Jetzt bringen sich die Veloweg-Befürworter in Stellung
Veloverbindung von Ettenhausen nach Hinwil
Der geplante Veloweg zwischen Hinwil und Wetzikon erhitzt seit Monaten die Gemüter. Nun haben sich die Befürworter zusammengetan und an einer Veranstaltung ihre Argumente offengelegt.
Der geplante Veloweg zwischen Hinwil und Wetzikon beschäftigt die Bevölkerung schon seit geraumer Zeit. Vor allem die bürgerlichen Parteien aus beiden Gemeinden stellen die Notwendigkeit des geplanten kantonalen Projekts infrage. Für sie ist die bestehende Route über die Holzweid-/Bächelackerstrasse ausreichend.
Mittels einer Petition fordern sie die zuständige Regionalplanung Zürcher Oberland (RZO) und den Kantonsrat dazu auf, die Pläne zu beerdigen. Während die Gegner des Projekts schon lange aktiv sind, blieben die Befürworter bisher zurückhaltend. Nun hat aber eine kleine Gruppe von ihnen am Dienstagabend eine Informationsveranstaltung in der Wetziker Garage organisiert.
Veloweg als Hauptverbindung
Yvonne Ehrensberger stellte klar: «Es handelt sich beim geplanten Veloweg nicht um die Idee einer wirren Velofahrerin, sondern um ein Vorhaben auf kantonaler Ebene.» Sie ist Geschäftsführerin von Pro Velo Kanton Zürich, einem Interessenverband, der sich für die Interessen der Velofahrenden einsetzt. «Ich habe mir dieses Projekt mit der ‹Velobrille› vertieft angeschaut und kann deshalb kompetent Auskunft geben.»
Für das vorliegende Projekt sei der Auslöser nicht der Veloweg, sondern der Strassenbau gewesen: «Alle 20 Jahre muss eine Strasse im Schnitt saniert werden», erklärt Ehrensberger, «zufällig wurde dabei festgestellt, dass der Richtplan dort auch einen Veloweg vorsieht.»
Im kantonalen Velonetzplan seien Verbindungen mit verschiedenen Funktionen aufgeführt. «Ob es sich um eine Neben- oder eine Hauptverbindung handelt, gibt Auskunft darüber, wie viele Velofahrer potenziell auf dieser Route fahren werden», erklärte Ehrensberger.
Besagter Strassenabschnitt zwischen Hinwil und Ettenhausen sei vom Kanton als Hauptverbindung deklariert worden. «Damit hat das Projekt eine überregionale Funktion.» Ausserdem bedürfe eine Hauptverbindung bestimmter Qualitätsmerkmale. So müsse sie beispielsweise zügig befahrbar und direkt sein und eine Breite von 3,5 Metern aufweisen.
«Das Ziel des Kantons ist es, den Veloverkehrsanteil von 5,5 auf 8 Prozent zu erhöhen», so Ehrensberger. Damit dies gelinge, müsse die Sicherheit von Velofahrern aller Altersstufen gewährleistet werden. Ihr Argument wollte Ehrensberger mit einer kurzen Filmsequenz unterstreichen. Darin wurde gezeigt, wie die Velofahrt auf der Hauptstrasse zwischen Ettenhausen und Hinwil ist. «Viele fühlen sich nicht sicher, wenn Autos mit 80 Kilometern pro Stunde an ihnen vorbeibrausen.»
Verstärkung von Stadt- und Nationalrat
Nicht nur Pro Velo Kanton Zürich steht hinter dem geplanten Veloweg, auch der Wetziker Stadtrat unterstützt das Projekt. An der Veranstaltung war auch Stadtpräsident Pascal Bassu (SP) dabei. «Wir bekommen viel Strasse und Leistung und müssen als Wetziker verhältnismässig wenig Geld dafür ausgeben.»
Bassu ist sich sicher: «Wenn wir eine Verlagerung aufs Velo wollen, braucht es Investitionen in ein Velonetz, das auch im Winter funktioniert.»
Das Projekt beinhaltet ausserdem weit mehr als einen Veloweg. Damit sprach er auch die Installation von Lichtsignalanlagen bei den Kreuzungen nach Erlosen und vor dem Hinwiler Burger King an, die den Schleichverkehr über Erlosen nach Wetzikon einschränken werden. «Damit können wir aktiv gegen den innerstädtischen Verkehr vorgehen.»
Von Hinwiler Seite gab es Unterstützung von Nationalrätin Marionna Schlatter (Grüne). «Wenn man in der heutigen Zeit Strassen saniert, sollte an alle Verkehrsteilnehmer gedacht werden, nicht nur an die Autofahrer», argumentierte sie.
Zum bestehenden Weg meinte sie: «Das ist für mich keine sichere Route, die ich meinen zehnjährigen Sohn allein fahren lassen würde.»
Für alle Referentinnen und Referenten in der Garage war klar: Die Gegner des Velowegs liegen mit ihren Argumenten daneben. So koste der Veloweg beispielsweise nicht 13 Millionen, das seien die Kosten für das ganze Strassenprojekt. 6 Millionen davon würden für den Fuss- und Radweg anfallen.
Auch würden für den Veloweg nicht 10’000 Quadratmeter Land asphaltiert, wie von den Gegnern vorgebracht werde. «Es handelt sich um etwa 5000 Quadratmeter für den gesamten Fuss- und Veloweg», argumentierte Martin Wunderli, der Präsident der Grünen Wetzikon. Etwa die Hälfte davon brauche die Velohauptroute.
Die Frage nach dem Geld
Dass das Thema die Bevölkerung beschäftigt, zeigte sich auch in der anschliessenden Fragerunde. Viele Anwesende interessierten sich, wie die Streckenführung nach der Bührer-Kreuzung in Hinwil aussehen würde, also beim Knotenpunkt, an dem sich die Zürich-, die Winterthurer- und die Überlandstrasse kreuzen. Gemäss Yvonne Ehrensberger sind auch in diesem Bereich Anpassungen geplant.
Einer der Anwesenden, Philip Bagdasarianz, outete sich als begeisterter Velofahrer und als OK-Mitglied der Petition. Er nutzt regelmässig die alternative Veloroute durch Hinwil. Er räumte zwar ein, dass die Route etwas unübersichtlich und verbesserungsfähig sei. «Doch die Route ist schnell und attraktiv – hier wird unnötig Geld ausgegeben, das an anderen Orten besser eingesetzt werden könnte.»
«Wir haben noch viele Schwachstellen im Velonetz», entgegnete Yvonne Ehrensberger, man komme auf einem Veloweg grundsätzlich schneller voran, wenn er nicht so kompliziert und dafür direkter sei. «Der Radweg-Fonds im Kanton Zürich wird derzeit nicht ausgeschöpft. Wir befinden uns in der privilegierten Lage, dass es bei diesem Projekt nicht am Geld liegt.»
Entschieden ist in der Sache aber ohnehin noch nichts. Der Kanton will zuerst einen Grundsatzentscheid, bevor er weiterplant. Deshalb kommt das Geschäft als Nächstes an den Regierungsrat, bevor dieser es dem Kantonsrat zur Abstimmung unterbreitet.