Gemeinde kündigt ihm nach 27 Jahren die Wohnung
Macht es sich Greifensee zu einfach?
Armin Lanz und seine Partnerin müssen Ende November aus der Gemeindewohnung in Greifensee ausziehen. Der Grund: ein provisorischer Kinderhort.
Das alte Städtlischulhaus mitten in der Altstadt von Greifensee ist eine schmucke Adresse mit Aussicht. Noch wohnen Armin Lanz und seine Partnerin in der 5½-Zimmer-Wohnung oberhalb des alten Schulraums. Im Erdgeschoss hat sich eine Logopädin eingemietet. Eigentlich alles ganz idyllisch.
Aber die Sache hat einen Haken, denn die Wohnung gehört der Gemeinde Greifensee, und diese sprach Armin Lanz, seiner Partnerin und der Logopädin kurz vor Weihnachten 2023 die Kündigung aus. Nun müssen sie per Ende November ausziehen.
Die Gemeinde macht es sich schon etwas einfach.
Armin Lanz
Mieter in der gemeindeeigenen Wohnung
Das alles wegen eines Umbaus, der nur sechs Minuten entfernt geplant ist und an der Urne angenommen wurde: Das Primarschulhaus Breiti wird saniert und erweitert – dort wird es während zweier Jahre an Räumlichkeiten für den Kinderhort fehlen.
Die Schlichtungsbehörde hat Lanz immerhin eine Fristerstreckung auf Ende November gewährt. Er und seine Partnerin wohnen seit 40 Jahren in Greifensee und seit 27 Jahren in der Wohnung an der Städtligasse. Lanz hat 38 Jahre lang ein Malergeschäft in Greifensee betrieben. Seit drei Jahren ist er in Pension. «Die Gemeinde macht es sich schon etwas einfach», sagt er.
Lanz versteht vor allem die Rechnung nicht, die der Gemeinderat aufstellt. Im Urteil der Schlichtungsbehörde steht, dass ein Containerprovisorium 600’000 Franken koste und die Wohnung in der Städtligasse nur 72’000 Franken. «Diese Kosten beziehen sich jedoch nur auf den Mietzinsausfall, nicht auf mögliche Umbauten.»
Für Lanz ist klar, dass der Gemeinderat in Greifensee seine Arbeit nicht genau gemacht hat. Er hatte der Schlichtungsbehörde auch einen Kostenvoranschlag für ein Containerprovisorium vorgelegt, das nur rund 85’000 Franken gekostet hätte. Bei der Schlichtungsbehörde habe es aber geheissen, dieser Vorschlag sei zu knapp eingetroffen und dass er damit nicht mehr geprüft werden könne, so Lanz.
«Die Kosten eines Provisoriums müssten auf mindestens 340’000 Franken erhöht werden, wenn man die Anforderungen an einen Hortbetrieb korrekt berücksichtigt», sagt Gemeindeschreiber Philippe Sturzenegger dazu. Mit welchen zusätzlichen Installationen man rechnen müsste bei einem Provisorium, darauf kam von der Gemeinde Greifensee vor Redaktionsschluss keine konkrete Antwort mehr.
Lanz hingegen sagt: «Auch bei uns im Städtlischulhaus wird die Gemeinde sanieren wollen.» Darauf schliesst er, weil er die Wohnung Ende November nur besenrein abgeben muss.
Keine grosse Sanierung geplant
Bei der Gemeinde heisst es jedoch, es seien keine umfassenden Bauarbeiten in der Liegenschaft geplant. «Allenfalls werden kleinere Anpassungen notwendig sein», sagt Sturzenegger. Diese sind aber noch nicht budgetiert.
Die Umnutzung könne erst jetzt geplant werden, jetzt, wo die Liegenschaft für das Hortprovisorium zur Verfügung stehen werde. «Fest steht, dass der Grossteil der Räumlichkeiten so genutzt werden kann, wie sie sind», so Sturzenegger.
