Pfäffikon will Grünfläche Chlausenweid für die Industrie nutzen
Neue Gewerbeflächen
Der Pfäffiker Gemeinderat verfolgt die Absicht, die Chlausenweid in eine Industriezone umzuwandeln und so Platz für neue Gewerbe zu schaffen. Die Grünen befürchten deswegen eine Abstellanlage der SBB.
Auch wenn es noch etwas dauern würde, die Absichten sind da: Die Chlausenweid in Pfäffikon soll zukünftig grau statt grün sein. Die Fläche zwischen der Kempttalstrasse und dem Bahngleis Richtung Fehraltorf soll zu einer Industriezone werden. Damit will der Gemeinderat Platz für die Neuansiedlung von Gewerbe schaffen.
Die benannte Fläche muss dafür aber erst umgezont werden und im regionalen wie auch im kantonalen Richtplan als Industriezone statt wie bisher als Agrarzone festgehalten werden. Denn die Chlausenweid ist bisher eine Fruchtfolgefläche – oder anders gesagt, eine ackerfähige Landwirtschaftsfläche.
Die Agrarfläche würde sich gut als Industriezone eignen, meint der Gemeinderat. «Die bestehende Gewerbefläche würde so erweitert werden», sagt Daniel Beckmann, Pfäffiker Gemeindeschreiber, und bezieht sich auf das Industrieareal Schanz/Witzberg, das gleich nebenan liegt. Das Areal ist weitgehend überbaut, hat zwar noch freie Fläche, diese dient jedoch als Reserve für die bestehenden Gewerbebetriebe.
Auf dem Areal der Chlausenweid, das 3,5 Hektar gross werden soll, könnten somit vier bis acht grössere Betriebe Platz finden. Die Gemeinde will sich nicht nur als Siedlungsgebiet profilieren, sondern auch als Wirtschaftszentrum. Die Umzonung einer Fläche, die gleich neben der bestehenden Industriezone liegt, ist einfacher umzusetzen, als wenn das Areal sich in einer anderen Grünzone, weg von der Industrie, befinden würde, erklärt der Gemeindeschreiber.
Ein Mehrwert für die Besitzenden
Die Chlausenweid gehört verschiedenen Eigentümerinnen und Eigentümern – eine davon ist die Gemeinde selbst. Erwartet der Gemeinderat Widerstand?
«Ganz und gar nicht», meint Beckmann. Denn mit einer Umzonung zur Gewerbefläche generiere das einen Mehrwert, der für die Eigentümerinnen und Eigentümer interessant werden könnte. Sprich: Die Fläche bringt mehr Geld ein. Durch Versteuerung auch der Gemeinde, nicht bloss den Besitzerinnen und Besitzern.
Grundsätzlich steht es ihnen frei, wie sie diese dann zur Verfügung stellen. «Entweder können sie die Flächen vermieten oder verkaufen oder sogar selbst ein Gewerbe errichten», sagt Beckmann. Der Gemeinderat erhält beim Vorhaben die Unterstützung der FDP.
Keine Abstellanlagen für die SBB
Die Grünen hingegen haben Einwände. «Die fruchtbarsten Böden des Kantons in Bauzonen umzuwandeln, setzt ein falsches Zeichen», sagt Pirmin Knecht, Präsident der Grünen in Pfäffikon.
«Die SBB und der ZVV suchen seit Jahren Flächen für Abstell- und Serviceanlagen, auch im Oberland», erläutert Knecht. «Nur schon die Absicht zur Umzonung könnte einen Steilpass für eine solche Anlage darstellen.» Es ist erst zwei Jahre her, als sich Bubikon gegen eine solche Anlage in der eigenen Gemeinde gewehrt hat. Vorerst mit Erfolg. Eine Einzonung könne laut Knecht nicht im Interesse der Bevölkerung sein.
Die Sorge ist nachvollziehbar. Eine der Parzellen, die betroffen sein könnte, gehört den SBB. Laut der Medienstelle ist die Evaluation eines Standorts für eine solche Anlage im Oberland jedoch noch im Prozess. Resultate liegen noch nicht vor. Explizit ausschliessen konnten die SBB den Standort in Pfäffikon nicht.
Kompensiert wird sowieso
Im Falle einer Umzonung ist Pfäffikon aber noch lange keine Betonwüste. Die Chlausenweid müsste kompensiert werden. Die Balance zwischen Industrie, Siedlungsgebiet und Grünzonen muss in der Schweiz eingehalten werden. Noch ist nicht klar, wo sich diese Grünfläche befinden würde, der Gemeinderat hat aber schon Ideen.
Das Vorhaben ist erst noch in der Vorbereitungsphase. «Wir wollen der Bevölkerung zeigen, in welche Richtung der Gemeinderat denkt», erläutert der Gemeindeschreiber. Um die Chlausenweid als Gewerbe- und Industriezone in den regionalen und kantonalen Richtplan aufzunehmen, braucht es eine Abstimmung, und das Vorhaben muss von den Pfäffikerinnen und Pfäffikern gutgeheissen werden. Bis es zu einer solchen kommt, könnte es noch ein bis zwei Jahre dauern.
Das Vorhaben der Gemeinde wurde im Erläuterungsbericht der Teilrevision Nutzungsplanung 2023 festgehalten. Dabei handelt es sich erst um eine Absichtserklärung, konkrete Pläne folgen zu einem späteren Zeitpunkt. Noch können deshalb keine Einwände gemacht werden. Die Umzonung setzt unter anderem eine Änderung der kantonalen und regionalen Richtpläne voraus. Diese Revisionen finden in der Regel alle zwei Jahre statt.
