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Gesellschaft

«Ich bin stolz, etwas Grösseres angestossen zu haben»

Der Fall des gemobbten und abservierten Primarlehrers in Pfäffikon hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Jetzt äussert sich der Betroffene dazu.

Blickt wieder optimistisch in die Zukunft: Daniel Brunner.

Foto: Christian Merz

«Ich bin stolz, etwas Grösseres angestossen zu haben»

Pfäffikon: Schwuler Lehrer ist dankbar

Die Geschichte rund um den forcierten Abgang eines homosexuellen Lehrers von der Schule Obermatt in Pfäffikon hat hohe Wellen geworfen. Jetzt gewährt er einen Einblick in seine Gefühlswelt.

Es geht um Homosexualität, Mobbing, Religion, Sexualkunde, Eltern, Schule: Dass seine Geschichte für Aufsehen sorgen würde, war Daniel Brunner klar. Der schwule Primarlehrer war am Pfäffiker Schulhaus Obermatt von wertkonservativen Eltern unter Beschuss geraten und danach von der Schulleitung zum Abgang gedrängt worden.

Genau zwei Wochen ist es her, dass wir im «Zürcher Oberländer» vom 18. April den Fall publik gemacht haben – und der 40-Jährige von einer Welle der Solidarität überflutet wurde. Brunner hatte zwar mit Reaktionen gerechnet. Doch die Dimensionen haben ihn überwältigt.

Jetzt sitzt er an einem schönen Frühlingstag in einem Ustermer Café und versucht das Geschehene einzuordnen. Das Pseudonym, das ihm diese Zeitung gegeben hat, möchte er dabei nicht ablegen. Es geht ihm um den Fall, nicht um seine Person. Das soll so bleiben.

Dass er sich noch einmal öffentlich äussert, hat vor allem einen Grund: «Es ist mir ein grosses Anliegen, mich bei all den vielen Menschen zu bedanken, die mir mit ihren Kommentaren, Zuschriften und Aktionen den Rücken gestärkt und Anteil genommen haben. Es bedeutet mir die Welt.»

Die Erleichterung ist gross

Tatsächlich, so erzählt er, war er sich alles andere als sicher, wie die Reaktionen ausfallen würden. Werde ich belächelt oder sogar attackiert? Fällt etwas auf mich zurück? Werde ich es bereuen? In der Nacht vor der Publikation plagen ihn die Zweifel so stark, dass er nicht schlafen kann.

Umso erleichterter ist Brunner, als er schon am frühen Morgen erkennt, in welche Richtung die öffentliche Meinung abbiegt. Zwischen Telefonaten und dem Beantworten von Textnachrichten liest er sich durch die Kommentarspalten der Medien – und ist emotional tief berührt.

Er sagt: «Es entsteht ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man in einer solchen Situation spürt, dass man von Tausenden Menschen getragen wird.»

Mit grösstem Interesse beobachtet er in den nächsten Tagen die mediale Dynamik, die sich entwickelt. Alle grosse Medienhäuser nehmen die Geschichte auf und drehen sei weiter. Das schafft Reichweite, bei der Weitererzählung aber mitunter auch Ungenauigkeiten und Verkürzungen.

Darüber hinaus entstehen Grundsatzdiskussionen. Wie geht die Schule mit der gesellschaftlichen Vielfalt um? Wer bestimmt darüber, was wie unterrichtet wird? Welches Mitspracherecht haben Eltern, welche Verantwortung die Lehrpersonen und welche ihre Vorgesetzten? Wie ist das Arbeitsklima an der Volksschule? Auch hinsichtlich des akuten Lehrermangels?

Es sind Fragen, die weit über seinen persönlichen Fall hinausgehen. Und die Daniel Brunner als wichtig erachtet. Obschon er seinen Platz hier an der Seitenlinie sieht, gibt er zu: «Ich bin stolz, etwas Grösseres angestossen zu haben.»

In erster Linie geht es ihm allerdings darum, dass sich in der Schule Pfäffikon etwas tut. In diesem Zusammenhang freut er sich über die Ankündigung der Schulpflege, die Geschehnisse jetzt aufzuarbeiten. «Das ist vor allem für meine Freundinnen und Freunde im Lehrerkollegium relevant.»

Eine neue Stelle nach den Sommerferien

Dass die Schulpflege und der Leiter Bildung ihm gleichzeitig eine Mitschuld an der Auflösung des Arbeitsverhältnisses geben und dafür im Nachhinein pauschal «vielschichtige und weit zurückreichende Gründe» in den Raum stellen, nimmt er erstaunlich gelassen hin.

Im Detail will er sich dazu nicht äussern. Er sagt nur so viel: «Ich sehe darin einmal mehr ein defensives und taktisches Vorgehen. Ich dagegen bin eine engagierte Person, die Probleme beim Namen nennt und Lösungen sucht, statt sie unter den Teppich zu kehren.»

Daniel Brunner, man merkt das, hat inzwischen ein wenig Distanz gewonnen. Im Gegensatz zu den Gesprächen während der Recherche wirkt er heute optimistisch. Das mag auch damit zu tun haben, dass er eine Perspektive hat. Nach den Sommerferien wird er in einer anderen Schule eine neue Stelle antreten.

Der Gedanke, den Job an den Nagel zu hängen, ist ihm während der ganzen Geschichte denn auch nur ein einziges Mal gekommen: auf dem Höhepunkt der Eskalation im Februar. Er verwarf ihn allerdings schnell. Er sagt: «Ich liebe meinen Beruf. Und diese Liebe lasse ich mir von niemandem kaputtmachen.»

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