Mittendrin und von allen Seiten einsehbar: das neue ZO Haus
Eröffnungsfest in Wetzikon
Mit dem Bezug der Büroräumlichkeiten der Zürcher Oberland Medien AG ist das neue ZO Haus in Unterwetzikon komplett bewohnt. Und seit Samstag auch offiziell eingeweiht.
Eine illustre Gästeschar ist an diesem Samstagabend Zeuge davon, wie das Projekt «ZO Haus» dem Leben übergeben wird. Aktionäre und Mitarbeiter der ZO Medien AG, Politiker, Nachbarn sowie Mitglieder der Baukommission und des Verwaltungsrats strömen durch die Newsstreet zwischen den Türmen des kubischen Gebäudes.
Die Glastüren zu den neuen Büroräumlichkeiten stehen offen. Verschiedene Info-Tafeln geben Einblick in die Geschichte des Medienhauses. Im Viertelstundentakt werden Führungen angeboten. Von der Tiefgarage über das «Aquarium-Sitzungszimmer» bis zur grünen Dachterrasse können die Highlights des Neubaus besichtigt werden.





Auch die Türen zum Innenhof stehen offen. Dort wähnt man sich in Ferienatmosphäre: Überall sind fröhliches Plaudern und Lachen zu hören, Gläserklirren. Für die Gäste steht ein Apéro riche vom Restaurant Santa Pizza bereit, das die Räumlichkeiten direkt neben den ZO-Büros bezogen hat. Für den musikalischen Rahmen sorgt passenderweise die Italo-Band Grüezi Italia.




«Geschafft – gelungen – coole Atmosphäre», so lauten die Schlagwörter, die Karin Lenzlinger spontan durch den Kopf gehen. Die Verwaltungsratspräsidentin der Zürcher Oberland Medien AG (ZOM) kommt gerade von der Bühne, wo sie die Gäste an der Eröffnungsfeier des neuen ZO Hauses begrüsst hat.
Sie bezeichnet dies als einen besonderen Moment. «Was als theoretische Idee jahrelang in unseren Köpfen reifte, findet hier und heute statt.» Nach unendlichen Diskussionen und finanziellen, technischen und architektonischen Kompromissen sei das Resultat so geworden, wie sich die Verantwortlichen dies vorgestellt hätten. «Nun gilt es noch ein paar Kinderkrankheiten zu kurieren, wie etwa das optimale Raumklima zu finden.»

Jürg Kägi hatte als Präsident der Baukommission alle Fäden in der Hand und gemäss Aussage von Karin Lenzlinger jedes Detail im Griff. «Es gibt nichts Schöneres als bauen», zitiert er zu Beginn seiner Ansprache den Architekten und Schriftsteller Max Frisch. Er lässt die Zuhörer in die komplexen Vorgänge des Bauvorgangs eintauchen – von den ersten frühen Studien vor 25 Jahren bis zur umfangreichen Kommunikation, die während der Bauzeit erforderlich wurde. «Unser Gesamtbauleiter Roman Häberle erwähnte in einer E-Mail, dass dies seine 17’000. Nachricht für dieses Projekt sei», so Kägi.
Beim Rückbau des alten ZO-Gebäudes habe zwar bei allen auch etwas Wehmut mitgeschwungen. «Vor fast 100 Jahren konnten wir ein herrschaftliches, charmantes Haus beziehen, das mit den Jahren und den Anbauten immer verwinkelter wurde», sinniert Lenzlinger. Es brauche im Leben aber manchmal eine Erneuerung: «In unserem neuen Haus ist die Aufbruchstimmung spürbar.»
«Doch die Verwurzelung und die Geschichte leben in uns weiter und geben uns Halt», ist Lenzlinger überzeugt. Und fügt augenzwinkernd hinzu: «Zugegeben, ein bisschen verwinkelt ist das neue Haus ja auch.»
Eine ehemalige Mitarbeiterin, die von dieser Verwurzelung erzählen kann, findet sich unter den Gästen: Edith Maurer aus Hinwil hat vor rund 40 Jahren in der Redaktion der ZO Medien AG gearbeitet. «Wir haben den Text noch auf Lochband erfasst», erinnert sie sich schmunzelnd an die alten Zeiten. «Im Raum nebenan konnten wir die Schriftsetzer jeweils fluchen hören, wenn jemand von uns einen Fehler getippt hatte und sie die Schriften nochmals neu setzen mussten.»

