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Gesellschaft

Klimaseniorinnen lassen an Demo die Korken knallen

Tausende demonstrierten am Freitagabend für Klimagerechtigkeit. Darunter auch die Sprecherin der Klimaseniorinnen aus Dürnten.

Cyril Hermann vom Klimastreik (Mitte) und die Dürntner Klimaseniorin Elisabeth Stern (2. v. r.) feiern das Urteil aus Strassburg.

Foto: Urs Jaudas

Klimaseniorinnen lassen an Demo die Korken knallen

Klimastreik in Zürich

Trotz widrigen Umständen demonstrierten in Zürich mehrere Tausend für Klimagerechtigkeit. Auch der Sieg vor dem Gerichtshof für Menschenrechte wurde gefeiert.

David Sarasin

Die vergangenen Jahre waren nicht leicht für die Klimabewegung. Während 2019 noch allein in Bern 100’000 Menschen auf die Strasse gingen, waren es 2023 noch etwas mehr als die Hälfte. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den Schweizer Parlamenten: Von der sogenannten grünen Welle im Jahr 2019 war vier Jahre später nicht mehr viel übrig.

Renovate Switzerland und Klimastreik, die beiden sichtbarsten und aktivsten Gruppen in der Schweiz, kündigten vergangenes Jahr neue Strategien an. Renovate nannte sich neu Liberate und verabschiedete sich von der Strategie, mit Klebeaktionen den Verkehr zu blockieren. Der Klimastreik kündigte an, sich weniger auf grosse Kundgebungen und mehr auf lokale Initiativen zu fokussieren.

Keine optimalen Voraussetzungen für die Zürcher Kundgebung am internationalen Klimastreiktag. Dazu kommen Regen und Kälte. Und doch treffen sich am Freitag gegen 18 Uhr auf dem Helvetiaplatz mehr als 2000 Personen.

Ein Demonstrationszug auf einer Strasse.
Trotz niedrigen Temperaturen haben sich mehrere Tausend Menschen dem Klimastreik in Zürich angeschlossen.

Die Route soll in den Kreis 1 und über die Bahnhofstrasse wieder zurück in den Kreis 4 führen. Die Stimmung ist trotz widrigen Umständen gut: «Wir werden recht behalten», skandiert die Menge trotzig und optimistisch.

Erfolg in Strassburg

Vergangene Woche konnte die Klimabewegung der Schweiz auch einen massiven Erfolg verzeichnen. Zwar nicht auf der Strasse, aber vor Gericht: Die Klimaseniorinnen erhielten am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg mit einer Klage recht. Das vor zwei Wochen publik gewordene Urteil: Die Schweiz macht zu wenig für den Klimaschutz und verstösst damit gegen Menschenrechte.

Für Cyril Hermann vom Klimastreik Zürich war das Anlass, einen Champagner an die Kundgebung in Zürich mitzunehmen, um ihn öffentlichkeitswirksam zusammen mit den anwesenden Klimaseniorinnen zu entkorken. «Das Urteil hat bestätigt, was seit je zu den zentralen Aussagen des Klimastreik gehört», sagt Hermann.

Auch die Sprecherin der Klimaseniorinnen, Elisabeth Stern aus Dürnten, marschiert zusammen mit etwa 20 Mitstreiterinnen am Klimastreik mit. «Der Erfolg vor Gericht wird der ganzen Bewegung Auftrieb geben», sagt sie. Die ganze Tragweite des Urteils liesse sich aber noch nicht ermessen. Nur so viel: «Es wird nachhaltig sein.»

Persönlich spürt sie es derzeit so: Hunderte Mails, die seit dem Erfolg in Strassburg bei ihr eintreffen. Darunter Anfragen für Ted-Talks, Gratulationen auch aus der Geschäftswelt oder eine Anfrage von südkoreanischen Seniorinnen, die beim Aufbau einer ähnlichen Gruppe um Rat bitten. Rund fünf Stunden wende sie derzeit für Mail-Korrespondenz auf.

«Ufe mit de Klimaziel»

Auf der Strasse springen die Leute auf und ab. Dabei skandieren sie: «Ufe mit de Klimaziel, ab mit em CO2.» Das verknappt die formulierten Ziele der Kundgebung: sofortiger Stopp aller Investitionen in fossile Brennstoffe. Transparenz in der Finanzbranche, wie sie CO2-neutral werden kann. Gerechte Verteilung von Macht und Reichtum, um ein nachhaltiges und demokratisches Finanzsystem aufzubauen. Damit diese Forderungen rasch umgesetzt werden können, soll die Schweiz den Klimanotstand ausrufen.

Gegen Ende der Veranstaltung werden sich die Seniorinnen mit den Schülern zusammentun. Und den Korken des Champagners knallen lassen. Die Polizei vermeldet keine weiteren Vorkommnisse.

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