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Wenn sich Vater und Tochter gegenseitig inspirieren

Er knipst, sie pinselt: Zum ersten Mal sind die Werke des Vater-Tochter-Duos in Wildberg in einer gemeinsamen Ausstellung zu sehen.

Die Fotografien von Ueli Steffen sind häufig eine Inspirationsquelle für die Kunstmalerin Ilona Schulthess.

Foto: Karin Sigg

Wenn sich Vater und Tochter gegenseitig inspirieren

Gemälde, Zeichnungen und Fotografien

Schon lange treiben sich die Wetziker Ueli Steffen und Ilona Schulthess mit ihren Kunstwerken gegenseitig an. Nun haben sie den Schritt zu einer gemeinsamen Ausstellung in Wildberg gewagt.

Wer das grosse Gemälde beim Eingang zur Kapelle für einige Minuten intensiv betrachtet, wird aus dem Staunen nicht herauskommen. Im chaotischen Dickicht aus Blättern, Ästen, Zweigen und Bäumen sind immer wieder vereinzelte Lichtstrahlen zu entdecken. Sie scheinen das Bild multidimensional zu beleuchten. Und ziehen den Betrachter in ihren Bann – es fühlt sich an, als ob man plötzlich mitten im Dickicht steht.

Urheberin des Werks ist die Wetzikerin Ilona Schulthess. Die Inspiration dafür erhielt sie von Ueli Steffen, ihrem Vater. Er hielt die Abendstimmung im Kemptnertobel fotografisch fest. «Das abendliche Licht inmitten dieses Chaos war eine ganz besondere Stimmung», erklärt er begeistert, «das musste ich einfach ablichten.»

Man sieht Ueli Steffen und Ilona Schulthess vor einem Gemälde.
Vater und Tochter vor einem ihrer Lieblingswerke, dem «chaotischen» Kemptnertobel-Gemälde.

Besagtes Gemälde ist kein Einzelfall. «Die Naturfotografien meines Vaters inspirieren mich immer wieder dazu, Bilder zu malen», erklärt die Künstlerin. Sie bewege sich zwar auch selbst gerne draussen, etwa beim Wandern. Doch die fünffache Mutter ist froh, nicht selbst jeden Berg erklimmen zu müssen, um an neue Sujets zu kommen. «Ueli ist eine gute Bilderquelle für mich.»

Die Malerin

Von Kindesbeinen an sind das Zeichnen und das Malen ihre Passion. Aus diesem Grund entschied sich Ilona Steffen für die Ausbildung zur Grafikerin. Schon bald nach der Lehre konnte sich die inzwischen 45-Jährige selbständig machen. Um eine Auftragslücke zu überbrücken, fing sie an, für sich erste Bilder zu malen. «Bald war ich so fasziniert von dieser künstlerischen Ausdrucksweise, dass ich 2016 richtig durchstartete.» Sie probierte viele verschiedene Stile aus, bis sie sich für eine Richtung entschied, in die sie sich vertiefte.

Inzwischen macht das Malen einen grossen Teil ihrer Tätigkeit aus, Auftragsarbeiten und freie Arbeiten etwa zu gleichen Teilen. Zentrales Thema sind für sie Bäume und Wälder sowie das Spiel mit Licht und Schatten.

«Ich habe schon einige Bilder gemalt für Menschen, die an einer Depression leiden», erklärt die Künstlerin. Mit ihren Werken möchte sie den Betrachtenden Mut und Hoffnung geben. «Nach jeder dunklen Nacht erwartet uns wieder ein neuer Tag voller Lichtblicke.» Auch ihr starker Glaube an Gott widerspiegle sich in ihren Werken.

Der Fotograf

Der zehnfache Grossvater Ueli Steffen kann sich ein Leben ohne die Fotografie nicht mehr vorstellen. «Das älteste Bild in der aktuellen Ausstellung ist von 1975.» Der pensionierte Architekt fotografierte früher auch viel für berufliche Zwecke.

Der begeisterte Outdoor-Fan hat seine Kamera überall dabei – ob beim Klettern, Kanufahren, Biken oder beim Durchstreifen der Wiesen und Wälder. Auf diese Weise konnte er der Familie seine Kletterabenteuer schon früh in Dia-Shows zu Hause zeigen.

«Die Natur hatte schon immer einen sehr grossen Stellenwert in meinem Leben», erklärt der 71-Jährige. Er liebt es, das Spiel von Licht und Schatten einzufangen und mit Perspektiven und Makroaufnahmen zu experimentieren. Diese Leidenschaft widerspiegelt sich in seinen Fotografien.

Sind sich Vater und Tochter immer einig, wenn es um die Umsetzung der Werke geht? «Wir diskutieren natürlich sehr viel über unsere Arbeit», erzählt Ueli Steffen, «ich frage manchmal, wie naturalistisch die Bilder von Ilona sein sollen. Auch über die Farbstimmungen gibt es jeweils verschiedene Ansichten.» Doch insgesamt bezeichnen sie ihre Zusammenarbeit als bereichernd, die gemeinsame Liebe zur Natur verbindet.

Inzwischen haben die beiden gemerkt, dass sich ihre Arbeiten nicht nur inspirieren, sondern auch in einer Ausstellung ideal ergänzen. Ilona Schulthess stellte bereits einige Werke am Tag der offenen Ateliers 2022 oder an der Art Tour 2023 – beide fanden in Wetzikon statt – aus.

Jetzt haben sie den Schritt zur ersten gemeinsamen Ausstellung «Lichtblicke» gewagt, und zwar in der Oase Wildberg. Die Vernissage hat am Sonntag stattgefunden. Es sind Gemälde und Zeichnungen von Ilona Schulthess sowie Fotografien von Ueli Steffen zu sehen.

Für ihn ist die Ausstellung in Wildberg eine Premiere. «Noch kurz vor der Vernissage hatte ich plötzlich Bedenken, ob ich die richtige Bilderauswahl getroffen hatte», räumt er schmunzelnd ein. Dem Start der Ausstellung, die bis Mitte August dauert, haben dann aber beide Künstler freudig entgegengefiebert.

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