Illnau-Effretikon plant mehr Wohnraum für Menschen in Not
Provisorisch und permanent
Der zunehmende Bedarf an Sozialwohnungen und Unterkünften für Asylsuchende macht Illnau-Effretikon zu schaffen. Jetzt kündigt die Stadt neue Projekte an.
Der Stadtrat Illnau-Effretikon plant mehr Sozialwohnungen und Wohnräume für Asylsuchende, teilt dieser mit. Der Wohnraum für solche Personen sei zu knapp und in den meisten Fällen sogar befristet, weil die Liegenschaften früher oder später abgebrochen werden. Im Juni 2023 beauftragte der Stadtrat deshalb die Abteilung Hochbau mit einer Ausarbeitung einer Machbarkeitsstudie, die den bereits erwähnten Wohnraum analysieren soll.
In Illnau-Effretikon gibt es Menschen, die auf Sozialwohnungen angewiesen sind. Eine bestimmte Einkommensgrenze ist dabei für solche Wohnungen nicht per se definiert, das können Sozialhilfebeziehende sein, wie auch Personen mit einem niedrigen Einkommen. Solche Personen haben auf dem freien Wohnungsmarkt kaum mehr eine Chance. Die Mieten würden stetig ansteigen und eine Entlastung des Wohnungsmarkts sei nicht in Sicht, schreibt der Stadtrat.
Zusätzlicher Platz für mehr Asylsuchende
Zudem hat der Kanton die Aufnahmequote von Asylsuchenden angehoben. Ab Juli 2024 liegt die Quote bei 1,6 Prozent. Für Illnau Effretikon heisst das, dass 54 Personen mehr aus dem Asylprozess aufgenommen werden müssen – gesamthaft sind das dann 286 Personen für die Stadt.
Der Stadtrat rechnet mit einem dauerhaften Grundbedarf an 100 Wohnplätze für Asylsuchende und Sozialwohnungen. Dafür möchte er mit städtischen Immobilien vorsorgen. Um aber Unsicherheiten gegenüber Anmietungen zu umgehen, wurden im Rahmen der benannten Machbarkeitsstudie Standorte geprüft, die einen Bau für eine solche Liegenschaft zulassen würde.
Bei der Suche nach geeigneten Grundstücken oder Liegenschaften hätten für die Stadt verschiedene Aspekte eine Rolle gespielt, geht aus dem Stadtratsbeschluss hervor. Als Erstes stand die Frage aber im Vordergrund: Ist der Wohnraum provisorisch oder permanent zu errichten? Für die Machbarkeitsstudie wurden viele Varianten geprüft, die sich in Standort und Liegenschaftstyp unterschieden.
Eine permanente Unterkunft in Oberillnau
Während einige der Standorte noch evaluiert werden, ergab sich, dass auf dem Areal an der Effretikonerstrasse 49/51 in Oberillnau Neubauten für rund 65 Wohnplätze geschaffen werden könnte.
Geprüft worden seien mehrere Bauvarianten. Beispielsweise, ob man die Gebäude so belassen könnte, ob ein Umbau mit Wohnungsanpassungen nötig wäre oder eine Erweiterung mit Kindergarten oder Ärztehaus. Die Kostenschätzungen würde sich je nach Projekt auf einen Betrag zwischen 840’000 Franken und 2 Millionen Franken pro Gebäude belaufen.
Einige der Varianten fallen unter dem Vorschlag des Architekturbüros weg, weil sie «wirtschaftlich fraglich» oder eben zu teuer sind, wie aus dem Beschluss des Stadtrats zu entnehmen ist. So viel steht jedoch fest: Ohne eine Sanierung kommen die Gebäude mit den Hausnummern 49 und 51 nicht aus. Dafür lässt sich der Bau gut in verschiedenen Etappen errichten. Sollte dieses Projekt vom Stadtparlament und den Stimmberechtigten genehmigt werden, so könnte bis Ende 2027 der Bau bereits vollendet sein.
Zusätzlich erteilte der Stadtrat einen Auftrag zur Prüfung, ob auf dem Gebiet Rebbuck in Alt-Effretikon permanenter Wohnraum entstehen könnte. Dieses wird jedoch noch evaluiert.
Macht ein Provisorium wirtschaftlich Sinn?
Bei den Unterkünften für Asylsuchende, oder genauer gesagt, bei der Erhöhung der Asylquote, gestaltet sich die Dringlichkeit etwas komplexer. Die Liegenschaft muss kurzfristig, oder zumindest vorübergehend, den Bedarf abdecken. Der Stadtrat hat auch hier verschiedene Optionen zur Überprüfung beantragt.
Für Asylsuchende wurden in Illnau-Effretikon bisher zwei verschiedene Liegenschaften berücksichtigt: Provisorien und Anmietungen von Wohnungen. Wie aus dem Beschluss zu entnehmen ist, ist die Anmietung günstiger für die Gemeinde, als ein Provisorium zu erstellen, so der Stadtrat. Dabei geht es um die Investition: Ein Provisorium ist nun mal für Kurzfristigkeit gedacht. Eine Wohnung kann nach dem Bedarf noch weiter genutzt werden.
Deshalb hat dieser hauptsächlich Wohnraum angemietet, unter anderem Studios im «Swiss Star Home» in Oberkemptthal. Dies soll den kurzfristigen Bedarf abdecken. Ausserdem werde er weiter versuchen, Wohnraum aus dem freien Markt zu mieten.
Um aber für einen weiteren Anstieg von Flüchtenden gewappnet zu sein, prüft die Stadt auch die Möglichkeit, Unterkünfte im Masterplangebiet Bahnhof Ost zu schaffen, um genauer zu sein das Baufeld C, das aus zwölf Grundstücken besteht – nur solange diese den Bau des Masterplangebiets nicht behindern.
