgesamt neun Kliniken betreibt, Kontakt mit dem Mieter auf. «Wir haben nur eine kleine Menge bestellt», sagt Koch.
Ein paar Kisten mit 200 bis 300 Litern Desinfektionsmittel sind nun per Post auf dem Weg zur Klinik. Dann will die Klinik die Bestellung überprüfen und womöglich nachbestellen. Bezahlen muss sie lediglich die Transportkosten.
Noch 3000 Liter zu verschenken
Nach allen Bemühungen ist das Lager des Mieters noch nicht leer. Von den über 10’000 Litern hat er noch 3000 Liter. Diese möchte er ebenfalls loswerden. Deshalb verschenkt er zwischen dem 20. und 22. Juni an der Ackerstrasse 45 in Uster die restlichen Desinfektionsmittel.
