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«Ich gehe erst auf den Mars, wenn dort ein Swimmingpool gebaut ist»

Hanna Sathiapal konnte lange nichts mit der Begeisterung fürs Weltall anfangen. Erst ein Besuch bei der Nasa hat das geändert.

Hanna Sathiapal vor einer Projektion der Sombrerogalaxie. Dieses Planetensystem gefällt der Dübendorferin besonders gut, ist aber 30 Millionen Lichtjahre entfernt.

Foto: Simon Grässle

«Ich gehe erst auf den Mars, wenn dort ein Swimmingpool gebaut ist»

Frau verliebt sich ins Weltall

Die Dübendorferin Hanna Sathiapal hat mit Weltraummissionen und Nasa-Wissenschaftlern zu tun. Den Zugang zum Weltall hat sie allerdings erst spät gefunden. Und die Erde ist ihr immer noch lieber als der Mars.

Hanna Sathiapal sitzt am Tisch des «Raumschiffs» und blickt auf Abbilder der Monde unseres Sonnensystems. «Europa finde ich den spannendsten», sagt die Dübendorferin. Gemeint ist der kleinste der vier Monde von Jupiter, der aber immer noch der sechstgrösste im Sonnensystem ist. Unter der Eisschicht verbirgt sich ein Ozean, was Sathiapal fasziniert. «Wer weiss, vielleicht gibt es darin Leben.»

Das «Raumschiff» ist ein Raum im Parterre der Zwicky-Überbauung im Nordwesten Dübendorfs. Geführt wird es vom Verein Astronomie-Werkstatt, der dort Vorträge, Workshops und Kurse für Kinder und Erwachsene anbietet. Hanna Sathiapal ist die Gründerin des Vereins und organisiert als Co-Leiterin regelmässige Veranstaltungen wie den Planeten- oder den Galaxien-Club.

Sie öffnet die Türen des «Raumschiffs» und schaut, ob nicht eines der Quartierkinder hereinkommen will, um etwas über das Weltall zu erfahren. Tatsächlich drücken auch an diesem Nachmittag ein paar Knirpse ihre Nasen gegen das Schaufenster, in dem Spielzeugastronauten, Styropor-Planeten und Teleskope ausgestellt sind.

«Die meisten, die hier regelmässig herkommen, sind kleine Weltraum-Nerds», sagt die 61-Jährige. Also Kinder, die schon viel über das Universum wüssten. Anders bei Sathiapal, die sich erst spät für das Thema zu interessieren begann. In jungen Jahren fand sie Reisen ins Weltall fragwürdig, «denn wir haben auf der Erde ja noch so viele ungelöste Probleme».

Hanna Sathiapal hat sich in den ersten Jahren ihrer beruflichen Laufbahn mit einem Studium in Richtung Kultur orientiert. Sie war in Museen angestellt und richtete dort unter anderem Ausstellungen ein.

Frau mit Schraubenzieher

«Mein Interesse fürs All ist erst in den 1990er Jahren erwacht.» Ihr Mann entwickelte damals Software für ein Weltraumteleskop der Nasa. Als die beiden in eine amerikanische Universität eingeladen wurden, konnte sie zuschauen, wie ein Satellit gebaut wurde.

«Ich war beeindruckt von einer Ingenieurin, die dort mit einem einfachen Schraubenzieher ein Gerät zusammenschraubte, das kurze Zeit später im Weltraum den Sonnenwind untersuchte.» Das gleiche Werkzeug habe sie bei sich zu Hause gehabt. «Ich hielt es zuvor nicht für möglich, dass sich mit einem simplen Schraubenzieher komplizierte Weltraumtechnik bauen lässt.» Vor diesem Erlebnis sei «Hightech» für sie etwas sehr Abstraktes und Unnahbares gewesen. «Nun sah ich, dass es sich bei der Weltraumtechnologie um Einzelstücke handelte, die mit viel Sorgfalt von Hand angefertigt werden.»

Wegen der Zeitverschiebung fand der Start mitten in der Nacht statt – wir haben gejubelt.

Auch beruflich hat Sathiapal an der Welt ausserhalb unserer Welt Gefallen gefunden. Sie arbeitet mittlerweile als Wissenschaftskommunikatorin für Forschungsprojekte in Astroinformatik und Sonnenphysik an der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Die Hochschule entwickelte ein Röntgenteleskop für die Mission Solar Orbiter der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die Sonde wurde 2020 ins All geschossen, mit ihr wird seither die nähere Umgebung der Sonne erforscht. Sathiapal hat sich zusammen mit ein paar Arbeitskollegen den Start von Solar Orbiter in Florida in einem Livestream angesehen. «Wegen der Zeitverschiebung fand der Start mitten in der Nacht statt. Wir haben gejubelt.»

Auch von der Euclid-Mission schwärmt Sathiapal. Im Sommer 2023 startete die Raumsonde ins Weltall, um dunkle Materie und dunkle Energie zu erforschen. An dieser Aufgabe ist auch ein Team der Fachhochschule Nordwestschweiz beteiligt. Zu Sathiapals Arbeit gehört es, solche Forschungsprojekte mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Nicollier zu Gast

Und auch im «Raumschiff» hat sie es immer wieder mit Wissenschaftlern zu tun. So war etwa der ehemalige Astronaut Claude Nicollier kürzlich dort und hielt einen Vortrag.

Imponiert hat ihr, dass der Schweizer im Weltraum das Hubble-Weltraumteleskop reparieren konnte. Das sei «eine unglaubliche und sehr nützliche Leistung».

Neben Nicollier war auch schon ein Team der Nasa im «Raumschiff» zu Gast. «Es gab eine kleine Feier an der Cosmos-Bar anlässlich eines erfolgreichen Sonnenforschungsprojekts.» Für Vorträge hingegen engagiert Sathiapal Expertinnen und Experten, die deutsch sprechen.

Trotz ihrer Faszination für das Universum würde Sathiapal eine Expedition auf einen anderen Planeten nie wagen. «Ich habe immer gesagt, dass ich erst auf den Mars gehe, wenn dort ein Swimmingpool gebaut ist.»

Sie bleibe lieber auf der «wunderschönen, vielfältigen, farbenreichen und lebensfreundlichen Erde», sagt Sathiapal. «Dies ist eindeutig mein Lieblingsplanet, ich würde ihn niemals gegen einen anderen eintauschen.»

 

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