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Geringe Wertschöpfung macht Oberländer Bauern zu schaffen

Die Schweizer Bauern brauchen unbedingt bessere Rahmenbedingungen. Am Puure-Höck in Maur wurde über Lösungsansätze diskutiert.

Die grosse Beteiligung der regionalen Bauern zeigte, dass die Thematik bewegt.

Foto: Karin Sigg

Geringe Wertschöpfung macht Oberländer Bauern zu schaffen

Puure-Höck in Maur

Am traditionellen Puure-Höck wurden mögliche Auswege aus der landwirtschaftlichen Tretmühle diskutiert. Das Ziel aller Experten ist es, die Rahmenbedingungen für Bauern zu optimieren.

In unseren Nachbarländern kämpfen die Bauern schon länger und lautstark für fairere Bedingungen. Mitte Februar erreichte die Protestwelle auch das Oberland. Mit verschiedenen Aktionen, unter anderem einem Protest in Hinwil und einer Kundgebung in Uster, machten Landwirte der Region auf ihre Anliegen aufmerksam.

«Die heutigen Preise sind für einen Bauern nicht mehr kostendeckend», nennt Ferdi Hodel das aktuell wohl meistdiskutierte Problem der Schweizer Landwirte beim Namen. Er ist Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbands (ZBV) mit Sitz in Dübendorf und war am Mittwochabend am Puure-Höck auf der Forch anzutreffen.

Der Verband nahm diese viel diskutierte Thematik zum Anlass, einen Fachvortrag über die Marktmacht im heutigen Lebensmittelmarkt zu organisieren. Mit Mathias Binswanger konnte ein international renommierter Ökonom als Referent verpflichtet werden. Als Plattform diente der Puure-Höck.

Puure-Höck auf der Forch

Dieser Anlass wird vom Zürcher Bauernverband (ZBV) viermal jährlich auf unterschiedlichen Landwirtschaftsbetrieben durchgeführt. Neben einem Betriebsrundgang und einem Fachreferat zu einem aktuellen Thema «geniessen jeweils zwischen 200 und 500 Personen das gemütliche Zusammensein und den Austausch», so Ferdi Hodel. Rund 350 Bauern pilgerten vergangenen Mittwoch auf die Forch. Auf dem Hof von Beno Bosshard konnten die Besucher, in Gruppen aufgeteilt, den Betrieb erkunden. An drei Stationen erhielten sie Hintergrundwissen in den Bereichen Wirtschaftlichkeit der Intensivaufzucht, Imkerei und Biodiversität.

Hodel erklärt, dass für viele Landwirte der gesellschaftliche Aspekt in der heutigen Zeit von besonders grosser Bedeutung sei. Früher seien Milchbauern zweimal täglich in die Milchhütte gefahren und hätten sich dort regelmässig über ihre Sorgen und Nöte ausgetauscht. Heute werde die Milch alle zwei Tage auf dem Hof abgeholt, und auch die Futtermittel würden auf den Betrieb geliefert. «Soziale Kontakte reduzieren sich im Arbeitsalltag auf ein Minimum», so Hodel, «viele Bauern fühlen sich einsam bei ihrer Arbeit auf dem Hof.» Obschon sich viele gerne über den immer grösser werdenden Druck austauschen würden.

Beno Bosshard bestätigt diese Aussage: «Bei der Arbeit sehe ich meinen Vater, der noch mitanpackt, und meine Rinder.» Sein Engagement bei der freiwilligen Feuerwehr bildet für Bosshard einen sozialen Ausgleich. Seine Frau Rahel arbeitet teils auf dem Hof und teils auswärts. «Ich schätze den Tapetenwechsel und die Anerkennung von ausserhalb», sagt sie.

Man sieht das Ehepaar Beno und Rahel Bosshard.
Die Gastgeber Beno und Rahel Bosshard.

Binswanger vermochte die rund 350 Anwesenden von Beginn weg abzuholen. So war im Aufzuchtstall, in dessen Futtertenn die Festbänke und das Rednerpult aufgebaut waren, nur das monotone Malmen der Wiederkäuer zu hören. «Auf der einen Seite zahlen die Konsumenten mehr für die Lebensmittel, auf der anderen Seite bekommen die Landwirte kaum mehr Geld für ihre Rohstoffe.»

