Keine Massnahmen auf Vorrat gegen den Ausflugsverkehr
Diskussion ennet dem Aatal
Lässt die geplante Aatalbrücke das Seegräbner Verkehrsproblem auf die andere Dorfseite überschwappen? Im Sack bewahrt man Ruhe.
Dort das Dorf Seegräben, hier der Ortsteil Sack und dazwischen das rund 50 Meter tiefer gelegene Aatal: Eine Fussgänger- und Velobrücke soll schon bald die beiden «Bergdörfer» besser miteinander verbinden. Und ein Lift den Anschluss zum Bahnhof Aathal erleichtern. Im vergangenen Dezember haben die Seegräbner für dieses rund sieben Millionen Franken teure Vorhaben einen Projektierungskredit genehmigt.
An jener Gemeindeversammlung wurden aber auch Bedenken geäussert, dass die neue Brücke zusätzlichen Ausflugsverkehr anziehen würde. Autofahrer würden im Ortsteil Sack und speziell im Quartier Grossweid einen Parkplatz suchen und anschliessend über die luftige Verbindung ins Dorf Seegräben hinüberwandern. Das Problem mit dem Ausflugsverkehr, mit dem das Dorf schon lange kämpft, würde damit auf die andere Talseite ausgedehnt.
Lösungen präsentiert
Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) versprach damals, flankierende Massnahmen zu prüfen. Und diese stellte er am Dienstag an einer Informationsveranstaltung vor. Deren eigentlicher Anlass war die Sanierung der Strasse und der Werkleitungen im Quartier Grossweid. Die Bauarbeiten dafür beginnen Mitte September und werden rund ein Jahr dauern.
Die grösste Diskussion entwickelte sich aber um die Frage, ob die Strassensanierung gleichzeitig genutzt werden soll, um schon Massnahmen gegen möglichen künftigen Ausflugsverkehr zu ergreifen. «Wir haben fünf Varianten geprüft», unterstrich Pezzatti. Verworfen wurde eine Absperrung des Quartiers mit versenkbaren Pollern. «Da ist die Unfallgefahr zu gross», merkte Projektleiter Markus Rüegg an.
Auch ein Schrankensystem wurde als untauglich taxiert – zu teuer, zu komplex und ein zu grosser Landbedarf. Die Einführung einer blauen Zone sei auch nicht zielführend. So erlaube dies gerade sonntags, wenn das grösste Besucheraufkommen zu erwarten sei, ein zeitlich unbeschränktes Parkieren.
So blieben schliesslich noch zwei Varianten, über die der Gemeindepräsident konsultativ abstimmen liess: gar nichts machen oder die Realisierung von 14 fixen weissen Parkfeldern. Ausserhalb dieser bestünde ein Parkverbot. Bei Missständen könne das Regime noch verschärft werden, indem etwa die Parkdauer zeitlich beschränkt werde oder Parkkarten für Anwohner und Besucher eingeführt würden.
Die Ausschilderung eines Fahrverbots mit dem Zusatz «Zubringerdienst gestattet» bringe gar nichts, wie sich auch auf der Dorfstrasse gezeigt habe. Dieses Verbot werde dauernd missachtet. Und die Polizei habe kaum Zeit, Verstösse zu ahnden, meinte Pezzatti.
Für bisheriges Regime
Die rund 100 Anwesenden waren fast einhellig der Meinung, dass das bestehende Parkregime – nämlich Parkieren auf der Strasse, wo dies gefahrlos möglich ist – belassen werden soll. «Wir müssen hier nicht auf Vorrat Massnahmen ergreifen», brachte es ein Anwohner auf den Punkt.
Es sei völlig offen, ob der befürchtete Ausflugsverkehr überhaupt jemals den Weg in den Sack und die Grossweid finde. Und es sei ja noch nicht einmal entschieden, ob die grosse Aatalbrücke gebaut werde.
Brückenprojekt auf Kurs
Tatsächlich wird erst Ende 2025 an der Urne über den Baukredit abgestimmt. Doch die Vorbereitungsarbeiten laufen gemäss Nachfrage beim Gemeindepräsidenten planmässig. Jüngst wurden Probebohrungen in jenen Bereichen durchgeführt, wo die Hängebrücke verankert würde. Dabei habe sich gezeigt, dass es keine geologischen Überraschungen gebe.

Die Position des Liftturms ist mittlerweile nochmals leicht angepasst worden. Die Immobilienfirma Hiag plant beim Bahnhof Aathal ein neues Bauprojekt, auf das nun Rücksicht genommen wird.
Auch von der finanziellen Seite her gibt es positive Signale. So sind die Metallpreise, die mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs in die Höhe schossen, wieder gesunken. Das reduziert die Baukosten. Werden die bereits zugesagten Bundesbeiträge abgezogen, verbleiben noch 4,8 bis 5,3 Millionen, die das kleine Seegräben selbst tragen muss. Offen ist, ob sich Dritte an diesen Aufwendungen beteiligen. Findet der Baukredit an der Urne dann das nötige Mehr, könnte 2027 die grosse Brücke übers Aatal eingeweiht werden.
