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Werden die SBB im Betzholzkreisel fündig?

Eigentlich müsste die Suche nach einem Bahndepot im Oberland abgeschlossen sein. Doch SBB und Kanton geben sich weiter bedeckt.

Der Betzholzkreisel und sein Umfeld werden für den Bau einer Bahnabstellanlage evaluiert. (Archivfoto)

Foto: Fabio Meier

Werden die SBB im Betzholzkreisel fündig?

Standortsuche für Unterhaltsanlage

Im Stillen suchen die SBB und der Kanton in der Region nach einem Platz für eine Bahnunterhaltsanlage. Angeschaut wird auch das Betzholz.

Eigentlich müssten die SBB und der Kanton Zürich der Öffentlichkeit schon längst klaren Wein eingeschenkt haben, wo im Zürcher Oberland sie nach dem Rückzieher in Bubikon nun die umstrittene Abstellanlage für S-Bahn-Züge realisieren wollen.

So kündigte Linus Looser, Leiter Produktion Personenverkehr in der SBB-Konzernleitung, damals an, dass in den kommenden zwei Jahren der Fächer bezüglich Standortwahl geöffnet werde und weitere Möglichkeiten geprüft würden. Das war Mitte September 2021.

Somit hätten die SBB und der Regierungsrat eigentlich vor einem halben Jahr auf den Tisch legen müssen, wo in der Region nun die umstrittene Service- und Abstellanlage zu liegen kommen soll.

Riesiger Platzbedarf

Der Platzbedarf ist riesig: Auf 80’000 Quadratmetern – das sind 20 Fussballfelder – hätte in Bubikon bis 2035 eine riesige Abstellanlage der SBB entstehen sollen. Und dies mitten in der Landwirtschaftszone. Gleichzeitig liegt das Areal gleich neben der S-Bahn-Linie, womit ein guter Gleisanschluss gewährleistet wäre.

Benötigt werden nebst Abstellgleisen auch Reinigungs- und Entsorgungsanlagen sowie eine Reparaturhalle. Ähnliche Megaprojekte waren damals auch in Hombrechtikon und Eglisau geplant.

Leute installieren einen Absperrzaun.
In Bubikon formierte sich schlagkräftiger Widerstand gegen die geplante SBB-Abstellanlage. Jürg Raths und seine Helfer montierten im Februar 2021 einen Zaun zur Markierung des betroffenen Gebiets. (Archivfoto)

Da sich insbesondere in Bubikon grosser Widerstand gegen das Vorhaben gebildet hatte, ruderten Kanton und SBB damals zurück. Doch ganz zurück auf Feld 1 ging es nicht. So betonte Looser, dies heisse allerdings nicht, dass man die drei Standorte Bubikon, Feldbach und Eglisau begrabe.

Zeitdruck nimmt zu

Auch wenn die Planungsverantwortlichen damals beschwichtigten, dass noch genügend Zeit verbleibe – «der Zeithorizont für die Inbetriebnahme der Service- und der ersten Abstellanlage liegt erst Anfang des nächsten Jahrzehnts» –, müssten nun die Vorschläge auf den Tisch. Denn der Weg bis zu einer Realisierung ist noch lange.

Auch bei einer Aufnahme in den kantonalen Richtplan müssen die Projekte den ordentlichen Bewilligungsprozess eines Bauprojekts mit allen Umweltabklärungen durchlaufen.

Kein Kommentar von SBB und Baudirektion

Der Regierungsrat gelobte im September 2021, im neuerlichen Evaluationsprozess vor allem die Planungsregionen, die betroffenen Gemeinden und auch weitere Interessengruppen in den jeweiligen Regionen «stärker» einzubeziehen, als dies in der ersten Runde der Fall war.

Davon ist bisher allerdings wenig zu spüren. Die Medienstellen von SBB und Kanton schieben sich aktuell gegenseitig die heisse Kartoffel zu und vermelden auf Anfrage lediglich, dass noch keine Resultate vorlägen. Solche «werden aber selbstverständlich öffentlich kommuniziert, wenn die Evaluation abgeschlossen ist und das Richtplanverfahren wieder aufgenommen wird», unterstrich SBB-Mediensprecherin Jeannine Egi bereits im August des vergangenen Jahrs.

Oberland «zwingend»

Die groben Regionen für eine neue Service- und Abstellanlage ergeben sich aus dem geplanten neuen Bahnangebot. Dies sind in der Regel die Abgangs- und Endbahnhöfe der Züge, damit der Weg in die Anlage möglichst kurz ist. So gelte es, die Trassees möglichst wenig zu belegen und auch die Zusatzkosten für die Fahrt von Leerzügen tief zu halten, führte Egi aus.

