Jäger rüsten sich für neue Reviervergabe
Treffen in Volketswil
Die Jagdreviere werden ab 2025 neu nach einem Kriterienkatalog vergeben. Ökologie und eine Nähe zum Revier sind nun gefordert.
Das Oberland und das Tösstal zählen zusammen 46 Jagdreviere. Damit stellt die Region rund ein Sechstel aller 258 Reviere im Kanton. Sie werden von insgesamt 169 Pachtgesellschaften bejagd, die teilweise schon seit vielen Jahren bestehen und rund 1000 aktive Jäger in ihren Reihen zählen. Sie alle müssen sich aufs nächste Jahr hin auf eine Systemumstellung einstellen.
Jahrzehntelang erhielten die Gesellschaften im Rahmen einer Versteigerung den Zuschlag für ein Revier. Gegen einen marktgerechten Pachtzins, der dem Kanton abgeliefert werden muss, erhielten sie das Recht, im betreffenden Gebiet zu jagen.
Einheitliche Bewertung
Damit ist aufs nächste Jahr hin nun Schluss, wie der Zürcher Jagdverwalter Reto Muggler vor Kurzem an der jüngsten Generalversammlung von Jagd Zürich, dem Verband der Jägerinnen und Jäger, im «Wallberg» in Volketswil erklärte. Neu erfolgt die Vergabe nach einem Fixpreis – und nach einem einheitlichen Kriterienkatalog.

Zunächst sind alle Reviere bewertet worden. Essenziell ist dabei die effektiv bejagbare Fläche und das Potenzial, das die einzelnen Gebiete Rehen als Lebensraum bieten. Wo die Freizeitnutzung im Wald besonders hoch ist, reduziert sich der Wert des Reviers.
Nachsuche verlangt Nähe
Insbesondere die Gewichtung der einzelnen Vergabekriterien stiess bei den über 150 Versammlungsteilnehmern auf Interesse. Hoch gewichtet wird eine Nähe der Jäger zu ihrem Revier. Das ist besonders für die sogenannte Nachsuche wichtig. Wenn Wildtiere von einem Auto angefahren werden, müssen die Jäger schnell ausrücken, um das verletzte Tiere zu suchen und von seinem Leiden zu erlösen.
Wie Reto Hufschmid, seit einem Jahr Präsident des Verbands Jagd Zürich, an der Generalversammlung erklärte, sind das viele. Rund zehn Prozent aller Wildschweine, die im Kanton pro Jahr erlegt werden, sind «Fallwild», wurden also angefahren. Noch höher ist der Prozentsatz laut dem obersten Zürcher Jäger, der in Wolfhausen daheim und Mitglied der Jagdgesellschaft Hinwil ist, beim Rehwild: «Von den 7666 erlegten Rehen im vergangenen Jahr waren rund 2000 Fallwild.»
Der Jagd-Zürich-Präsident aus dem Oberland
Vor einem Jahr ist Reto Hufschmid zum Präsidenten von Jagd Zürich gewählt worden. Der 50-Jährige steht damit einem Verband vor, in dem rund 850 aktive Jäger aus dem Kanton Zürich zusammengeschlossen sind. Das Ehrenamt kommt vom Zeitaufwand her einem 25-Prozent-Job gleich. Hufschmid ist diplomierter Baumeister und führt zusammen mit seiner Frau in Wolfhausen die Immobilienfirma Hauspracht, die im Bau- und Projektmanagement tätig ist.

Beziehungen zur Jagd hatte bereits sein Grossvater. Er selbst war zuerst als Treiber und dann als Jagdlehrling am Bachtel tätig, wo er seine dreijährige Ausbildung bei der Jagdgesellschaft Hinwil absolvierte. Heute ist er dort Jagdleiter und organisiert unter anderem Bewegungsjagden, bei denen Treiber und Hunde zum Einsatz kommen. In der Region wird vor allem Rehwild und Wildsauen, aber auch Dachs und Fuchs gejagt. Dabei bekommt die Jagdgesellschaft vom Kanton Vorgaben zu den Abschusszahlen, dient die Jagd doch der Bestandsregulierung und Nutzung des Wilds.
Seine Motivation als Jäger ist die Verbundenheit mit der Natur und insbesondere mit den heimischen Wildtieren und deren Lebensräumen. Draussen liebt er die Ruhe, ist er doch meist allein unterwegs. «Für mich ist die Aufgabe als Jäger sehr vielfältig. So sorge ich im Revier für die Artenvielfalt und Lebensräume unserer Wildtiere.» Diese gelte es zu schützen, zu regulieren, aber diese «hochwertige Ressource» auch zu nutzen. «Dazu ist diese Tätigkeit draussen auch ein Ausgleich zu meinem beruflichen Alltag», meint der Vater zweier Töchter.
Wichtige Hege und Pflege
Bei der Vergabe ebenfalls stark gewichtet wird die Qualität der bisherigen Jagdausübung. Wichtig ist dabei auch, ob die jeweilige Jagdgesellschaft altersmässig gut durchmischt ist und genügend Nachwuchs ausbildet.

Ein Punkt im Kriterienkatalog ist schliesslich auch der ökologische Leistungsnachweis, also der zeitliche Aufwand für die Hege und Pflege. Wie hoch dieser ist, macht Hufschmid klar: Etwa einen halben Tag pro Woche ist er Pächter unterwegs. «Jagd ist eine Passion, die viel Zeit und Engagement benötigt. Nur gerade drei Prozent dieser Zeit macht die effektive Jagd aus.» Der grosse Rest wird für die Tier- und Revierpflege aufgewendet. Die Jäger arbeiten dabei eng mit den Förstern sowie den Landwirten zusammen.

