Bauern bereiten sich auf Frostnächte vor
Landwirtschaft in der Region
In nächster Zeit ist mit Frost zu rechnen. Auf Obstbauern kommen unruhige Nächte zu. Im Tösstal werden Erdbeeren mit Vlies geschützt.
«Viele Landwirte sind derzeit besorgt», sagt Hagen Thoss von der Fachstelle Obst beim Strickhof in Lindau. Die erwarteten tiefen Temperaturen Anfang nächster Woche seien zwar nicht aussergewöhnlich. Aufgrund des bisher warmen Frühlings sei die Vegetation aber schon deutlich weiter als in anderen Jahren. «Viele Obstbäume wie etwa Apfelbäume oder späte Kirschen stehen in voller Blüte», sagt er. Diese können bei Frost erfrieren. Gefährdet seien aber auch Obstbäume, die bereits Fruchtknoten gebildet hätten. Auch diese könnten bei Frost kaputtgehen.
Das kantonale Kompetenzzentrum für Landwirtschaft Strickhof empfiehlt derzeit allen Obstbauern in Zürich, Vorbereitungen zu treffen. Derzeit müsse man aber nicht mit verbreiteten und schweren Frostschäden an Obstbäumen rechnen. Die tiefsten Temperaturen werden am Montagmorgen erwartet. Gemäss Prognosen ist laut Strickhof leichter Luftfrost mit bis circa –1 Grad Celsius möglich. Bodenfrost sei schon am Wochenende angekündigt.
Wegen möglicher Schneefälle bis in tiefe Lagen rät der Strickhof in seinem Rundschreiben an die Obstbauern davon ab, Schutzdächer gegen Frost aufzustellen, da diese niedergedrückt werden könnten.
Unruhige Nächte
Eine günstige und effektive Methode ist beispielsweise die Beregnung der Bäume. Beim Gefrieren des Wassers wird Wärme frei, welche die Blüte oder die Frucht schützt, während sich ein Eispanzer bildet.
Der Strickhof in Lindau setzt für seine Kirschen und Aprikosen auf eine weitere mögliche Methode, eine Ethanol-Heizung. Die Wärme wird dabei mit grossen Luftschläuchen zu den Obstbäumen gebracht. «Ähnlich wie das in grossen Festzelten gemacht wird», erklärt Hagen Thoss. Die Heizung sei dieses Jahr schon mehrmals zum Einsatz gekommen.
Vlies schützt Erdbeeren
Frostschäden drohen auch bei Kulturen, die direkt auf dem Boden wachsen, so etwa bei Erdbeeren. Diese lassen sich aber relativ zuverlässig schützen, wie Sonja Vetsch aus Rikon im Tösstal weiss. Die Familie hat über ihre Erdbeerenfelder bereits ein Vlies ausgelegt, was ein erprobtes, aber aufwendiges Mittel gegen Frost sei. «Es gab schon Jahre, in denen wir die Vliese mehr als ein Dutzend Mal ausgelegt und die Erdbeeren danach wieder freigelegt haben», sagt sie. Unter dem Vlies könnten sie nicht bestäubt werden, und es könne für die Beeren rasch wieder zu warm werden.
Erst am Sonntag entscheidet die Familie Vetsch, ob ein zweites Vlies nötig ist. Falls ja, wären damit fünf Personen rund zwei bis drei Stunden beschäftigt, sagt Sonja Vetsch weiter. Die Erdbeeren seien dieses Jahr auch im Tösstal früher dran gewesen als in anderen Jahren. Sonja Vetsch geht momentan davon aus, dass die ersten Beeren zwischen dem 10. und dem 15. Mai reif sind.
