Kampf gegen Deponie im Tägernauer Holz soll weitergehen
Standort bei Gossau als «sehr gut» taxiert
Die Baudirektion erachtet den Standort Tägernauer Holz für eine Schlackendeponie als «sehr gut» geeignet. Gossau will sich dennoch weiter wehren.
Zwei Deponiestandorte sind im Kanton Zürich gemäss Baudirektor Martin Neukom (Grüne) besonders umstritten. Neben dem Chalberhau in Rümlang ist das das Tägernauer Holz auf dem Boden von Gossau und Grüningen. Gegner stört vor allem, dass diese Schlackendeponie mitten im Wald erstellt werden soll.
Dieser Umstand schlägt in der nun publizierten Gesamtschau der Baudirektion zwar negativ zu Buche, doch gesamthaft schneidet das Areal «sehr gut» ab, wie Neukom betonte. Über alle Deponietypen betrachtet erhält es sogar kantonsweit – nach einem Standort in Lufingen – die zweitbeste Eignung.
Dichter Untergrund
Als grosses Plus angeführt wird die gute Geologie. So ist der Untergrund dort dicht, wodurch eine Beeinträchtigung des Grundwassers ausgeschlossen wird. Mit der Lage im Wald ist auch ein grosser Abstand zum Siedlungsgebiet gewährleistet, die Deponie ist nicht einsehbar, womit eine «gute Eingliederung» in die Landschaft gegeben ist. Zudem ist dort kein Schutzgebiet betroffen.
Und als wichtig schätzt Neukom auch ein, dass die Deponie mit einem geplanten Volumen von 750'000 Kubikmetern eine direkte Zufahrt ab der Forchautostrasse erhalten soll.
Die ZAV Recycling AG will die Deponie im Tägernauer Holz betreiben. Deren Verwaltungsratspräsident Horst Meier nimmt «mit Genugtuung» zur Kenntnis, dass die bereits im Richtplan eingetragene Deponie jetzt bestätigt worden ist.
«Befürchtungen» der Gegner bestätigt
Ernüchtert, aber nicht überrascht über das Ergebnis zeigt sich dagegen Gossaus Gemeindepräsident Jörg Kündig (FDP). «Die Gesamtschau ist für die beiden geplanten Deponiestandorte Tägernauer Holz und das nahe Leerüti völlig wirkungslos», sagt er. Er sehe seine bislang mehrfach geäusserten Befürchtungen bestätigt. Schon die Entgegennahme des Gestaltungsplans Tägernauer Holz habe signalisiert, dass die Regierung dieses Resultat erwarte.

Immerhin habe im Vorfeld eine Aufstockung des Volumens im Tägernauer Holz verhindert werden können. Auch wenn die Erfolgschancen schwer abzuschätzen seien, wolle sich Gossau zusammen mit Grüningen mit allen zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln gegen die Deponie wehren. Dies ist etwa bei der Behandlung des Gestaltungsplans und der Baubewilligung möglich.
Wissenbüel gilt als noch «in Betrieb»
Als doppelt störend erachtet Kündig, dass die Reststoffdeponie Wissenbüel, die ebenfalls auf Gossauer Boden liegt, weiterhin als in Betrieb eingestuft wird. Dabei wurde die Fläche in der Nähe von Herschmettlen seit 2009 nicht mehr genutzt und renaturiert. Von den einst 500'000 Kubikmetern steht laut dem Bericht noch ein Restvolumen von 97'000 Kubikmetern zur Verfügung.
«Wenn beide nutzbar wären, geht das aus unserer Optik gar nicht», unterstreicht der Gossauer Gemeindepräsident. Immerhin würde das aber im Umkehrschluss auch heissen, dass, solange das Wissenbüel offiziell in Betrieb ist, im Tägernauer Holz nichts gebaut werden dürfte. Denn der Kanton will jeweils nur einen Standort pro Region und Deponietyp betreiben.
Das hält den Kanton aber nicht davon ab, nun durch das Amt für Raumentwicklung die Vorprüfung des im April 2023 von der ZAV Recycling AG eingereichten Gestaltungsplans fürs Tägernauer Holz einzuleiten. Die Firma ist laut Verwaltungsratspräsident Horst Meier bestrebt, zusammen mit den am Unternehmen beteiligten Zürcher Kehrichtverwertungsanlagen Hinwil, Hagenholz, Horgen und Dietikon das Deponieprojekt «zeitnah zu realisieren und damit einen substanziellen Beitrag zur Entsorgungssicherheit zu leisten».
