Uster will keine zusätzlichen Umkleidemöglichkeiten am Greifensee
Umziehen im Freien
Zwei Gemeinderäte fordern die Installation von sogenannten Umkleideschnecken am Seeufer. Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf.
Dass der Greifensee für Schwimmbegeisterte ein beliebtes Ziel ist, ist kein Geheimnis. Im Sommer sowieso, aber auch im Winter lassen sich einige Hartgesottene von den kühlen Temperaturen nicht beirren.
Umkleidemöglichkeiten gibt es auf Ustermer Stadtgebiet in den Wintermonaten allerdings keine. Die Badi mit den Garderoben ist geschlossen. Und auch im Sommer mangelt es ausserhalb der Badi an sichtgeschützten Orten, um schnell noch in die Badeshorts oder ins Bikini zu schlüpfen. Ein Manko, das die beiden Gemeinderäte Marco Ghelfi (Grüne) und Jürg Krauer (FDP) anpacken wollen.
Mit einem Postulat fordern sie den Stadtrat dazu auf, die Installation von drei oder vier sogenannten Umkleideschnecken zu prüfen. Dabei handelt es sich um Umkleidekabinen in Schneckenform ohne Türe. Auch ausserhalb der Saison und neben der Badi sollen so künftig Möglichkeiten zum vor neugierigen Blicken geschützten Umziehen am Ustermer Greifenseeufer bestehen.
Für die Umkleideschnecken spricht aus Sicht der beiden Politiker, dass sie sich mühelos aufstellen liessen, günstig in der Anschaffung seien und aus nachhaltigen Baumaterialien erstellbar wären. Ausserdem sei keinerlei weitere Infrastruktur nötig. Für die Badenden am See würde gleichzeitig ein grosser Mehrwert entstehen.
Kein Gehör bei der Stadt
Beim Stadtrat stossen diese Argumente auf taube Ohren. Er lehnt das Postulat in einer ersten Stellungnahme ab und führt gleich mehrere Gründe für seine Haltung ein.
Vor allem zweifelt der Stadtrat die Nachfrage nach den vorgeschlagenen Umkleideschnecken und deren Nutzen an. Diese würden den Aufwand und die Kosten für den Betrieb nicht aufwiegen.
Die mangelnde Nachfrage begründet der Stadtrat damit, dass bereits genügend Umziehmöglichkeiten entlang des Greifenseeufers bestehen würden. Neben Garderoben erwähnt er dabei auch die öffentlichen Toiletten. Erst im vergangenen Sommer hatte die Stadt neue WC-Anlagen am See installiert.
Ausserdem würden viele Badende bereits umgezogen an den See kommen. Dies würde auch die Erfahrung aus den Freibädern zeigen, da auch dort viele Badigäste die Garderoben gar nicht nutzen würden.
Nicht zuletzt sieht der Stadtrat aber auch möglichen Vandalismus als ein Problem. Er warnt vor hohen Unterhaltskosten, die zulasten der öffentlichen Hand gehen würden. Besonders Anlagen am Greifensee seien durch ihre Abgelegenheit von Vandalismus betroffen.
Naturschutz geht vor
Abgesehen davon stünden fest installierte Bauten aber sowieso im Widerspruch zur Verordnung zum Schutz des Greifensees (SVO), heisst es weiter. Die SVO gilt seit 1994 und soll «wertvolle Lebensräume und die Qualität des Landschaftsbilds» entlang des Seeufers bewahren.
Sowieso seien nur wenige Gebiete als Erholungszonen ausgewiesen, schreibt der Stadtrat, aber auch dort würden besondere Bestimmungen für Bauten und Anlagen gelten. Das Postulat würde «ein kostenloses Badevergnügen für alle entlang des ganzen Ustermer Seeufers» vorsehen, hält die Stellungnahme weiter fest. «Dies widerspricht einerseits den Zielen der SVO und andererseits der vom Stadtrat vorgesehenen Entwicklung des Erholungsgebiets Seefeld.»
Das nächste Wort hat nun der Gemeinderat, der entscheiden muss, ob er das Postulat an den Stadtrat überweist – trotz dessen ablehnender Haltung. Das Geschäft wird voraussichtlich Mitte Mai behandelt.
