Jetzt wird der neue Dorfchindsgi von Weisslingen gebaut
Spatenstich im Schmittenacher
Was vor 13 Jahren von Kindergärtnerinnen an die Weisslinger Primarschulpflege herangetragen wurde, wird nun endlich umgesetzt: ein neuer Kindergarten.
Es habe sich gelohnt, 2019 die Ärmel noch einmal hochzukrempeln, sagt Pascal Martin (SVP), der Gemeindepräsident von Weisslingen, und fügt ein feierliches Zitat an: «Stein und Mörtel bauen ein Haus. Geist und Seele schmücken es aus.» Er wisse leider nicht, von wem das Zitat stamme. Aber das spielt an diesem Nachmittag auch keine Rolle. «Gehen wir zum Fotoshooting über», schlägt er vor, und alle lachen.
Man spürt, die Verantwortlichen sind froh, dass das Projekt nun realisiert wird: Nach neunjähriger Planungsphase wird der Dorfchindsgi nun konkret. Auf dem Gelände im Schmittenacher ist am Dienstagnachmittag der Spatenstich für das 4,5 Millionen Franken teure Projekt erfolgt.
Einen langen Atem haben
Nach einer Rückweisung des Projektkredits an der Gemeindeversammlung im Winter 2016 nahm die Idee des Baus erst Mitte 2019 wieder Fahrt auf.
Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger hatten dem Projekt im September 2022 an der Urne zugestimmt. Insgesamt sollen ungefähr 60 Kinder künftig im Schmittenacher in den Chindsgi gehen können.
Das mit der neunjährigen Planungsphase stimme nur bedingt, sagt Schulpräsidentin Marianne Bachofner (SVP) im Anschluss. Denn genau genommen waren es 13 Jahre.
Damals wurde die Vision von Kindergärtnerinnen und Lehrpersonen an die Schulpflege herangetragen. «Man wünschte sich mehr Platz zum Unterrichten, aber auch die Nähe zu den grösseren Einrichtungen wie dem Hallenbad oder zu den Räumen der Psychomotorik oder Logopädie.»
Alles an einem Ort zu haben, mache den Unterricht etwas einheitlicher und sei weniger unruhig für die Lehrpersonen. «Ja, der Kindergartenunterricht hat sich eben verändert», fügt der Gemeindepräsident an. «Heute werden Kinder, die zum Beispiel ein S nicht sagen können, viel früher in die Logopädie geschickt.»
Wie in der Primarschule gebe es auch viel häufiger Klassenassistenzen, die den Kindern helfen würden. «Das alles braucht Platz», sagt Bachofner. Das mache die Wege für die Kinder natürlich weiter. «Für die Aussenwachten gibt es selbstverständlich Schulbusse.»
Die Schulpräsidentin ist stolz, dass sie von Anfang an dabei war und das Projekt begleiten durfte. «Jetzt freue ich mich riesig auf den Neubau», sagt sie.
Der aus zwei Gebäuden bestehende filigrane Holzbau kommt neben dem bestehenden Kindergarten Schmittenacher zu stehen. Dadurch erhofft sich die Gemeinde eine flexiblere Klasseneinteilung sowie einen einfacheren Austausch für die Lehrerschaft.
Das Architekturbüro Lattmann aus Winterthur hat sich dazu viele Gedanken gemacht. Als einziges Büro hat es im Wettbewerb das Gebäude an der leichten Hanglage geplant, um die Spielwiese unterhalb des Baus ganz fürs Spielen zu behalten. Zudem haben die drei Klasseneinheiten separate Eingänge. «Somit bleibt es familiärer für die Kinder», sagt Mathias Lattmann, der das Architekturbüro gemeinsam mit seinem Vater betreibt.
Am Spatenstich sind auch Kinder mit dabei. Ein Mädchen ist jetzt im Kindergarten. «Wenn das Haus fertig ist, werde ich aber schon in die Schule gehen», sagt es selbstbewusst durch seine Zahnlücke hindurch. Auch ein Junge besucht aktuell den ersten Chindsgi. Als er die Visualisierung des Kindergartens sieht, sagt er: «Wow, da möchte ich dann aber auch einmal spielen.»
Der Bau soll schon Ende Jahr beendet und im Frühling 2025 bezugsbereit sein. Bis dahin besuchen die Kindergärtler die bestehenden Kindergärten Burg, Hintergasse und Theilingen. Diese werden geschlossen, sobald der Neubau steht.
Um den neuen Dorfkindergarten zu finanzieren, hat die Gemeinde die bisherigen drei Kindergärten sowie das Schulhaus Neschwil zum Verkauf ausgeschrieben. Voraussichtlich noch bis im April können Interessierte mitbieten. Gleichzeitig sollen durch diesen Schritt die Schulden der Gemeinde reduziert werden.
«Irgendwann fällt dann auch die Renovation unseres 40-jährigen Hallenbads an», sagt Gemeindepräsident Martin. Wenn er heute daran denke, dann werde es ihm jetzt schon etwas mulmig. Dafür habe Weisslingen momentan noch kein Geld.