Die Wohnung nicht genau angeschaut
Lanz bemängelt hingegen das Vorgehen des Gemeinderats. Die Verwaltung habe ohne viel Vorwissen entschieden. Zudem verstehe der Gemeinderat zu wenig vom Baugeschäft. «Die Zuständigen haben keinen Fuss in die Wohnung gesetzt, um sich hier umzuschauen und ihre Pläne abzugleichen.» Zum Beispiel wird die Küche als relativ gross und gut ausgestattet beschrieben im Urteil der Schlichtungsbehörde. «Unsere Küche ist aber eher klein, und den Geschirrspüler haben wir selber einbauen lassen», sagt Lanz.
Zudem geht die Haustür, die in den oberen Stock in die Wohnung von Lanz führt, nach innen auf. «Somit dürften sich maximal nur 20 Kinder gleichzeitig im oberen Stock aufhalten», sagt Lanz. So steht es in den Brandschutzrichtlinien des Kantons Zürich. Auch sollte das Treppenhaus mindestens 1,20 Meter breit sein. «Unser Treppenhaus ist jedoch nur 85 Zentimeter breit.» Damit ist es schmal, zu steil und keinesfalls rollstuhlgängig.
Gemeindeschreiber Sturzenegger sagt hingegen: «Der Eigentümerin und Vermieterin der Liegenschaft sind die Räumlichkeiten der Gemeinde bestens bekannt, die Pläne sind vorhanden.» Den Entscheid zur Kündigung der langjährigen Mietverhältnisse habe sich der Gemeinderat keineswegs leicht gemacht.
«Da nach mehrmonatiger Suche und mehreren Anläufen keine andere geeignete Möglichkeit in gemeindeeigenen oder externen Liegenschaften gefunden werden konnte, war dies die letzte Alternative», so Sturzenegger. Es seien viele Möglichkeiten geprüft worden. «Diese Lösung erwies sich als diejenige mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis», so Sturzenegger.
Auch bei der Kirche angefragt
Bitter für Armin Lanz: Die Gemeinde ist im letzten Jahr auf ihn als Liegenschaftsverwalter der Reformierten Kirche zugegangen. Die Frage war, ob die Küche und der Saal der Reformierten Kirche vorübergehend als Hortprovisorium an die Gemeinde vermietet werden könnten. Es war Lanz, der das Anliegen in die Kirchgemeinde trug.
Dort wurde es jedoch von der Behörde abgelehnt. «Wir brauchen unsere Räumlichkeiten für unsere eigenen Anlässe und Sitzungen – und hätten sie vielleicht sporadisch, aber sicher nicht fix vermieten können», sagt Ruth Schmid.
Die Präsidentin der Kirchenpflege in Greifensee bedauert, dass es nun Lanz persönlich trifft. «Es wäre ein grosser Verlust für uns, falls er deswegen aus der Behörde austreten sollte.» Dieses Amt ergebe nur Sinn, wenn er in der Nähe wohnen könne.
Auch der Greifenseer Feuerwehrkommandant Rolf Bähler findet positive Worte, wenn er über Armin Lanz spricht. «Wenn Lanz in der Nähe eine Bleibe findet, würden wir es sehr begrüssen, wenn er im Feuerwehrverein bleibt», sagt er.
Wohin Lanz und seine Partnerin umziehen, ist noch unklar. «Ich möchte eigentlich nach diesem Vorfall nicht in Greifensee bleiben», sagt der ehemalige Geschäftsinhaber.
Betroffen ist auch die Logopädin, die im Erdgeschoss – im ehemaligen Schulraum – Kinder im Vorschulalter unterrichtet. Sie wird ihren Termin bei der Schlichtungsbehörde erst im Mai haben, wie Lanz weiss. Ob sie noch etwas bewirken kann, das wird sich zeigen.
Die Gemeinde Greifensee plant, nach den zwei Jahren Hortprovisorium die Wohnung oberhalb des Städtlischulhauses als Sozialhilfe- oder Asylwohnung zu nutzen.