Trotz dem Zeitdruck, unter dem sie gestanden hatten, bezeichnet Edith Maurer diese Zeit als spannend und schön. «Es war eine besondere Atmosphäre, wir arbeiteten alle eng zusammen, um eine Zeitung herauszugeben. Wir konnten die ganze Arbeit bis zum fertigen Druck miterleben, den Geruch der Druckerschwärze wahrnehmen.» Das würde ihr fehlen, würde sie heute noch in der Redaktion arbeiten. Der Neubau gefällt ihr, besonders die Grossraumbüros haben es ihr angetan: «Der Austausch in einer Redaktion ist meines Erachtens wichtig und kann so direkt stattfinden.»
Auch Ralph Brechlin, CEO der Zürcher Oberland Medien AG, schätzt die verdichtete Bürogestaltung: «Die Interaktion und die Zusammenarbeit erfolgen auf diese Weise enger und intensiver.» Ausserdem sei der Standort ideal, direkt beim Bahnhof und «mittendrin». Das Konzept des Hauses sei auf Transparenz ausgelegt, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. «Mehr Sichtbarkeit und Nähe für unsere Leser.»

Der Wetziker Stadtrat Jürg Schuler (FDP) findet lobende Worte für das ZO Haus: «Mir gefällt, dass der Bau trotz seiner Grösse nicht erschlagend wirkt.» Ausserdem freut er sich, dass bei den Wohnungsgrössen eine gute Durchmischung stattfindet. «Das bräuchten wir viel mehr in Wetzikon.»

Stadtpräsident Pascal Bassu (SP) begrüsst es, dass das Medienunternehmen wieder an seinem bisherigen Standort zu finden ist. So sei die Redaktion wieder am Puls des Geschehens. «Zudem ist es für die Wetziker ein Gewinn, wenn sie schnell am Schalter vorbeigehen können», ist er überzeugt, «so kann ein direkter Austausch stattfinden.»

«Ich fühlte mich tatsächlich wie ein Goldfisch im Aquarium», witzelt Stadtrat Remo Vogel (Die Mitte). Damit spricht er das verglaste Sitzungszimmer im ersten Stock an, das «Aquarium» genannt wird. Er ist froh, dass er bei einer Führung Einblicke in den Neubau erhalten konnte. «Der Bau ist modern und attraktiv, besonders für junge Menschen», so Vogel. Es sei nicht nur cool, da zu wohnen, das Haus sei auch zentral gelegen und an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden. «Toll umgesetzt», lobt er das Medienunternehmen, «bitte bleibt an diesem Standort.»

Wetzikon entwickelt sich
In einer Podiumsdiskussion unterhalten sich Ralph Brechlin, der Wetziker Stadtrat Stefan Lenz (FDP), André Wegmann (CEO Bank Avera) und Peter von Känel (Mitinhaber Suter von Känel Wild Architekten) über die Entwicklung der Stadt Wetzikon. Dabei werden unter anderem die Problemzonen der Stadt, der Durchgangsverkehr und die Visionen für die nächsten 20 Jahre thematisiert.
«Zwei Häuser allein machen noch kein schönes Unterwetzikon», bringt Chefredaktor Michael Kaspar, der den Talk moderiert, provokant in die Runde ein. Gemäss Stefan Lenz wird die Vision der Stadtgestaltung über Generationen geplant und insbesondere auf die Partizipation der Bevölkerung gesetzt. «Mit dem ZO Haus und dem Nachbarhaus wurde dieses Quartier aus dem Dornröschenschlaf geweckt», ist er überzeugt, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Auch Peter von Känel ist sicher, dass Unterwetzikon ein hipper Ort wird: «Ich wünsche mir, dass Unterwetzikon in 20 Jahren als Vorzeigeprojekt gilt, wie man einen Stadtteil als Lebensraum gestaltet.»
Seit André Wegmann 1989 seine Lehre in Unterwetzikon angetreten hatte, hat sich hier nicht viel bewegt. Jetzt sei der Startschuss gefallen. «Das ist eine einmalige Chance für Grundeigentümer und die Stadt, Unterwetzikon als Visitenkarte attraktiv zu gestalten», appelliert er an die Verantwortlichen.

