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Veloweggegner zeigen Präsenz – und sind wohl chancenlos

Mit Markierungen machen die Gegner des Velowegs zwischen Ettenhausen und Hinwil auf das Projekt aufmerksam. Doch der Kanton dürfte kaum einlenken.

Mit Markierungen entlang der Kantonsstrasse zwischen Ettenhausen und Hinwil machen die Veloweggegner auf die Auswirkungen des Projekts aufmerksam.

Foto: Simon Grässle

Veloweggegner zeigen Präsenz – und sind wohl chancenlos

Konflikt um kantonales Projekt

Auf verschiedenen Wegen bekämpfen die Gegner des Velowegs zwischen Ettenhausen und Hinwil das kantonale Millionenprojekt. Trotz den Aktionen dürfte das Unterfangen scheitern.

Autofahrenden zwischen Ettenhausen und Hinwil dürften die rätselhaften Markierungen entlang der Kantonsstrasse in den vergangenen Tagen bereits aufgefallen sein. Verantwortlich dafür sind die Initianten einer Petition, die sich gegen den geplanten Veloweg entlang der Strasse wehren. Mit den Markierungen wollen sie aufzeigen, wie viel Land das Kantonsprojekt zusätzlich vereinnahmen würde.

Es ist der nächste, gut sichtbare Schritt im Konflikt um den Bau des Velowegs. Die Baudirektion hatte die Pläne im vergangenen Juni öffentlich aufgelegt.

So sehen die Pläne des Kantons aus

Das Projekt sieht vor, die bestehende Veloweglücke zwischen Ettenhausen und der Erlosen-Kreuzung in Hinwil zu schliessen. Dieser Abschnitt ist im regionalen Richtplan eingetragen und Teil des kantonalen Velonetzplans. Darin ist die Strecke wiederum als Hauptverbindung klassiert. Entstehen sollen ein 3,5 bis 4 Meter breiter Veloweg und teilweise ein Grünstreifen von 1,5 Metern Breite.

Der kantonale Velonetzplan umfasst alle aus überkommunaler Sicht notwendigen Veloverbindungen. Bei der Ausarbeitung wurden drei verschiedene Hierarchiestufen festgesetzt. Diese sind in der Weisung Standards Veloverkehr festgehalten, die im Kanton Zürich per 1. März 2023 in Kraft getreten ist. Für kantonale Vorhaben sind die Standards verbindlich.

Die niedrigste Stufe im Velonetzplan sind die Nebenverbindungen. Sie stellen das Basisnetz dar.

Als zweite Stufe folgen die Hauptverbindungen. Diese Routen müssen möglichst direkt verlaufen und zügig befahrbar sein. Sie kommen an Stellen zum Zug, bei denen eine grosse Nachfrage oder ein grosses Potenzial besteht.

Gemeinsam mit den Hauptverbindungen bilden die Veloschnellrouten die wichtigsten Elemente des kantonalen Velonetzes. Sie sollen die wichtigsten Ziele verknüpfen und komfortabel, flüssig und sicher befahrbar sein. (lel)

Insgesamt gut 12,8 Millionen Franken sind für das Projekt offiziell veranschlagt, gemäss Baudirektion entfallen davon 6 Millionen auf den Veloweg. Hinzu kommen die Kosten für die Sanierung der Strasse sowie die Installation von Lichtsignalanlagen bei den Kreuzungen nach Erlosen und vor dem Hinwiler Burger King. Diese sollen den Schleichverkehr über Erlosen nach Wetzikon einschränken.

Teilweise sieht das Projekt auch die Verlegung der Strasse vor. So kann der Veloweg durchgehend auf einer Seite geführt werden, und der Wald im Bereich Bächelacker wird nicht tangiert. Der Wetziker Stadtrat hat erst kürzlich seine Unterstützung bestätigt. Als «zwingend» erachtet wird die Lückenschliessung des Velowegs auch von Pro Velo Kanton Zürich.

Das sind die Argumente der Veloweggegner

Auf wenig Gegenliebe stösst das Projekt in breiten Teilen der lokalen Bevölkerung. Eine Petition fordert die zuständige Regionalplanung Zürcher Oberland (RZO) und den Kantonsrat dazu auf, die Pläne zu beerdigen. Lanciert haben sie die Hinwiler und die Wetziker Ortssektion der EVP. Unterstützung erhält das Vorhaben von der SVP, der Mitte, der FDP und der EDU. Bereits 1485 Personen haben die Petition unterschrieben (Stand: 11. März 2024).

«Das Velowegprojekt hat keinen Mehrwert», findet der Wetziker EVP-Stadtparlamentarier Stefan Burch, der als Initiant der Petition auch hinter der Markierungsaktion steht.

