Bauer Nef sieht wegen neuer Deponie seine Existenz bedroht
Standort nahe der Maurmer Looren
In Maur soll eine ehemalige Deponie wieder in Betrieb genommen werden. Damit würde den Kühen eines nahen Bauernhofs das nötige Weideland fehlen.
Hanspeter Nef erhielt Anfang Monat eine Hiobsbotschaft. Gleich angrenzend an seinen Hof soll eine Deponie entstehen. Dort, wo seine rund 60 Kühe ihr Futter finden. Sein Vater begann auf dem Betrieb 1956 als Pächter. Mittlerweile gehört den Nefs ein guter Teil der Weidefläche. Weiteres Land hat Hanspeter Nef zugepachtet.
Der 61-Jährige möchte den Betrieb demnächst an seinen Sohn weitergeben. «Der steht in den Startlöchern», meint Nef. Doch nun sieht er die Existenzgrundlage seiner Familie gefährdet. «Ohne die Weidefläche in Hofnähe wäre die Tierhaltung auf dem Betrieb nicht mehr möglich», unterstreicht er. «Der Hof müsste also aufgegeben werden!»
Erst vor wenigen Jahren aufgewertet
Das acht Hektaren grosse Areal liegt zwischen der Aesch- und der Loorenstrasse, unweit der Schul- und Sportanlage Looren. Bis in die 1970er Jahre wurde dort bereits einmal eine Deponie betrieben. Erst vor fünf Jahren wurde die zugeschüttete Lagerstätte aufgewertet. Als Kompensation für Fruchtfolgeflächen, die beim Bau des nahen Golfplatzes Zumikon verloren gingen, wurde dort Humus zugeführt. «Jetzt habe ich dort endlich einen guten Wuchs», hält Nef fest.
Er kann nicht verstehen, wieso eine solche Fläche, die erst vor Kurzem verbessert worden ist, nun bereits wieder abgetragen werden soll. «Eine Aufwertung muss doch mit einem langfristigen Horizont erfolgen. Es ist nicht opportun, jüngst aufgewertete Flächen gleich wieder aus der Produktion zu nehmen», findet Nef.
Besitzer wollen nichts freiwillig abgeben
Dies hat er mit Unterstützung des Zürcher Bauernverbands gleich schon in einem Brief dem kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) mitgeteilt. Darin lässt er den Kanton wissen, dass er und eine Miteigentümerin ihre Parzellen «nicht freiwillig zur Verfügung stellen werden».
«Es kann nicht sein, dass eine Deponie einen Bauernhof zur Aufgabe zwingt und somit die Existenz von einer Familie und deren Nachkommen aufs Spiel setzt», betont Nef im Schreiben und appelliert, den Standort doch gleich wieder aus dem Richtplanvorschlag zu streichen.
Gemeinde prüft weitere Schritte
Maurs Gemeindepräsident Yves Keller (FDP) hat Nef nach Bekanntwerden der Pläne des Kantons besucht und ihm Unterstützung zugesichert. Der Gemeinderat wolle das Vorhaben im Rahmen der noch folgenden öffentlichen Auflage der Teilrevision des kantonalen Richtplans eingehend prüfen und «sich gegebenenfalls gegen den möglichen Deponiestandort in Maur wehren», hält er fest.
Wie Bauer Nef, der erst einen Tag vor der Präsentation der Deponiepläne vor den Medien einen Brief von der Baudirektion erhielt, zeigt sich auch der Gemeinderat über das Vorgehen überrascht. So moniert er, dass er im Vorfeld bei der Evaluierung des Standorts nicht involviert worden ist.
Widerstand hier, Informationsbedarf dort
Zu den zwei bestehenden Deponien Chrüzlen in Egg/Oetwil und Wissenbüel in Gossau und den vier bereits im Richtplan eingetragenen Standorten sollen im Oberland neu fünf weitere hinzukommen. Diese werden im Rahmen einer Teilrevision des Richtplans behandelt. Neben den beiden besonders umstrittenen Standorten Erzacher in Egg und Neuweid in Maur sind dies die Handrüti in Lindau, die Bodenweid in Hinwil sowie der Brunnacher in Volketswil.
Lindau besitzt Teil der geplanten Deponiefläche
Die Handrüti ist heikel, da der Standort in nächster Nähe zum Siedlungsgebiet liegt. Vor einigen Jahren stand die Fläche bereits einmal zur Diskussion für die Nutzung als Deponie. Sie fiel aber wegen des Gewässerschutzes ausser Traktanden. Wie Lindaus Gemeindepräsident Bernard Hosang (FDP) erklärt, gehört die 14,2 Hektaren grosse Fläche der Gemeinde, der Unterhaltsgenossenschaft sowie der Firma Nestlé. Sie ist an einen Bauern verpachtet.
Wie Hosang betont, wird die Gemeinde die Lage vertieft analysieren. Ausdrücklich stellt er fest, dass sich der Gemeinderat alle möglichen Optionen offenhalte. Wie schon in anderen Gemeinden zeigt man sich auch in Lindau über die «rudimentäre Vorinformation der Baudirektion» verärgert. Das habe ihren Unmut über die ganze Sache jedenfalls nicht geschmälert.
Ein «inakzeptabel» aus Volketswil
Noch schärfer fällt die Reaktion in Volketswil aus. Obwohl der zur Diskussion stehende Standort Brunnacher zwischen Kieswerk und Autobahn eingeklemmt ist, heisst es vom Gemeinderat, dass eine Deponie dort «inakzeptabel» sei. Die Gemeinde werde sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen.
Kanton ist in Hinwil Eigentümer
Ganz anders dagegen tönt es aus Hinwil. Das ist damit zu erklären, dass der grösste Teil der knapp 10 Hektaren umfassenden Fläche in der Bodenweid dem Kanton gehört. Das nahe Vollzugszentrum Bachtel nutzt sie als Weide- und Ackerland.
Darüber, welche Auswirkungen eine Deponie auf den Betrieb des Vollzugszentrums habe, könne noch nichts gesagt werden, heisst es. Die Leitung des Zentrums, das über 94 Plätze für den offenen Strafvollzug verfügt, wird im Mai eine Besprechung zur Erörterung dieser Pläne haben.
Völlig überrascht vom Vorhaben sind einige Anwohner. Es löst bei Susanne Lamezan, die schon seit 30 Jahren dort wohnt, keine Freude aus. Sie hätte die Deponiezufahrt fast vor der Haustür. Der erwartbare Verkehr macht ihr Sorgen.