Die Nähe zu den Linienendpunkten ermöglicht zudem ein einfaches Verlängern der Züge in der Hauptverkehrszeit und ein Verkürzen in der Nebenverkehrszeit. «Aufgrund des geplanten Angebotsausbaus wird für den Ausbauschritt 2035 und die dadurch ermöglichten Angebotserweiterungen der Zürcher S-Bahn eine neue Anlage zwingend in der Region Zürcher Oberland benötigt», halten die SBB fest.

Die Quadratur des Kreises

Auch wenn Kanton und SBB bisher eisern schweigen, ist zumindest ein zusätzlicher Standort durchgesickert, der offenbar neu ins Spiel gebracht wird. Die Rede ist vom Grossraum Betzholz. Wie Hinwils Gemeindepräsident Andreas Bühler (SP) auf Anfrage erklärt, hat die Gemeinde zwar keine konkreten Informationen zu diesem Vorhaben erhalten. Doch über den Vorstand der Regionalplanung Zürcher Oberland (RZO) hätten sie erfahren, dass «verschiedene Gebiete wie unter anderem auch der Bereich im Betzholz» geprüft würden.

Das Areal im Kreisel hätte verschiedene Pluspunkte. So gibt es dort keine Fruchtfolgeflächen, die belegt würden. Auch ein Bahnanschluss wäre machbar, führt doch die S-Bahn-Strecke von Wetzikon nach Bubikon direkt am Kreisel vorbei. Und genug lang und gross wäre sie auch.

Allerdings gibt es zwei grosse Aber: Je nach Variante für die Schliessung der Lücke in der Oberlandautobahn würde ein Teil des Kreiselgeländes eben auch für die Schnellstrasse benötigt. Und dann ist da vor allem noch das TCS-Verkehrszentrum. Dieses hat für den Kanton grosse Bedeutung, gehören doch Polizei, Schutz und Rettung, Feuerwehren, Zivilschutz und Armee zu den grossen Kunden des grössten Verkehrssicherheitszentrums der Schweiz. Müsste das Zentrum weichen, liesse sich kaum ein gleichwertiger Ersatzplatz finden.

Das TCS-Zentrum hat einen Konzessionsvertrag mit dem Kanton Zürich, dem das ganze Areal gehört. In diesem langjährigen Vertrag gibt es lediglich eine Klausel betreffend Bau der Oberlandautobahn. Gegen weitergehende konkurrenzierende Nutzungen des Areals könnte das Zentrum Einsprache erheben.

Depot in Zürich bleibt in Betrieb

So ganz scheinen die SBB aber nicht darauf zu vertrauen, dass innert nützlicher Frist tatsächlich eine für die breite Öffentlichkeit akzeptable Lösung gefunden wird. So gaben die SBB Mitte 2023 bekannt, die Depotanlage an der Neugasse/Josefstrasse in der Stadt Zürich für mindestens 20 Jahre bestehen zu lassen und sie auch weiter zu betreiben. Eigentlich hätten die SBB ursprünglich das Gelände «für eine attraktive Umnutzung» freispielen wollen.

Luftbild von Bubikon, auf dem eine grosse Wiese neben dem Bahngleis zu sehen ist.
80’000 Quadratmeter wollten die SBB in Bubikon für eine Bahnabstellanlage belegen. Die Fläche ist hier rot eingezäunt worden. (Archivfoto)

Wie der frühere Verkehrsplaner Paul Stopper aus Uster vorrechnete, würde der dortige Platz ausreichen, um die Bedürfnisse im Oberland abzudecken. In Bubikon wären für die neue Unterhaltshalle fünf Gleise à je 150 Meter und nochmals fünf Vorgleise à 150 Meter, total also zirka 1500 Meter Gleise, vorgesehen gewesen.

Das SBB-Depot an der Josefstrasse in Zürich verfügt demgegenüber heute über drei Gleise mit je 197 Metern Länge, also insgesamt etwa 600 Meter, sowie über neun Gleise mit je 160 Metern Länge. Diese könnten laut Stopper auf 200 Meter verlängert werden. Damit ergäbe sich eine Totallänge von 2400 Metern. «Das Depot ist also grösser, als die neue Anlage in Bubikon geworden wäre», schliesst der einstige Bahnverkehrsplaner.

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