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Oesch’s die Dritten ganz intim in Maur

Die Berner Oberländer sind auch im Zürcher Oberland beliebt: Oesch’s die Dritten sorgten in Maur für Begeisterung.

Oesch’s die Dritten geben ein Exklusivkonzert in den Powerplay Studios in Maur.

Foto: Christian Merz

Oesch’s die Dritten ganz intim in Maur

Exklusives Konzert

In den legendären Powerplay Studios in Maur beherrschte für einmal volkstümlicher Groove die «Powerplay Nights». Dem Publikum gefiels trotzdem – oder erst recht?

Im Eingangsbereich der Powerplay Studios in Maur stehen die Leute an diesem Donnerstagabend dicht gedrängt um die Stehtischchen. Sie nippen an ihren Drinks, essen eine Kleinigkeit oder sind in Gespräche verwickelt.

Das Alter und die Persönlichkeiten der Anwesenden könnten unterschiedlicher nicht sein. Von Mittzwanzigern bis zu Ü70 sind alle Altersgruppen vertreten, vom Sanitär über den Musiker bis zum Rentner. Alle warten sie auf den Auftritt der Gruppe Oesch’s die Dritten. An der neunten Ausgabe der «Powerplay Nights» heizt die Familienband aus dem Berner Oberland mit volkstümlichen Klängen dem Publikum ein.

Nach Künstlern wie Gregor Meyle, Jaël, Ariel Posen oder James Gruntz wirkt diese Stilrichtung doch eher ungewöhnlich. Bei den Proben für «Sing meinen Song» hat Cyrill Camenzind, der Geschäftsleiter der Studios, Oesch’s die Dritten bereits in seinem Studio erlebt. «Sie haben uns mit ihrer unglaublichen Energie und Spielfreude überwältigt», erzählt der Maurmer. So sei die Idee entstanden, die Volksmusiker für einen Auftritt einzuladen: «Was musikalisch gut gemacht ist, hat einen Platz bei uns.»

«Studio-Feeling selber erleben», so lautet gemäss Camenzind die Idee hinter diesem Format. «Es gibt viele Musikbegeisterte, die gerne einmal hinter die Kulissen blicken möchten.» Das Konzept kommt an, die 120 Plätze sind ausverkauft. Neben einigen «Stammkunden» seien auch immer wieder neue Gesichter zu sehen. Doch nicht nur für sie, «auch für unser Team sind diese Events ein cooler Ausgleich zum Studioalltag.»

Oesch’s sind gerne in der Region

Im Dachstudio bereiten sich die Bandmitglieder indes auf ihren Auftritt vor. Melanie Oesch erzählt, dass sie schon öfters Auftritte im Zürcher Oberland gehabt hätten, etwa in Uster oder kürzlich an den «Bleiche Sessions» in Wald. «Wir haben immer wieder tolle Begegnungen in dieser Region», schwärmt sie in breitem Berner Dialekt, «die Oberländer sind ‹gäbige› Leute, unkompliziert und wie du und ich.» Kurze Pausen an hiesigen Konzerten würden sie und ihre Familie jeweils für Spaziergänge an einem der Seen nutzen, «es ist schön hier».

Aktuell sei die Band auf Klubtour, weshalb der Auftritt an den «Powerplay Nights» im «Klein-aber-fein-Format» super passen würde: «Die Nähe zu unseren Fans schätzen wir ganz besonders, viele kennen die Hintergründe zu unseren Songs, und das schafft eine direkte Verbindung.»

Die freudige Anspannung, das «Chribele» vor dem Auftritt, sei bei dieser Nähe noch grösser, «weil uns alle so direkt zusehen». Doch meist löse sich diese beim ersten Song wieder auf.

Im Maurmer Studio aufzutreten, hat für Melanie Oesch noch eine weitere Bedeutung: «Wenn man weiss, welche internationalen Grössen hier Musik gemacht haben, erfüllt mich das mit Ehrfurcht.» Denn Künstler wie Europe, Lady Gaga, Prince oder Lenny Kravitz waren schon Kunden in den Powerplay Studios.

Wer ein Ticket für eine der «Powerplay Nights» ergattert, hat die Wahl zwischen verschiedenen Optionen: Im Aufnahmeraum sitzt man direkt beim Künstler und geniesst das Konzert in einer intimen Atmosphäre. Hier sind an diesem Abend vorwiegend die «eingefleischten Fans» der Oesch-Band angesiedelt.

So wie Thomas aus Ebmatingen, der sich seit fünf Jahren für ihre Musik begeistert. Heute ist er mit mehreren Familienmitgliedern angereist: «Ich hoffe, dass ich sie mit meinem ‹Virus› anstecken kann.» In der Pause bestätigen diese, dass sie ihre Entscheidung nicht bereuen: «Tolle handgemachte Musik, die ‹fägt›.»

Oesch’s die Dritten geben ein Exklusivkonzert in den Powerplay Studios in Maur.
Auf du und du mit den Künstlern: Im dicht bestuhlten Saal können 70 Personen mitfiebern.

Wer die teuerste Option gewählt hat, kann sich im Regiestudio, mit direkter Sicht auf die Bühne, selbst am Mischpult ausprobieren. Die beiden Studioassistenten Anna und Romario zeigen in einem kurzen Crashkurs die wichtigsten Schieber und Regler. Nach und nach finden die Zuschauer heraus, wie sie zum Beispiel nur Melanies Stimme hören – oder was einem Song fehlt, wenn die Bassbegleitung rausgeschnitten wird.

Im Studio B sitzen die Zuschauer direkt hinter dem Tontechniker Reto, der den Live Recording Cut macht, also das Konzert auf Band mitschneidet. Hier ist eine ganz andere Atmosphäre zu spüren.

In diesen beiden Studios sind viele technikbegeisterte Musikfans anzutreffen. Wie etwa der etwas ältere Martin aus Aesch, der zum zweiten Mal an einer der «Powerplay Nights» dabei ist. «Ich interessiere mich sehr für die Hintergründe, wie gute Musik zustande kommt», erzählt er. «In diesem Raum hört man die Klänge viel klarer und sauberer als direkt vor der Bühne.» Das sei aber ein Geheimtipp, mahnt seine Begleiterin schmunzelnd. Das besondere Studioambiente fasziniert die beiden. «Man merkt den Mitarbeitern ihre Liebe für ihren Beruf an.»

Auch Roman aus Winterthur verfolgt die analoge Aufnahmetechnik mit grosser Spannung – der qualitative Unterschied zur digitalen Technik sei für ihn riesig. «Ich habe eine Sammlung alter Revox-Geräte zu Hause», sagt er, «inzwischen habe ich mir selbst beigebracht, diese zu reparieren.» Er ist zum ersten Mal an diesem Anlass, für ihn stimmt heute das Gesamtpaket: «Ich mag die Musik und die Studioatmosphäre.»

Nach dem etwa zweistündigen Konzert können die Besucher bei einem Drink noch einen kurzen Schwatz mit den Künstlern halten, bevor diese wieder ins Berner Oberland zurückfahren und dort an einem neuen Album weiterarbeiten.

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