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Zürcher Wälder liefern zu wenig Holz

Das Holz im Kanton wird knapp. Deshalb empfiehlt die kantonale Baudirektion den Gemeinden nach Alternativen zu suchen.

Diese Holzschnitzel liegen im Sagi-Areal in Greifensee bereit. Doch sind sie aus der Region?

Foto: Eleanor Rutman

Zürcher Wälder liefern zu wenig Holz

Holz wird knapp

Im Zürcher Oberland sind Wärmeverbunde mit Holzenergie beliebt. Doch der Rohstoff ist ein begrenztes Gut. Die Betreiber suchen Alternativen.

Rafael Rohner und Eleanor Rutman

Heizen mit Holz hat in der Region Tradition. Der Wärmeverbund Unholz Wärme AG in Greifensee wird zum Beispiel schon seit 1994 betrieben und belieferte im Jahr 2018 Abnehmerinnen und Abnehmer mit fast sieben Gigawatt Wärme. Das kann man im Energiekonzept der Gemeinde Greifensee nachlesen.

In Rikon wirbt man seit den 1990er Jahren mit Holzheizungen. In der Gemeinde Zell wurde jüngst schon die dritte Holzheizzentrale eröffnet. «Das Brennmaterial Holzschnitzel ist quasi CO₂-neutral», sagte Emil Ott, Verwaltungsratspräsident der Holzenergie AG in Rikon, 2022 bei der Eröffnung. Wer mit Holz heize, mache sich nicht abhängig vom Ausland.

Blick in einen Holzschnitzelbunker.
Der Blick in einen Holzschnitzelbunker in der Heizzentrale Schöntal in Rikon.

Vor zwei Jahren hat auch der Wärmeverbund Uster seine Holzschnitzelanlage Uster Nord in Betrieb genommen. Seine Energiezentrale befindet sich im neuen Gebäude des Rettungsdiensts des Spitals Uster.

Das einleuchtende Erfolgsmodell also: Der nachwachsende Rohstoff aus den umliegenden Wäldern soll genutzt werden, die Wertschöpfung und damit das Geld sollen im Ort bleiben.

In den vergangenen Jahren hat das Konzept zusätzlich Schub erhalten, Klimadiskussion und Energieknappheit befeuerten die Nachfrage. Die Anlagen wurden vergrössert, zuletzt nahm in Bauma ein neuer Wärmeverbund den Betrieb auf. Gleichzeitig boomten private Cheminées.

Doch nun zeigt sich, dass das Potenzial für Brennholz aus einheimischen Wäldern im Kanton Zürich schon ausgeschöpft ist. Eine Potenzialstudie im Auftrag des Kantons und der Stadt Zürich kommt zum Schluss, dass kantonsweit bereits im Jahr 2021 mehr Energieholz verbrannt wurde, als die Ernte aus heimischen Wäldern hergab.

Oder anders ausgedrückt: Über den ganzen Kanton Zürich betrachtet, übersteigt die Nachfrage nach Energieholz das Angebot. Das bedeutet, es muss teilweise aus anderen Regionen herangefahren werden.

Holz sparen mit Wärmepumpen

Die kantonale Baudirektion empfiehlt den Zürcher Gemeinden deshalb, zu prüfen, ob für ihre bestehenden oder geplanten Wärmeverbunde in ihrer Region künftig genügend Holz vorhanden ist, wie Katharina Weber von der Medienstelle schreibt.

Zudem sollen sich die Zuständigen überlegen, wie sie ihre Wärmeverbunde optimieren können, um den Holzeinsatz zu reduzieren. Das sei beispielsweise möglich, indem zusätzlich Wärmepumpen eingesetzt würden. Diese liefern im Sommer die nötige Energie für das Warmwasser, ohne dass dafür Holz eingesetzt werden muss.

«Mit einer Wärmepumpe oder einer anderen Energiequelle haben wir uns noch nicht auseinandergesetzt», sagt Beat Unholz. Er ist Verwaltungsratspräsident der Unholz Wärme AG in Greifensee, die auf dem Sagi-Areal eine Holzschnitzelanlage betreibt. «Wir produzieren momentan jährlich acht bis zehn Millionen Kilowattstunden», sagt Unholz. Bei einer Vergrösserung des Betriebs werde aber über die Bücher gegangen, und Alternativen würden besprochen. Man wolle da auch prüfen, wie man mit Abwärme Strom produzieren könne.

In Uster und Greifensee reiche die Holzmenge

«Das Holz, welches wir beziehen, stammt aus Sägereien, Baustellenrodungen und aus Wald und Flur», sagt Unholz. 20 Prozent des Holzes stammten aus der Region, die anderen 80 Prozent würden hingegen in anderen Kantonen der Schweiz bezogen, wie zum Beispiel im Aargau, im Thurgau oder aus der Region St. Gallen. Bei der Unholz AG arbeitet man mit Forstunternehmen und Gartenbetrieben zusammen. Man verwendet Restholz, das bei Schnitten entlang von Strassen oder beim Stutzen von Baumkronen anfällt.

Beim Wärmeverbund Uster klingt es ähnlich: «Für unsere Holzschnitzelanlage nutzen wir Wald- und Industrierestholz oder Flurholz, welches aus FSC-zertifizierter Waldwirtschaft stammt», sagt Philippe Joss. Er ist der Bereichsleiter Vertrieb Energie Wasser der Energie Uster AG. Die Abkürzung FSC steht für «Forest Stewardship Council». Dies ist ein internationales Zertifizierungssystem für nachhaltigere Waldwirtschaft.

