Fin strahlt dank alternativer Therapie wieder
Magie der Delfine
Weil Medikamente den Achtjährigen aus Rüti vor allem teilnahmslos werden lassen, setzen seine Eltern auf alternative Therapieformen. Dafür reisen sie um die Welt.
Seit er wenige Monate alt ist, leidet Fin Grossenbacher unter immer wiederkehrenden, starken Epilepsieanfällen. Der Junge hat das seltene West-Syndrom, welches ihn aktuell vor allem nachts mit Anfällen plagt. «In schlimmen Phasen hatte er bis zu 20 heftige Anfälle pro Nacht», erklärt Simon Grossenbacher, Fins Vater.
Medikamente sedierten den Jungen vor allem, und eine Verbesserung der epileptischen Anfälle konnte nicht festgestellt werden. Weil die Mittel der Schulmedizin bei Fin nicht anschlagen, gilt er als «austherapiert».
Nun setzen seine Eltern auf alternative Therapiemöglichkeiten, um die Anfälle zu lindern und die Bewegungsfreiheit des Achtjährigen zu fördern. Damit hatte Fin bereits mehrfach Erfolg. Was vor wenigen Jahren noch Traumvorstellung war, ist heute Realität: Der Achtjährige kann von allein aufsitzen und mit Unterstützung sogar laufen.
Fin ist verzaubert
Doch dafür ist ein stetiges Training unabdingbar. Dabei hat besonders eine Therapie einen fast magischen Einfluss auf den zierlichen Jungen: die Delfintherapie, für welche die Familie diesen Februar bereits zum dritten Mal nach Florida in die USA reiste. «Vor der Reise hatte Fin eher wieder eine schlechtere Phase mit mehreren epileptischen Anfällen pro Nacht», erzählt Tanja Grossenbacher.
Umso mehr freute sich die Familie auf den diesjährigen Trip nach Key Largo. Denn bereits aus den vergangenen zwei Besuchen war klar, Fin reagiert unmittelbar nach der ersten Therapiesitzung – und blüht auf. «Er war wie verzaubert – und lachte.
Das hatte er zuvor mehrere Monate nicht mehr getan», erzählt Simon Grossenbacher vom ersten Besuch bei den Delfinen im Jahr 2019. Doch nicht nur während der Therapie, sondern auch Wochen und Monate danach zeigten sich die Auswirkungen. Die epileptischen Anfälle verschwanden teilweise gänzlich oder wurden signifikant weniger.
Kurz nach ihrer Rückkehr von der diesjährigen Floridareise ist klar – Fin und die Delfine, das ist ein Match. «Vor dem Trip ging es ihm ja etwas schlechter. Die Therapie hat wieder einmal Wunder bewirkt», schwärmt Simon Grossenbacher.
Neue Wege sind teuer
«Wir haben schon immer nach neuen Wegen gesucht, Fins Epilepsie zu lindern», erklärt der Vater des Jungen. Dabei seien sie auf die Delfintherapie in Florida gestossen, wo bereits eine Schweizer Familie mit ähnlicher Geschichte zu Gast war. «Sie haben uns dann davon erzählt, und für uns war klar: Wir müssen das ausprobieren.»
Die Delfintherapie umfasst zweimal fünf Tage über zwei Wochen, an welchen mit Fin täglich für zwei Stunden trainiert wird. Die 20-minütige Intensivtherapie mit den Delfinen ist das Highlight des Tages – denn Fin geniesst die Zeit mit den Tieren sichtlich.

Während Simon und Tanja Grossenbacher zwar mehr als glücklich über die Entwicklung ihres Sohnes sind, hat die Therapie in Florida auch einen bitteren Beigeschmack, denn sie wird trotz nachhaltiger Erfolge nicht von der Krankenkasse oder der IV übernommen.
Um alternative Behandlungsmethoden wie diese ermöglichen zu können, hatte die Familie bereits im März 2019 zu Spenden aufgerufen – mit grossem Erfolg. Noch heute bezahlen sie damit Fins Anteil der Reise.
Hoppe hoppe Reiter
Die zwei Wochen in Florida sind schnell wieder vorbei, und Fin zurück im Rütner Alltag. Doch auch hier wird ständig trainiert – neben Therapiestunden in der Schule, wie Physiotherapie oder Ergotherapie, besucht Fin einmal die Woche die Hippotherapie.
Während er auf dem Pferderücken sitzt, wird dank der natürlichen Pferdeschrittbewegung Fins Rumpfstabilität gestärkt. «Ich arbeite seit dreieinhalb Jahren mit ihm», erklärt Simone Baumberger, ausgebildete Physiotherapeutin mit Zusatzausbildung in Hippotherapie.
«Anfangs sass ich gemeinsam mit Fin auf dem Pferd, weil er eine mangelnde Sitzstabilität aufwies.» Stehen sei nur mit viel Hilfe möglich gewesen, Treppensteigen war noch nicht möglich. «Jetzt kann Fin mit wenig Führungshilfe am Rumpf selbständig auf dem Pferd sitzen, mit wenig Hilfe stehen, an guten Tagen mit wenig Unterstützung gehen – und das Treppensteigen klappt auch immer besser.»
Die verbesserte Rumpfstabilität wirkt sich auch sehr positiv auf das Sitzen in Alltagssituationen wie das Essen aus.
Dass sich Fins Zustand stetig weiterentwickelt, freut nicht nur die Therapeutin, sondern vor allem Fins Eltern enorm. «Es gibt natürlich immer Rückschläge, der Epilepsie geschuldet. Aber Fin ist ein starker Junge, der Lust hat zu lernen», sagt Simon Grossenbacher.
Für die Zukunft wünsche er sich noch mehr Bewegungsfreiheit für seinen Jungen – um dessen Leben einfacher zu gestalten. «Das würde uns mehr Flexibilität ermöglichen, beispielsweise beim Reisen. Ich würde Fin gerne noch mehr von der Welt zeigen.»
