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Rollstuhlbus spürt neuen Fahrtenanbieter kaum

Tixi drängt ins Zürcher Oberland. Der Verein Rollstuhlbus Zürcher Oberland nimmt die neue Konkurrenz gelassen.

Der Verein Rollstuhlbus Zürcher Oberland – hier Fahrer Tony Merz, der Manuela Hauser aus Illnau begleitet – ist seit 1981 tätig.

Foto: Nicolas Zonvi

Rollstuhlbus spürt neuen Fahrtenanbieter kaum

Behindertentransporte im Oberland

Der Oberländer Verein Rollstuhlbus ist über die Expansion von Tixi in sein Kerngebiet nicht erfreut. Doch er arrangiert sich mit der neuen Situation.

Tixi fährt Leute, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, fast im ganzen Kanton Zürich zu günstigen Tarifen von daheim zum gewünschten Zielort. Das «fast» wird bald noch kleiner, denn jetzt können auch behinderte Leute aus Hinwil und bald auch aus Wetzikon und Umgebung den Fahrdienst nutzen.

Oberländer Verein seit 1981

In diesem Gebiet ist der Verein Rollstuhlbus Zürcher Oberland schon seit 1981 tätig. Er versucht seither, mobilitätseingeschränkten Menschen ein wenig Freiheit zurückzugeben. Dank dem Fahrdienst können diese Anlässe besuchen, bei Bekannten vorbeischauen, Einkäufe erledigen oder Arzt- und Therapiebesuche machen.

Im letzten Jahr transportierten die rund 30 freiwilligen Fahrer mit den drei Rollstuhlbussen auf rund 3400 Fahrten 4430 Personen. Dabei legten sie um die 82’000 Kilometer zurück. Gegenüber den Vor-Corona-Jahren ist damit die Zahl der Transportierten um rund 1000 zurückgegangen. 

Keine Angst um Kundschaft

«Erfreut sind wir nicht», meint Rollstuhlbus-Präsident Karl Rütsche über die neue Konkurrenz. Doch er schiebt nach: «Um unsere guten Kunden müssen wir aber keine Angst haben.» Dazu gehören verschiedene Alters- und Pflegeheime. Mit deren Bewohnern führt der Verein Ausflüge durch, etwa in den Zoo. Auch Kirchenfahrten oder der «Postibus» sind beliebt.

Drei Autos stehen nebeneinander.
Der Fahrzeugpark des Vereins Rollstuhlbus Zürcher Oberland umfasst neben zwei kleineren Bussen einen geräumigen Transporter, der bis zu vier Rollstuhlfahrer aufnehmen kann.

Im Unterschied zu Tixi hat der Oberländer Verein einen rollenden Joker: einen geräumigen Fiat Ducato. Wie Rütsche ausführt, finden darin theoretisch vier Rollstuhlfahrer Platz. «In der Praxis sind es zwei», meint er. Anstelle von Rollstühlen können auch bis zu acht Leute, die nicht mehr gut zu Fuss sind, aufgenommen werden. 

Mitgliedschaft nicht notwendig

Als Vorteil gegenüber Tixi taxiert Rütsche auch den Umstand, dass für eine Fahrt mit dem Rollstuhlbus keine Mitgliedschaft im Verein notwendig ist. Wer jedoch dabei ist, profitiert von einer zehnprozentigen Reduktion des – verglichen mit den Tarifen der kommerziellen Taxis – ohnehin schon günstigen Fahrtpreises.

Bei Tixi müssen die Transportwilligen eine einmalige Mitgliedergebühr von 100 Franken bezahlen. Gefahren werden aber nur Leute, die in ihrer Mobilität dauerhaft eingeschränkt sind und die den öffentlichen Verkehr nicht ohne Unterstützung nutzen können.

Keine Fahrten gibt es, wo deren Kosten von der Invalidenversicherung, der Krankenkasse, der Suva oder anderen Kostenträgern übernommen werden. Denn mit 14 Franken für eine Fahrt in ein oder zwei ZVV-Zonen und 6 Franken pro zusätzliche Zone ist der Transport ebenfalls sehr preiswert.

Genug Nachfrage für zwei Anbieter

Der Rollstuhlbus-Präsident ist sich bewusst, dass ihre Kapazität mit nur drei Fahrzeugen schnell einmal an Grenzen stösst und deshalb nicht alle Nachfragen befriedigt werden können. So besteht schon seit Jahren eine stillschweigende Vereinbarung mit Tixi Rapperswil, dass Kunden bei Engpässen auch mal an den anderen Dienst verwiesen werden.

Und trotz der neuen Konkurrenz, von der er erst kurzfristig bei einem jüngst erfolgten Besuch bei Tixi Zürich erfuhr, ist Rütsche überzeugt: «Es braucht ergänzend beide Dienste.» Denn die Nachfrage nach Fahrten ist da. «Das zusätzliche Angebot werden wir in unseren Zahlen gar nicht merken», ist er überzeugt.

Auch Regina Elzenbeck, Kommunikationsverantwortliche von Tixi Zürich, ist sich sicher, dass die Nachfrage so gross ist, dass es beide Organisationen braucht. Tixi-Geschäftsleiterin Petra Furrer sagt dazu: «Die Region ist massiv unterversorgt mit Fahrdiensten für Menschen mit Behinderung. Von zwei Anbietern profitieren deshalb alle.»

Kooperation bei Ausbildung

Laut Elzenbeck zeigt ihre Erfahrung zudem, dass viele mobilitätseingeschränkte Menschen mehrere Fahrdienste nutzen. So würden einige ihrer Fahrgäste etwa vom Rotkreuz-Fahrdienst zu Arztterminen gebracht, für Freizeitfahrten nutzten sie aber dann Tixi. «Im Markt herrscht eher Kooperation als Konkurrenz, zum Wohle unserer Fahrgäste.»

Eine Rollstuhlfahrerin rollt in ein Auto.
Das Wohl der Fahrgäste steht beim Rollstuhlbus Zürcher Oberland zuoberst. Hier begleitet Fahrer Tony Merz die Kundin Manuela Hauser ins Fahrzeug.

Und eine solche Kooperation wird es künftig auch zwischen dem Verein Rollstuhlbus Zürcher Oberland und Tixi Zürich geben. Anlässlich des Besuchs von Rütsche und weiteren Rollstuhlbus-Vertretern bei Tixi wurde vereinbart, dass die beiden Organisationen insbesondere beim Thema Schulungen für die Fahrerinnen und Fahrer, etwa in Form von Fahrsicherheitskursen, zukünftig eng zusammenarbeiten werden.

Ausserdem hat sich Tixi bereit erklärt, Fahrten zu übernehmen, die vom Rollstuhlbus aus Kapazitätsgründen abgesagt werden müssen – sofern der Gast bei ihnen Mitglied oder Pro-Mobil-berechtigt ist.  

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