«Unser Holz kommt aus der Region Uster, entsprechend sind langjährige Verträge vorhanden», sagt Joss. Es werde kein Holz bezogen, welches auch für Bretter oder Balken verwendet werden könne.

Bisher sei es für die Energie Uster AG nie ein Problem gewesen, Holz aus der Region zu beziehen, sagt Joss. Das sei für sie wichtig, denn bei langen Transportwegen sähen die CO₂- und die Umweltbilanz schlechter aus.

Dennoch prüft die Energie Uster AG auch Alternativen zu Holzschnitzelheizungen. «Im Zentrum von Uster wird ein Anergiewärmeverbund realisiert», sagt Joss. Dieser nutzt die Abwärme von Gewerbegebäuden mittels Wärmepumpen.

Zwei Gebäudekomplexe wurden bereits im vergangenen Jahr an das Anergienetz angeschlossen: die Residenz Stadtpark und das Schulhaus Pünt. Eine Erweiterung des Fernwärmenetzes und der Anschluss von weiteren Liegenschaften in angrenzenden Gebieten seien bereits im Bau.

Die Residenz Stadtpark in Uster.
Die Residenz Stadtpark in Uster wird mit Abwärme von Gewerbegebäuden beheizt.

Das sei der grosse Vorteil von Wärmeverbunden: So könnten diese im wärmeren Halbjahr die überschüssige Abwärme über das Anergienetz in die Erdsonden ans Erdreich abgeben. Im Winter hingegen, wenn es mehr Wärmeenergie in den Liegenschaften brauche, könne man die im Boden gespeicherte Energie via Anergienetz von dort ziehen und mittels Wärmepumpen zum Heizen von Liegenschaften nutzen.

Abwärme statt Holz nutzen

Andere Wärmeverbunde machen sich derzeit ähnliche Überlegungen. Oder es werden bereits geplante Anlagen nochmals neu konzipiert. So geschehen in Illnau-Effretikon. Die Stadt und der Energie-Contractor Energie 360° gehen beim Wärmeverbund in den Quartieren Vogelbuck und Watt in Effretikon aufgrund der Holzknappheit über die Bücher. Man will dort neuerdings mehr Wärme aus Abwasser gewinnen statt aus Holz, was zusätzliche Abklärungen nötig macht und das Projekt verzögert.

«Die benötigte erneuerbare Strommenge für die Wärmepumpen muss selbstverständlich auch bereitgestellt werden», sagt Joss. Entsprechend realisierte die Energie Uster AG neben den Anergienetzen mit Abwärmenutzung auch laufend grössere Photovoltaikanlagen auf Usters öffentlichen Dächern.

So etwa auf dem Dach des Hallenbads, der angrenzenden Sporthalle oder am Strandbadweg und auf der Reithalle. Per Mausklick können die Interessierten online überprüfen, wie viel Energie auf den Dächern produziert wird. «Weitere Photovoltaikanlagen sind bereits in Planung», sagt Joss.

Auf kleine Öfen verzichten

Auch Viktor Haefeli, Verwaltungsratspräsident von Zürich Holz, weist darauf hin, dass Holz als Ressource limitiert ist. Die Firma mit Sitz in Illnau-Effretikon setzt sich für Zürcher Waldbesitzer für den Verkauf sämtlicher Waldholzprodukte ein.

Trotz der Situation mit dem knappen Rohstoff ist Haefeli der Meinung, dass neue Holzheizkraftwerke weiterhin Platz haben müssten. «Sie sollten aber industriell und effizient Energie in Form von Strom und Wärme erzeugen.» Kleinere Holzfeuerungen seien hingegen weniger geeignet, da sie mehr Emissionen verursachen und die Energie weniger effizient nutzen würden, sagt Haefeli.

Keine Förderung mehr

Der Kanton hat bereits auf die Entwicklung reagiert und die Förderung von Holzheizungen per 2022 eingestellt. In der Regel gebe es für einzelne Häuser Alternativen, schreibt Katharina Weber von der Baudirektion und nennt als Beispiel Wärmepumpen. Wer sein Gebäude jedoch an einen Holz-Wärmeverbund anschliesst, der erhält dafür weiterhin einen Förderbeitrag.

Nicht sinnvoll ist es laut Fachleuten, einfach mehr Brennholz aus den Wäldern zu holen oder auch Bauholz zu verfeuern. Dies nicht zuletzt deshalb, weil dafür der Zuwachs im Wald zu gering ist und der Wald auch andere Funktionen zu erfüllen hat. So dient er etwa der Bevölkerung zur Erholung, schützt vor Naturgefahren oder bietet Tieren und Pflanzen Lebensräume.

Wobei die Biodiversität nur in einem kleinen Teil der Schweizer Wälder erste Priorität hat. Ende 2019 waren gemäss Bund schweizweit 6,5 Prozent der Waldfläche als Waldreservate ausgewiesen. Bis 2030 sollen es aber mehr werden, nämlich 10 Prozent der Fläche.

Regionale Unterschiede

Kommt hinzu, dass das Holzangebot über den ganzen Kanton gesehen zwar knapp ist, es aber grosse regionale Unterschiede gibt. Das Holz für die kürzlich eröffnete Heizzentrale Altlandenberg im Tösstal stammt praktisch ausschliesslich aus dem Gemeindegebiet von Bauma. Und in den steilen, abgelegenen Wäldern gibt es gemäss Mitteilung der Betreiber dort noch Holzpotenzial für weitere solche Projekte.

Auch Viktor Haefeli von Zürich Holz antwortet auf die Frage, ob sie derzeit weitere Anlagen im Kanton mit heimischem Holz beliefern könnten, kurz und knapp mit «Ja».

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