Eine Zeitreise durch Pfäffikon mit dem Smartphone
Neuer Kulturpfad
Wie hat sich Pfäffikon in den letzten Jahrhunderten entwickelt? Die Antiquarische Gesellschaft macht sich die Digitalisierung zu Nutzen und bereitet die Vergangenheit für die Gegenwart auf.
In Pfäffikon wird die Geschichte in ein neues, digitales Gewand gepackt. Die Antiquarische Gesellschaft Pfäffikon, das örtliche Museum, hat im April ihren «Kulturpfad» lanciert. Mit lediglich einem Smartphone und einem QR-Code kann man die Entwicklung der Gemeinde über diesen Pfad verfolgen.
Vorerst umfasst der Kulturpfad 16 historische Gebäude. An jedem dieser Gebäude ist ein QR-Code angebracht – der Pfad kann aber auch virtuell über die Website erkundet werden. Dabei handelt es sich um Bauten, die von damals bis heute von Bedeutung sind, wie etwa der Bahnhof.

Bahnhof (neu) Foto: Kerstin Henggeler, Bahnhof (alt) Foto: Chronikstube Pfäffikon
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Doch auch wirtschaftlich relevante Gebäude sind auf dem Pfad zu entdecken, wie etwa das Gasthaus zur alten Post. Das Interessante sind zum einen die Bilder. Je nach Gebäude gibt es unterschiedlich alte Überlieferungen, durch die man einen direkten Vergleich zu heute ziehen kann: Welche Bauten haben sich kaum verändert? Wo sieht es heute ganz anders aus?
Zum anderen sind die Geschichten dazu sorgfältig aufgeschrieben worden – teils schon fast ähnlich einer Legende. Wie beim Gasthaus Zur alten Post zum Beispiel. Dort wird über den ersten Pfäffiker Postboten um etwa 1800 erzählt, der jeweils zweimal die Woche in der dunklen Nacht den Weg von Pfäffikon nach Zürich ablief – mit einer hölzernen Rückentrage und einem Licht darüber.

Alte Post (alt) Foto: Chronikstube Pfäffikon, Alte Post (neu) Foto: Simon Grässle
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Pfäffikon war auch bereits Drehort für verschiedene Filme. Der tragische Streifen über den Schweizer Radrennfahrer Hugo Koblet, der erste internationale Radrennstar der Nachkriegszeit, wurde unter anderem im Hotel Bahnhof gedreht. So erschliesst sich die Pfäffiker Geschichte mit vielen weiteren Fakten und Anekdoten.


Die Grundlage oder die Idee des Kulturpfads könnten der einen oder anderen Person noch ein Begriff sein: die Jahresschriften. Das waren Publikationen des Ortsmuseums, die sich thematisch mit dem historischen Pfäffikon auseinandersetzten. Sie trugen beispielsweise den Titel «Ein Pfahlbauerdorf am Pfäffikersee» oder «Der liebste Ort der Pfäffiker».
Die Jungen müssen wissen, woher wir kommen
Seit 2004 sind sieben Jahresschriften veröffentlicht worden. 20 Jahre später ist es Zeit, die Geschichten für ein jüngeres Publikum aufzuarbeiten: die Generation der Smartphones. Ernst Bänteli ist Leiter der Chronikstube, sozusagen das Archiv des örtlichen Museums Antiquarische Gesellschaft. Und obwohl Bänteli schon längst pensioniert ist, will er neue Massstäbe in der geschichtlichen Vermittlung Pfäffikons setzen.
Mit den neuen Medien hofft er auch auf ein junges Publikum: «Alle Menschen haben eine Geschichte. Wir kommen von irgendwoher, und diese Geschichte müssen wir so gut wie möglich weitergeben», sagt der Pfäffikon-Experte. «Jeder, der in Pfäffikon in die Schule geht, soll diese Gebäude auch mal gesehen haben», sagt er weiter.
Also machte er sich die Digitalisierung zunutze. Der Aufwand ist aber alles andere als klein. Die Geschichte musste erstmal zusammengetragen werden und so aufgeschrieben, dass sie adäquat wiedergegeben werden kann.
Privates Engagement, Mehrwert für die Öffentlichkeit
Das Engagement für den Kulturpfad ist ein Gruppeneffort. Die Antiquarische Gesellschaft hat sich den Auftrag, die Geschichte öffentlich zu machen, selbst gegeben. Dabei bemühen sich auch viele freiwillige Helferinnen und Helfer, das Projekt zum Laufen zu bringen. Unterstützt wird das Vorhaben von der Gemeinde. «Für Pfäffikon ist das gut, denn das hat einen Wert für die Gesellschaft», sagt Bänteli.
Es soll aber nicht bei den 16 Gebäuden bleiben. Die Liste soll Schritt für Schritt erweitert werden. Für die Zukunft ist sogar noch ein weiterer Pfad geplant: der Industriepfad. Dieser soll die industrielle Entwicklung Pfäffikons darstellen. «Es ist einfach spannend, was aus diesem Dorf geworden ist», sagt Bänteli begeistert.
Öffentliche Führung
Am 10. Mai um 19.10 Uhr findet eine öffentliche Führung durch den Kulturpfad statt. Diese führt durch das Zentrum von Pfäffikon, vom See bis hin zum Bahnhof durch die 16 historisch relevanten Gebäude. Die Führung ist kostenlos, braucht keine Voranmeldung und beginnt bei der Reformierten Kirche in Pfäffikon.
In einer früheren Version wurde ein anderer Start der Führung angegeben. Der wurde online nun korrigiert. In der Zeitung wird auf den falschen Startpunkt verwiesen.
