Was war zuerst da: das Ei oder der Hase?
Das Fest der bunten Eier
Ob mit der Familie, in der Schule oder an einem Workshop: Das Färben von Eiern ist eine alte Tradition und im Oberland beliebt. Aber was genau hat das mit dem Osterhasen zu tun?
Es ist einfach, günstig und bringt die ganze Familie zusammen: Das Eierfärben an Ostern ist wohl die bunteste Tradition, die garantiert in jedem Haushalt umgesetzt werden kann.
Mit hausgemachter Naturfarbe kann man chemischen Färbemitteln entgegenwirken und erst noch das Portemonnaie schonen. Dazu braucht es einen Griff ins Chuchichäschtli und einen Spaziergang durch den Wald – oder im Garten. Mehr ist kaum nötig, um wundervolle Kunstwerke herzustellen.
So gelingt das Osterkunstwerk
Zwiebelschalen, Kaffeesatz, Brennnesseln oder Blaukabis eignen sich, um schöne Farben herzustellen. Dafür müssen die Zutaten eine halbe Stunde zu Suppen aufgekocht werden – jede Farbe in ihrem eigenen Topf.
Aus Moos oder einem Frottiertuch ist ein Nestchen herzurichten, so ist das Ei für die Verzierung gut gepolstert. Die Eier dann mit Wasser befeuchtet und ins Moos-Nest legen.
Gesammelte Blümchen, Blätter, Kräuter oder aus Papier geschnittene Förmchen dienen als Verzierung. Die Elemente auf das nasse Ei legen – mit dem Wasser kleben die Elemente an der Schale.
Einen alten Strumpf, etwa zehn Zentimeter lang, vorsichtig, aber kompakt über die Eier und Verzierungen stülpen und die Enden des Strumpfs zubinden.
Das zugeschnürte Ei in eine kochende Suppe legen, und so verwandelt sich das rohe Ei in ein Osterei: Es wird hart gekocht und gefärbt – zehn Minuten reichen.
Abkühlen lassen, auspacken und staunen. Mit etwas Olivenöl oder Butter können die Eier noch zum Glänzen gebracht werden – die Farben und Verzierungen leuchten auf.


Eier färben kann man nicht nur zu Hause. Noch mehr Spass macht es in einer Gruppe. So veranstaltet die Naturstation Silberweide, das Besucherzentrum am Greifensee, einen Workshop zum gemeinsamen Eierfärben. Zu diesem Anlass werden Naturfarben verwendet, die teilweise in der Drogerie gekauft werden.
Der Workshop ist im Oberland beliebt und immer sehr gut besucht. Gemäss der Leitung des Workshops ist der ganze Prozess für die Kinder ein aufregendes Experiment, das mit viel Zauber und magischen Momenten verbunden ist. Der Spass stehe im Vordergrund, es stecke jedoch viel mehr als nur bunte Eier dahinter. Die Kinder würden sich auf spielerische Art in Achtsamkeit üben.
Ostern, so, wie wir sie heute kennen, sind Festtage, die sich hervorragend für Kinder eignen. Der Osterhase hoppelt von Garten zu Garten und versteckt seine Überraschungen, es gibt bunte Eier und viel Schoggi. Aber wieso färben wir eigentlich Eier, und was hat der Osterhase damit zu tun?
Jesus und das Ei
Der Ostereierbrauch geht bis ins Mittelalter zurück. Es gibt, wie es für Bräuche üblich ist, verschiedene Theorien zur Geschichte des Ostereis. «Da das Ei für das Leben steht, ist zu vermuten, dass es auch als Symbolik für die Auferstehung des gekreuzigten Jesus verwendet wurde», erklärt Micha Gallati, Historiker und Kulturwissenschaftler an der Universität Zürich.
Es zu verzieren, ist also nicht weit hergeholt. Zudem endet die Fastenzeit an Ostern. Das heisst, dass der Überschuss an Eiern es zuliess, dass diese verschenkt wurden. Da es im Mittelalter noch keine Kühlschränke gab, mussten sie für die Haltbarkeit hart gekocht werden. Es gibt Quellen, die spekulieren, dass sie bemalt wurden, damit man die frischen Eier von den älteren unterscheiden konnte. Theorien gibt es viele.
Die Enteignung der Kirche
«Interessant ist, was in den letzten 200 Jahren geschehen ist: Ostern wurde zum Kinderbrauch», sagt Gallati. Im 19. Jahrhundert erhob sich das Bürgertum und manifestierte sich gegen die Kirche und den Adel als eigene Gesellschaftsform. Laut Gallati eine, die ihre eigenen Regeln und Rituale hervorbrachte, wo die Familie im Zentrum stand.
Und tatsächlich ist der Osterhase genauso alt. Das Bürgertum enteignete der Kirche den Osterbrauch und etablierte ihn mit der Einführung des Hasen als Osterfigur zu einem familiären Brauch. «Der Hase ist als Symboltier unglaublich vielfältig und kann viele Interpretationen haben», sagt der Historiker. Er steht beispielsweise für den Frühling und die Fruchtbarkeit.
Vor allem ist er aber auch herzig und eignet sich hervorragend als Schoggifigur.