Seien im Jahr 1970 noch 50 Prozent des Ertrags an die Bauern geflossen, bekämen sie heute «nur noch 30 Prozent vom Kuchen». Der Professor für Volkswirtschaftslehre erklärte die hiesige Marktstruktur im internationalen Vergleich. Dass die Rohstoffe zu einem relativ tiefen Preis abgeliefert würden, sei zwar auch in anderen Ländern so. «Doch in der Schweiz ist diese Problematik besonders stark ausgeprägt, da wir nur zwei vorherrschende Grossverteiler haben», so Mathias Binswanger.

Die Qualitätsstandards für Lebensmittel seien vorgeschrieben, «also bleibt den Landwirten nur die Option, noch produktiver zu werden». Heute sei in der Schweiz ein doppelt so grosser Output zu verzeichnen als noch im Jahr 1985.

Das grössere Angebot jedoch habe zur Folge, dass die Preise für einzelne Produkte sinken würden. Was nicht unbedingt besser sei für die Bauern: «Weniger produktive Landwirte scheiden aus, und der Leistungsdruck auf die restlichen Produzenten steigt noch weiter an.»

Betriebsgrösse ist mitentscheidend

«Die Preise, die wir von den Grossverteilern bekommen, reichen nicht mehr», sagt Heiri Joss aus Gossau, der ebenfalls am Puure-Höck teilnahm. Der pensionierte Landwirt unterstützt seinen Sohn, der den elterlichen Betrieb übernommen hat. «Ein landwirtschaftlicher Betrieb wirft erst ab einer bestimmten Grösse Gewinn ab.» Auch die vielen Investitionen, die für einen Landwirt nötig seien, würden durch Direktzahlungen kaum gedeckt.

Viele Bauern würden deshalb einem zweiten Beruf nachgehen, um über die Runden zu kommen. «Die Belastung für diese Quersubventionierung ist gross», ist er überzeugt.

Umstellung auf Bio als Lösung?

Für viele Bauern erscheint die Umstellung auf Bio- oder Labelproduktion ein Ausweg aus dieser Tretmühle. Doch Mathias Binswanger zeigte anhand übersichtlicher Statistiken, dass sich diese Lösung für die Produzenten wirtschaftlich meist nicht lohnt.

«Der grösste Anteil aus dem teureren Verkaufspreis geht in den Handel», lautet seine ernüchternde Aussage. Ausserdem seien die wenigsten Konsumenten bereit, den massiven Mehrpreis für ein Bio-Label zu zahlen, «entsprechend gering ist die Nachfrage».

Eine Ausnahme bildet offenbar Aldi Schweiz. Dieser Grossverteiler sei in der Lage, auch Bio-Produkte günstiger anzubieten. «Ob dies dauerhaft der Fall sein wird oder nur, um in den Bio-Markt einzusteigen, bleibt abzuwarten», relativiert der Wirtschaftsexperte.

Doch wie entkommen die regionalen Bauern dieser Tretmühle? «Es müsste strikter gegen die unfairen Praktiken der Marktmächte vorgegangen werden», lautet Binswangers Antwort. Im Vergleich zu anderen Ländern wie etwa Österreich sei die Schweiz da noch zu wenig aktiv. «Die Wertschöpfung hat sich verändert, weg vom Bauernhof.»

Genau dafür setzt sich der Verein Faire Märkte Schweiz (FMS) ein. «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, gegen den Missbrauch von Marktmacht in der Schweiz vorzugehen», erklärt Präsident Stefan Flückiger bei seinem anschliessenden Referat.

Der Verein engagiere sich dafür, dieses Thema auf das politische Parkett zu bringen und somit die Rahmenbedingungen für Bauern zu verbessern. Ausserdem setze der FMS gezielt auf mehr Direktvermarktung. «Wir unterstützen und beraten unsere Mitglieder, um die regionale Selbstvermarktung zu fördern.»

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