Allein im Kanton Zürich wurden im Frühjahr 2023 837 Rehkitze aus den Wiesen und Feldern vor bedrohlichen Landmaschinen gerettet. Diese wurden mit 90 Drohnenpiloten gesucht. Total leisteten die Jäger für die Rehkitzrettung 1262 Einsatztage.
Zuschlag bis Ende Februar 2025
Im August werden die Jagdgesellschaften über das neue Prozedere bei der Vergabe offiziell informiert. Bis Mitte Januar 2025 müssen sie ihre Dossiers den Gemeinden einreichen. Diese wiederum müssen bis spätestens Ende Februar 2025 entscheiden, wem sie den Zuschlag geben.
Grosse Auswahl werden die Gemeinden allerdings nicht haben. Muggler rechnet nämlich damit, dass es nur in einem halben Dutzend Revieren mehrere Bewerbergruppen geben wird. Wenn sich nur eine Gruppe bewirbt, kann die Gemeinde das Revier dieser zuschlagen – sofern die Jagdgesellschaft Gewähr für einen ordentlichen Jagdbetrieb bietet.
Reviere werden zusammengelegt
Das ist offenbar nicht immer der Fall. Vor zwei Jahren kündigte die Gemeinde Weisslingen den Pachtvertrag mit der Jagdgesellschaft Weisslingen-Dettenried ausserterminlich. «Diverse unerfreuliche Umstände in den letzten Jahren haben gezeigt, dass es um diese Jagdgesellschaft nicht zum Besten bestellt ist», lautete die Begründung der Gemeinde für diesen Schritt.
Streit um Jagdreviere und deren Grenzen hat es in den letzten Jahren aber auch in Bauma oder in Winterthur gegeben. Auf 2025 hin wird es laut Muggler wieder ein paar Veränderungen bei den Revieren geben. Er rechnet mit einem halben Dutzend Zusammenlegungen. Bekannt sind bisher die Zusammenschlüsse von Adlikon und Humlikon, Schlieren-Urdorf-Dietikon sowie Männedorf und Uetikon am See. Darüber hinaus geht es um kleinere Bereinigungen der Grenzen.
Das wird aber keine Auswirkungen auf die Einnahmen haben, die der Kanton aus der Vergabe der Pachten erzielt. Mit dem neuen Fixpreissystem nimmt der Kanton laut Muggler rund 860’000 Franken ein. Das sind fünf Prozent mehr als heute. «Beim Pachtzins haben wir eine Teuerung in dieser Höhe eingerechnet.»
Wildunfälle: Was Autofahrer beachten müssen
Mit dem Beginn der Sommerzeit steigt das Risiko für Kollisionen zwischen Motorfahrzeugen und Wildtieren. Denn am Morgen ist es wieder dunkler, und Wildtiere sind vermehrt in der Dunkelheit unterwegs, nicht zuletzt wegen der beginnenden Paarungszeit. Rehe, Wildschweine und andere Tiere befinden sich auf Nahrungssuche und überqueren Strassen, ohne auf Autos zu achten. Die Paarungszeit von Dachs und Iltis fällt oft mit der Zeitumstellung zusammen. Während sich die Tiere auf die Fortpflanzung konzentrieren, achten sie weniger auf den Verkehr. Dies erhöht die Gefahr von Wildunfällen erheblich.

So vermeiden Sie Unfälle
Geschwindigkeit reduzieren, insbesondere bei Warnschildern, an unübersichtlichen Stellen wie Wäldern, Hecken, hohen Getreidefeldern und in Wohngebieten.
In der Dämmerung und nachts besonders aufmerksam fahren – den rechten Fahrbahnrand besonders im Auge behalten.
Wenn Tiere in Fahrbahnnähe gesichtet werden: Geschwindigkeit reduzieren und auf Abblendlicht schalten.
Im Falle eines Unfalls
Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem Zusammenstoss, sind Autofahrer gesetzlich verpflichtet, einen Tierunfall zu melden. So gehen Sie richtig vor:
Anhalten und Warnblinkanlage einschalten.
Unfallstelle absichern (Pannendreieck, Warnleuchte) und Eigensicherung beachten. Falls das Tier geflüchtet ist, Unfallstelle markieren.
Polizei über Telefon 117 verständigen – sowohl bei Wildunfällen als auch bei Unfällen mit Haustieren (die Polizei stellt Fachleute zur Verfügung).
Tote Tiere an den Hinterbeinen an den Strassenrand ziehen. Eventuell vorher Fotos machen (primär bei Haustieren), Zeugen suchen.
Auf keinen Fall einem Wildtier zu nahe kommen. Die Nähe von Menschen verängstigt das Tier, Verletzungen können durch Flucht- oder Abwehrversuche verschlimmert werden. Auch verletzte Katzen und Hunde können aus Angst beissen und kratzen. Falsche «Behandlung» kann die Situation nur verschlimmern. Besser ist es, das Eintreffen der Polizei oder des Wildhüters abzuwarten.
Um ein schwer verletztes Tier fachgerecht zu erlösen, muss die Polizei/Wildhut benachrichtigt werden. Schwer verletzte Tiere können tagelang an beliebiger Stelle in Deckung liegend leiden und qualvoll sterben. Nur wenn Kollisionen sofort gemeldet werden, können die Tiere gesucht und erlöst werden. Wichtig ist, dass Sie dem Wildhüter Angaben über den Unfallhergang und die Fluchtrichtung des Tiers machen können. So kann er das verletzte Tier möglichst schnell mit dem Schweisshund aufspüren.