Gratis-Säckli für Spontane oder Vergessliche beim Einkauf
Nimm eins, bring eins
Tragtasche vergessen? Kein Problem. Für die nächsten sechs Monate läuft das Nachbarschaftsprojekt mit dem Säckli-Baum in der Migros in Pfäffikon.
Wer kennt es nicht: Man geht in den Supermarkt und kauft sich zum tausendsten Mal eine Tragtasche. Vielleicht hat man vergessen, eine mitzunehmen. Vielleicht wurde der Einkauf grösser als erwartet. Zu Hause stopft man die Einkaufstasche zu den anderen Sammelstücken, die man so schnell sicher nicht wieder loswird – passiert den Besten. Ausserdem ist das nicht sehr umweltfreundlich.
Ein Nachbarschaftsprojekt zur Müllvermeidung wirkt diesem Alltagsdilemma nun in der Migros Pfäffikon entgegen: Vor den Self-Checkouts steht ein Holzbaum, an dessen Ästen Stofftaschen hängen. Und an diesen Einkaufstaschen darf man sich bedienen. Einfach so.
Der neue Service funktioniert auch umgekehrt: Wer zu viele Taschen zu Hause liegen hat, darf diese an den Baum hängen und Teil der neuen Einkaufstaschen-Rotation werden. Die einzige Voraussetzung: Die Einkaufstaschen müssen sauber sein.
So funktioniert der neue Säckli-Baum
– Nehmen Sie eine Tragtasche mit. Sie dürfen bei Bedarf auch mehrere nehmen.
– Hängen Sie Ihre Tragtaschen an den Baum. Bringen Sie so viele mit, wie Sie wollen. Achten Sie aber darauf, dass die Tragtaschen sauber sind.
– Die Taschen müssen nicht aus Stoff sein, Plastik geht auch.
Gewaschen und gebügelt
«Wir hantieren hier mit Lebensmitteln, deshalb müssen die Taschen dementsprechend hygienisch sein», erklärt Katrin Legandt, die das Projekt als selbständige Marketing- und Ideenentwicklerin ins Rollen gebracht hat. Ansonsten gebe es aber keine Regeln. Die letzten Tage verbrachte sie damit, recycelte Stofftaschen zu waschen und sogar zu bügeln, damit der Säckli-Baum zum Start der Aktion in seiner vollen Pracht erblühen kann.
Wegen ihres Berufs ist es sich Legandt gewohnt, Orte zu beleben: Sie konzipiert öffentliche Plätze, Schaufenster oder das Einkaufserlebnis für Kundinnen und Kunden. Der Säckli-Baum ist jedoch ein freiwilliges Projekt.
Sie selbst ist aus Pfäffikon und kauft oft im besagten Supermarkt ein. Das Problem mit dem übermässigen Sammeln von Einkaufstaschen kennt sie nur zu gut. Sie erkundigte sich bei ihren Mitmenschen um deren Bedürfnisse und traf mit ihrer Idee, einen Säckli-Baum in die Migros zu stellen, ins Schwarze.
Also präsentierte sie ihr Konzept dem Filialleiter der Pfäffiker Migros, Urs Bieri, der einwilligte, das Projekt auszuprobieren. «Nachhaltigkeit und der Umgang mit Ressourcen sind Themen, die auch die Migros beschäftigen», betont Bieri. Darüber, ob der Grossverteiler dann weniger Säcke verkauft, mache man sich keine Gedanken. Dies sei nie im Fokus gestanden. Vielmehr freue man sich über ein spannendes Nachbarschaftsprojekt im Haus.
Mehr als nur nachhaltig
Während der nächsten sechs Monate soll der Baum auf seine Effektivität getestet werden. Also, ob er an der richtigen Stelle steht, ob er überhaupt genutzt wird und ob er einwandfrei funktioniert. Damit dieser Service langfristig bestehen kann, setzt Legandt auf die Eigenverantwortung von Nutzerinnen und Nutzern.
Solche Säckli-Bäume sind meistens in Bioläden anzutreffen, wo man besonders auf Nachhaltigkeit setzt. In Legandts Augen fördert eine solche Strategie das Schonen der Umwelt: «Wir alle haben einen Jutesack, der für Nachhaltigkeit steht. Wenn dieser aber irgendwo in einer Schublade liegt, bringt der keinem etwas», betont sie.
Der Säckli-Baum steht aber für mehr als nur für die Sorgfalt zur Umwelt. Schon bevor dieser überhaupt eingeweiht wurde, hatte der Baum ein Gemeinschaftsgefühl generiert. Für die Umsetzung haben sich Helfer und Helferinnen aus verschiedenen Bereichen zusammengetan und das Projekt realisiert. Ein Schreiner stellte den Baum her, Grafiker gestalteten die Signaletik. Alles freiwillig – zum Wohle der Gemeinschaft.