Kanton bringt in Hinwil minderjährige Asylsuchende unter
Reduktion der Aufnahmequote
Seit Anfang April betreibt der Kanton im ehemaligen Bank-Avera-Gebäude beim Bahnhof eine Asylunterkunft. Die Gemeinde sieht darin Vorteile.
Seit dem Umzug der Bank Avera in den neuen Gebäudekomplex beim Bahnhof Hinwil vor einem Jahr, stand die ehemalige Filiale an der Bahnhofstrasse grösstenteils leer. Nun ist neues Leben in das frühere Bankgebäude eingekehrt. Der Kanton bringt seit Anfang April vorübergehend unbegleitete minderjährige Asylsuchende, kurz MNA (Mineurs non accompagnés), darin unter.
Wie der Hinwiler Gemeindezeitschrift zu entnehmen ist, liefen bereits seit August 2023 Verhandlungen mit dem Kanton über eine Unterbringung von MNA auf dem Gemeindegebiet. Im Fokus stand dabei zuerst nur ein Gebäude an der Gerichtshausstrasse. Erst gegen Ende Jahr hätten sich die Gespräche mit der Bank und dem Kanton insofern konkretisiert, dass auch im Bankgebäude eine entsprechende Zwischennutzung möglich wäre.
Kanton übernimmt Kosten
«Der Start verlief reibungslos», schreibt die zuständige Sicherheitsdirektion auf Anfrage. Insgesamt 20 minderjährige Asylsuchende sollen in der Regel in den beiden Gebäuden in Hinwil leben – aufgeteilt auf jeweils eine Wohngruppe pro Liegenschaft. Für die Betreuung ist wie auch in weiteren kantonalen Asylunterkünften die ORS Gruppe zuständig.
Vor Ort fällt die neue Unterkunft kaum auf. Lediglich ein kleines blaues Schild beim Haupteingang verweist auf die neue Nutzung. Das Innere des Gebäudes musste in den vergangenen Wochen umgerüstet werden. «Die Einrichtung ist sehr einfach gehalten», schreibt die Gemeinde auf Anfrage.
Weitere Unterkünfte für MNA bestehen in der Region bereits in Volketswil und seit letztem Jahr im ehemaligen Alterszentrum Rosengarten in Uster. Für die Gemeinden ergeben sich durch die vom Kanton betriebenen Unterkünfte Vorteile. «Der Kanton kommt für Betreuungs- und Unterbringungskosten auf, und das Kontingent der Gemeinde reduziert sich», so die Gemeinde Hinwil.
Gemeint ist damit die Aufnahmequote für Asylsuchende, die der Kanton vorgibt, und die am 1. Juli von 1,3 auf 1,6 Prozent ansteigen wird. Pro 1000 Einwohner müssen die Gemeinden dann also 16 Geflüchtete aufnehmen. Eine Aufgabe, die die Gemeinden in der Region zunehmend vor grosse Probleme stellt.
Schwierige Wohnraumbeschaffung
Durch die Reduktion des Kontingents erfülle Hinwil nun die aktuelle Quote, schreibt die Gemeinde. Die Verantwortlichen erhalten dadurch etwas Luft. Ab Juli würden jedoch – Stand jetzt – schätzungsweise 30 Wohnplätze fehlen. Insgesamt muss die Gemeinde gemäss der ab Sommer gültigen Quote und abzüglich der vom Kanton betreuten MNA für über 170 Asylsuchende Plätze bereitstellen.
Zurzeit seien mehrere Ideen in Bearbeitung, wie diese Lücke geschlossen werden soll. Diese seien aber noch nicht spruchreif. «Für die kurzfristige Beschaffung von Wohnraum fokussiert die Gemeinde Hinwil, wo immer möglich, auf Zwischennutzungen», heisst es.
Eine solche Zwischennutzung ist, wie bereits erwähnt, auch die kantonale Unterkunft im Bankgebäude. Gemäss Sicherheitsdirektion soll sie bis im zweiten Halbjahr 2025 genutzt werden.