Porträtfoto von Stefan Burch.
Der Wetziker Stadtparlamentarier Stefan Burch (EVP) will den geplanten Veloweg verhindern. (Archiv)

«Über die Bächelackerstrasse besteht bereits ein gleichwertiger Veloweg, der flüssig und ohne Hindernisse befahrbar ist», findet Burch. Auch nachts sei die Strasse genügend gut beleuchtet.

Die bestehende Strecke sei zwar tatsächlich etwas länger als die geplante Neubauroute. Allerdings seien unterwegs weniger Hindernisse wie Kreuzungen und Lichtsignale zu überwinden. Dadurch sei die effektive Fahrzeit von Ettenhausen ins Ortszentrum von Hinwil und weiter in Richtung Dürnten über beide Routenvarianten etwa gleich lang.

Seine Argumente unterstreicht Stefan Burch mit ausführlichen Analysen zu beiden Strecken, die dieser Redaktion vorliegen.

Das Geld kann man andernorts sinnvoller ausgeben.

Stefan Burch

Initiant Petition gegen Veloweg Ettenhausen–Hinwil

Rund 10’000 Quadratmeter Landwirtschaftsfläche würden durch das Projekt versiegelt sowie kommunale Naturschutzobjekte beschnitten. Das bestätigt die Baudirektion. Allerdings ist vorgesehen, die betroffenen Fruchtfolgeflächen zu kompensieren und Ersatzmassnahmen für schützenwerte Lebensräume zu treffen. Dennoch finden die Veloweggegner, die Neubauroute stelle einen zu grossen Eingriff in die Natur dar.

Für Burch, der selbst gern Velo fährt, steht fest: «Das Geld kann man andernorts sinnvoller ausgeben.» Im Oberland gebe es durchaus Handlungsbedarf. Als Beispiel nennt er auf der Hauptverbindungsroute zwischen Illnau und Dürnten Abschnitte in Fehraltorf oder Pfäffikon.

Direkt Einfluss nehmen auf die Pläne des Kantons können die Petenten nicht. Nur noch Direktbetroffene können Einsprache erheben bei der öffentlichen Auflage. Deren Zeitpunkt ist noch offen. Burch und seine Mitstreiter setzen darum auf den öffentlichen Druck auf die Regionalplanung Zürcher Oberland und den Kantonsrat.

So reagiert die Regionalplanung

Die Erfolgschancen der Petition sind gemäss dem zuständigen Regionalplaner Thomas Rubin gering. «Wir sind bei der Planung nicht frei. Die Grundlage ist der Velonetzplan des Kantons», sagt er. Dieser ist seit der Überführung in die regionalen Richtpläne für die Behörden verbindlich. «Auch wenn sich die Region gegen den Veloweg ausspricht, beisst man beim Kanton wohl auf Granit.» Daran dürfte auch der runde Tisch, zu dem das kantonale Tiefbauamt die RZO und die Petenten im April eingeladen hat, kaum etwas ändern.

Die Ausgangslage sei durch den Eintrag als Hauptverbindung im Velowegnetz klar: «Die Aufgabe des Hauptnetzes ist es, möglichst direkte und sichere Wege zu schaffen», sagt Rubin. Und diese Anforderungen erfülle die Alternativroute über die Bächelackelstrasse nicht. Diese sei lediglich für den Freizeitverkehr geeignet.

Unter dem Strich ist der neue Veloweg die beste Option.

Thomas Rubin

Regionalplaner Region Zürcher Oberland

Rubin verweist auf Ortsunkundige, die den Veloweg ebenfalls leicht finden sollten. «Lokal mag es ein unbedeutender Umweg sein, aber übergeordnet nicht.» Die Variante über die Bächelackerstrasse sei weniger intuitiv und eine lokale Ausschilderung keine Lösung. Er fordert grundsätzlich eine bessere Signalisation des Velowegnetzes vom Kanton.

Eine Verzweigung zwischen einer Kantonsstrasse und einer Nebenstrasse.
Verzweigung in Ettenhausen: Gemäss Regionalplaner Thomas Rubin ist die Alternativroute (links) weniger intuitiv als die geplante Velowegstrecke entlang der Kantonsstrasse (rechts).

Auf der bestehenden Route macht der Regionalplaner ausserdem Sicherheitsbedenken geltend. «Es kann gefährlich sein, wenn man auf der schmalen Bächelackerstrasse als Velofahrer einem Hindernis, etwa einem Traktor, begegnet.» Thomas Rubin hält darum fest: «Unter dem Strich ist der neue Veloweg die beste Option. Die RZO steht dem Gesamtprojekt nach wie vor positiv gegenüber.»

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