Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

Lehrerverbandspräsident spricht von klaren Fehlern im Fall Pfäffikon

Während der Verband deutliche Worte findet, laviert der Pfäffiker Schulpräsident herum. Konsequenzen? Vorerst keine.

Im Pfäffiker Schulhaus Obermatt herrschen derzeit stürmische Zeiten.

Foto: Simon Grässle

Lehrerverbandspräsident spricht von klaren Fehlern im Fall Pfäffikon

Dachverband nimmt Stellung

Die Schule Pfäffikon sieht sich mit Vorwürfen von verschiedenen Seiten konfrontiert. Der Schulpräsident kündigt eine Aufarbeitung an.

Karin Sigg, Bettina Schnider

«Bei diesem Vorfall sind klare Fehler vonseiten der Schule passiert», sagt Christian Hugi geradeheraus. Er ist Präsident des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ZLV) und Mitglied der Geschäftsleitung des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH).

Hugi findet klare Worte zu den Ereignissen am Schulhaus Obermatt in Pfäffikon. Dort geriet ein schwuler Primarlehrer ins Visier von wertkonservativen Eltern. Obwohl sich Vorwürfe gegen ihn und seinen Sexualkundeunterricht als haltlos erwiesen, wurde das Arbeitsverhältnis aufgelöst. Er verlor die Unterstützung seiner Vorgesetzten.

«Wie jeder Arbeitgeber steht die Schule in der Pflicht, ihre Arbeitnehmer vor ungerechtfertigten Angriffen zu schützen», lautet Hugis klare Aussage. Die Beratungsstelle des ZLV sowie deren Anwälte hätten den Pfäffiker Lehrer in dieser Situation unterstützt. «Unsere Beratungsstelle arbeitet abgekoppelt von der Geschäftsleitung, auch zum Schutz der betroffenen Personen.» Deshalb sei er persönlich nicht in diesen Fall involviert.

In einer Situation wie dieser zeige sich, wie wichtig für Lehrpersonen der Support von einer unabhängigen Stelle sei. Und er fügt an: «Es ist auch schön zu sehen, dass sich das Lehrerteam der Schule Pfäffikon hinter den angegriffenen Pädagogen stellt.»

Leider kommt es gemäss Christian Hugi immer wieder vor, dass Eltern versuchen, Einfluss zu nehmen. «Oder, wie in diesem Fall, Lehrpersonen sogar persönlich angreifen.» Die Vorfälle seien individuell und grundsätzlich überall im Kanton möglich.

Zu erreichende Kompetenzen sind vordefiniert

«Was im Unterricht behandelt wird, ist keine willkürliche Entscheidung der Lehrperson», hält der ZLV-Präsident fest, «der vom Staat vorgegebene Lehrplan gibt vor, welche Themen zu welchem Zeitpunkt im Unterricht behandelt werden müssen.»

Die Lehrpläne – aktuell der Lehrplan 21 – seien auf einer breiten Basis erarbeitet und in verschiedenen politischen Prozessen behandelt und abgesegnet worden. Die Schulen erhalten damit vom Staat den Auftrag, diese Unterrichtsinhalte umzusetzen. Mit dem Lehrplan als umfassende, klare «Leitplanke». Dieser schreibt unter anderem auch das Erreichen von Basiskompetenzen in Sexualkunde vor.

«Die Gestaltung des Inhalts ist die Aufgabe der Lehrpersonen», so Hugi. Als ausgebildete Pädagogen seien sie die Fachpersonen auf diesem Gebiet. «Es besteht keine Möglichkeit, dass Eltern individuell nach ihrem Gutdünken Einfluss nehmen können auf den Unterricht und den geltenden Lehrplan.»

Wer den Lehrplan ändern wolle, müsse dies auf dem politischen Weg tun. Damit hält er den wertkonservativen Pfäffiker Eltern entgegen, die ihre Kinder vom Sexualkundeunterricht befreien wollten.

Schule wird mit Vorwürfen überhäuft

Obwohl die Berichterstattung über den Fall in der ganzen Schweiz hohe Wellen warf, hatte sie am Donnerstag offenbar keinen Einfluss auf den Schulbetrieb. Doch bei der Schule Pfäffikon gingen verschiedene Rückmeldungen ein, sie hätte den betroffenen Lehrer nicht genügend vor Diskriminierung geschützt.

«Wir bedauern sehr, dass wir die Situation nicht zufriedenstellend lösen konnten, halten aber fest, dass die Schule keinerlei Diskriminierung duldet», schreibt Schulpräsident Hanspeter Hugentobler (EVP) in einer Stellungnahme.

Ob die Vorfälle auch personelle Konsequenzen haben, lässt Hugentobler offen. «Wir werden die geschehenen Ereignisse mit externer Begleitung vertieft analysieren und daraus unsere Schlüsse ziehen», erläutert er. Die Frage, ob er selber einen Rücktritt in Betracht ziehe, hat der EVP-Kantonsrat nicht beantwortet.

Keine Aussage vom Volksschulamt

Das Volksschulamt des Kantons Zürich teilt auf Anfrage mit, dass es sich nicht zu konkreten Fällen äussern kann. Dies obliege der Zuständigkeit der Schulpflege. (ks)

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns