Dorffest in Hittnau – Planungen für die «grosse Kiste» laufen
Erste Ausgabe
Vier Vereine spannen zusammen und stellen in Hittnau ein dreitägiges Fest auf die Beine: ein Sommerwochenende vom Dorf fürs Dorf.
Papiersammlung, Gemeindeversammlung, eventuell mal eine obligatorische Übung – im Hittnauer Veranstaltungskalender ploppen für gewöhnlich keine grösseren Anlässe auf. Die Oldtimerclassic ist Geschichte, und auch Festivitäten wie etwa eine Chilbi für das Dorf mit knapp 4000 Einwohnern gibt es nicht.
In diesem Sommer ist das anders. Veloclub, Gewerbeverein, Turnverein und Brass Band Musig Hittnau planen Ende August ein grosses «Dorffäscht» für die Gemeinde. «Es gibt zwar regelmässig das Grümpelturnier oder das Bike-Rennen, bei denen sich zahlreiche Personen versammeln», sagt Pia Wertheimer vom Organisationskomitee. «Doch diese Veranstaltungen fokussieren jeweils stark auf den Kernbereich des organisierenden Vereins – mal von Fussball, mal von Velo oder Musik geprägt.»
Beitrag zur Rad-WM
Wertheimer ist die Präsidentin des Veloclubs Hittnau und brachte letztes Jahr den Stein für das Dorffest ins Rollen. Im Zuge der Rad- und Para-Cycling-Weltmeisterschaften, die im September im Raum Zürich stattfinden, sind die Veranstalter angehalten, ein Begleitprogramm für die Bevölkerung auf die Beine zu stellen. «Die WM-Strecke führt zwar nicht durch Hittnau, aber hier hat der Radsport viel Tradition, da wollte ich gerne einen Beitrag leisten.»
Ich dachte, wenn das Dorf nicht will, dann lassen wir es halt.
Pia Wertheimer
Schnell wurde jedoch klar, dass der Veloclub neben dem Bike-Rennen im Juni und dem Radquer im November ohne Unterstützung keinen zusätzlichen Anlass stemmen kann. «Das war die Chance für ein vereinsübergreifendes, grosses Fest für die Gemeinde.»
Pia Wertheimer schrieb darum im letzten Jahr alle Hittnauer Vereine an, um die Idee zu präsentieren und deren Bereitschaft zur Mithilfe abzuklären. «Die Resonanz war ernüchternd – ich erhielt kaum Antworten und wenn, waren sie abschlägig.»

Sie hatte schon fast aufgegeben. «Ich dachte, wenn das Dorf nicht will, dann lassen wir es halt.» Dann schaltete sich Patrick May, Vizepräsident des Hittnauer Gewerbevereins, mit der Idee ein, das Velofest mit einer Gewerbemesse zu verbinden.
Die Vision: Für einmal versammeln sich nicht die Gewerbler, um ihre Arbeit zu präsentieren, sondern die Besucher fahren mit dem Velo von Gewerbe zu Gewerbe. Er weibelte auch hartnäckig bei den anderen Vereinen, bis sich immer mehr überzeugen liessen.
Ein dreitägiges Fest
Als sich dann Vertreter der Brass Band Musig Hittnau dem kleinen Organisationskomitee anschlossen und auch der Turnverein beschloss, den Wettbewerb «Di schnällschte Hittnauer» im Rahmen des Dorffests auszutragen, schien die Sache im letzten Herbst geritzt. «Die Ideen sprudelten, und irgendwann war die Frage nicht mehr, was wir alles machen könnten, sondern, was wir überhaupt zu stemmen vermögen», sagt Pia Wertheimer.
Das Grundgerüst: ein dreitägiges Fest, bei dem jeder Tag seine eigene Färbung haben soll. Am Freitag beginnt das Programm mit Musik, lokale Rockbands läuten den Festbetrieb auf der Schulanlage Hermetsbüel ein. Der Samstag steht mit der Velo-Gewerbe-Rallye im Zeichen des ursprünglichen Festgedankens. Ein rund fünf Kilometer langer Parcours führt die Teilnehmer auf einer grossen Schnitzeljagd entlang den Hittnauer Betrieben, aber auch Vereine, die Ortsparteien oder die Feuerwehr sind Teil der Route.
Im Rahmen der Roadshow «Zäme ufs Velo» der Rad-WM gibt es zudem Wettbewerbe, Vorführungen und Fahrtechnikkurse, die sich unter anderen an Senioren auf E-Bikes richten. Am Abend findet ein Galadinner mit einem Konzert der Brass Band Musig Hittnau statt, bevor die beiden Piano-Entertainer Chris & Mike auftreten.
Wir mussten eine Lösung finden, damit wir uns nicht mit Kopfsprung in die roten Zahlen stürzen.
Pia Wertheimer
Der Sonntag beginnt etwas gemächlicher mit einem Feldgottesdienst, und während des ganzen Tages ist das Geschichtenzelt der Reformierten Kirche geöffnet. Gegen Mittag werden die schnellsten Hittnauer gekürt – dieses Mal auch mit einer Fun-Staffel, bei der alle Altersklassen willkommen sind, wobei nicht nur Tempo, sondern auch Geschicklichkeit und Teamgeist gefragt sind.
Spätestens mit dem Plan, namhafte Bands wie Chris & Mike zu engagieren, wurde jedoch klar, dass das Fest einiges an Geld verschlingen wird. «Wir mussten eine Lösung finden, damit wir uns nicht mit Kopfsprung in die roten Zahlen stürzen», erzählt Wertheimer.
So stellte Patrick May im letzten November an der Gemeindeversammlung im Rahmen der Budgetdiskussion den Antrag auf 15'000 Franken zugunsten des Dorffests. Eine spontane Aktion, die mit grosser Zustimmung belohnt wurde.
Ein grosser Versuch
«Viele belächelten uns, da wir verglichen mit anderen Anlässen kurzfristig mit der Planung des Anlasses begonnen hatten, und meinten, das schafft ihr nie», sagt Wertheimer. «Aber spätestens mit dem Zuspruch der 15'000 Franken gab es kein Zurück mehr.»
Über das Wochenende vom 30. August bis 1. September hinaus blickt das Organisationskomitee aber nicht. «Es ist nicht unsere Absicht, fortan jedes Jahr eine so grosse Kiste auf die Beine zu stellen», betont Pia Wertheimer. «Das Ganze ist eher wie ein grosses Experiment, um zu sehen, was die Bevölkerung in dieser Hinsicht überhaupt will – und was machbar ist.»
Und obwohl die Vereine zu Beginn äusserst zurückhaltend waren, ist Wertheimer zuversichtlich: «Wir sind überzeugt, dass sich genügend motivierte Hittnauerinnen und Hittnauer finden lassen, die am Dorffäscht mithelfen wollen – gerade weil es etwas für alle ist.»
Auf der Website www.dorffaeschthittnau.ch werden fortlaufend neue Informationen aufgeschaltet. Ab dem 1. Juni können sich Helfer registrieren, und an diesem Datum startet auch der Ticketverkauf für das Galadinner. Anregungen werden gerne via E-Mail dorffaescht@mail.ch entgegengenommen.
