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So macht man sein Velo fit für die neue Saison

Hält Ihr Velo noch Winterschlaf? Ein Profi verrät, wie Sie es für die neue Bike-Saison in Schwung bekommen.

Mit voller Power in die neue Bike-Saison starten.

Foto: Karin Sigg

So macht man sein Velo fit für die neue Saison

Sei nett zu Deinem Velo

Ob als Sportgerät, zur Entspannung oder als Fortbewegungsmittel – unser Velo ist immer für uns da. Ein Experte erklärt, weshalb es sich lohnt, unserem Drahtesel Zuwendung zu schenken.

Morgens begleitet uns Vogelgezwitscher auf dem Weg zur Arbeit, mittags kitzeln die ersten wärmenden Sonnenstrahlen unsere Nasen. Mit dem Frühling erwacht in vielen die Lust, sich wieder in der Natur zu bewegen.

Schnell das Velo aus dem Keller holen, aufsteigen, und schon kann es losgehen. Doch der Drahtesel quietscht und knirscht bei jeder Umdrehung. Beim Passieren eines Randsteins wird klar, dass die Pneus dringend mehr Luft bräuchten.

Man sieht zwei alte Velos.
Diese Velos hätten schon längst etwas mehr Aufmerksamkeit verdient.

«Viele merken erst, wenn ihr Zweirad nicht mehr funktioniert, dass es Wartungsarbeiten nötig hätte», sagt Pascal Fornallaz. Er ist Geschäftsführer von Chälbli Bikes und Service in Uster. Das sechsköpfige Team des Velofachgeschäfts weiss, was ein Velo braucht, um seinem Fahrer möglichst lange Zeit treue Dienste erweisen zu können. Und das aus eigener Erfahrung: «Wir sind alle selbst aktive Radfahrer», erzählt er, «wir leben diese Leidenschaft und bringen deshalb das Verständnis und die Liebe zum Velo in unseren Beruf ein.»

Darauf kommts bei der Pflege an

Wer sein Zweirad pflegt und wartet, verlängert damit dessen Lebenserwartung gemäss Fornallaz massiv. «Die regelmässige Reinigung der Velokette hilft gegen Verschleiss.» Leichter Flugrost könne problemlos von der Kette abgeputzt werden, «doch wenn die Glieder sich nicht mehr gut bewegen, ist eine neue Velokette fällig».

Wird das Fahrrad im Winter regelmässig genutzt, sollte die Kette immer wieder von Streusalz befreit werden, da dieses Rost begünstigt. Ausserdem sollte der Drahtesel zwar an einem geschützten Ort, aber im Freien untergestellt werden, zum Beispiel unter einem Velodach. «Ständige Temperaturunterschiede zwischen dem warmen Velokeller und der Winterkälte verträgt die Kette sehr schlecht.»

«Für Velofreaks ist es eine Selbstverständlichkeit, ihr Sportgerät regelmässig zu hegen und zu pflegen.» Wem das nötige Fachwissen fehlt, der kann sein Zweirad auch für den «Frühlingsservice» in ein Fachgeschäft bringen. Allerdings muss, ähnlich wie beim Autoreifenwechsel im Frühling und Herbst, mit einem saisonalen Ansturm gerechnet werden.

Doch auch dafür hält der Profi einen Geheimtipp bereit: «Wer sein Velo in den Wintermonaten nicht braucht, bringt es am besten zwischen November und Februar in den Service. Dann ist das Velo im Frühling schon für die neue Saison parat, und längere Wartezeiten können umgangen werden.»

Die wichtigsten Punkte beim Frühlingscheck

Pneus aufpumpen.

Kette reinigen und schmieren.

Bremsen kontrollieren.

Überprüfen, ob keine Schrauben locker sind.

Beim E-Bike: Akku kontrollieren und aufladen. Wird ein E-Bike im Winter nicht gebraucht, sollte es idealerweise mit einem Akku-Ladestand von 60 bis 80 Prozent «weggestellt» werden. Ist der Ladestand vor der Pause zu tief, droht eine Tiefenentladung, und der Akku muss im Frühling unter Umständen erneuert werden.

Der Velohelm sollte alle vier bis fünf Jahre ausgewechselt werden, da der Kunststoff spröde wird durch Witterungseinflüsse und Schweiss.

Der Frühling ist zwar immer noch für viele der ideale Zeitpunkt, sich ein neues Velo anzuschaffen. «Doch seit Corona ist der Markt eher gesättigt.» Während der Pandemie hätten sich viele «Neueinsteiger» ein Velo gekauft. «Radfahren war eine der wenigen Möglichkeiten, Sport zu treiben.» Heute, da alle Sportarten und Reisen wieder erlaubt seien, verkauften viele «Corona-Velofahrer» ihren Drahtesel wieder: «Der Occasionshandel boomt.»

Erfahrene Velofahrer allerdings lassen sich von der Saisonalität nicht beeinflussen: «Sie richten sich danach, wenn neue Modelle auf den Markt kommen.» Denn im Gegensatz zu früheren Jahren würden die Hersteller das ganze Jahr über immer wieder Neuheiten herausbringen.

Nicht selten hätten Radsportler zwischen drei und fünf Velos zu Hause: das Rennvelo für Asphaltstrassen, das Gravelbike für verschiedene Untergrundarten, das Mountainbike für hügeliges Gelände und das E-Bike für die Bequemlichkeit auf längeren Strecken oder für den Weg zur Arbeit. Auch Fornallaz ist auf verschiedenen Geräten zu Hause. «Mir gefällt die Abwechslung», erzählt er begeistert.

Derzeit liegen gemäss Pascal Fornallaz immer noch motorisierte Velos im Trend, dieses Frühjahr besonders Rennvelos. «Wir haben viele ältere Kunden, die jahrelang mit ihrem Rennrad Touren gemacht und Pässe erklommen haben. Wenn sie mit fortschreitendem Alter in der Radgruppe nicht mehr mithalten können oder sich ihr Radius immer stärker einschränkt, ist ein E-Rennvelo die ideale Lösung.»

Man sieht ein Rennvelo mit Motor.
Rennvelos mit E-Motor sind gemäss dem Veloprofi gerade angesagt.

Auch wenn Pascal Fornallaz sich täglich um die Zweiräder seiner Kunden kümmert, hegt und pflegt er in seiner Freizeit seine eigenen Bikes trotzdem mit grosser Begeisterung. Nicht zuletzt auch aus Berufsstolz: «Es würde sehr inkompetent wirken, wenn ich meinen Kunden mit einem ungepflegten Velo begegnen würde», resümiert er schmunzelnd.

«Mit einem Velo ist es wie in einer Beziehung – es braucht Zuwendung und Aufmerksamkeit, dann gibt es uns sehr viel zurück.» Was macht denn für den Profi die Faszination am Velofahren aus? «Erlebnisse – allein oder in der Gruppe, Natur, Freiheit, den Kopf auslüften», beschreibt er. «Man kommt mit dem Velo so weit herum und erlebt die ganze landschaftliche Vielfalt, welche die Schweiz zu bieten hat.»

Man sieht ein lila Velo, das mit Pflanzen bewachsen ist.
Wer seinem Velo Aufmerksamkeit schenkt, wird viel zurückbekommen.

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