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Bauernproteste haben das Oberland erreicht

Inzwischen sind die Bauernproteste auch im Oberland angekommen. Doch sie haben noch Steigerungspotenzial.

Die Bauernproteste sind im Zürcher Oberland angekommen. Mitten in Hinwil.

Fotos: Simon Grässle

Bauernproteste haben das Oberland erreicht

Noch blieb der Ansturm aus

Zehn Traktoren standen gestern Abend auf der Brücke zum Hinwiler Armeelogistikzentrum. Mit einem Banner und Scheinwerferlicht wollten sich Oberländer Bauern sichtbar machen.

Am Freitagabend kurz vor halb acht ist im Februar nicht viel los in Hinwil. In der Pirates Musicbar sitzen einige Gäste, der grosse Parkplatz vor der Brücke zum Armeelogistikzentrum ist praktisch leer. Schwer vorstellbar, dass hier in wenigen Minuten ein Bauernprotest stattfinden soll.

In den sozialen Medien machten vor rund zwei Tagen einige umtriebige Oberländer auf diese Aktion aufmerksam. Wer die Krawalle in unseren Nachbarländern gesehen hat, dem schwant nichts Gutes.

Da nähern sich drei Traktoren. Ihre Fahrer lenken sie zur Brücke und platzieren sie an prominenter Stelle. Die Scheinwerfer werden so platziert, dass die Fahrzeuge auch von der unter der Brücke befindlichen Winterthurerstrasse aus wahrgenommen werden.

Es macht den Eindruck, als ob es bei drei Traktoren bleiben würde. «Hoffentlich chömed no meh», hört man ein paar Fussgänger beim Vorbeigehen murmeln.

Einige Minuten und ein Hupkonzert später rollen auf der Winterthurerstrasse mehrere weitere Traktoren an. Ehe man sich’s versieht, stehen zehn landwirtschaftliche Fahrzeuge in Reih und Glied.

Die Fahrer und ihre Beifahrer begrüssen sich, es bilden sich fröhlich diskutierende Gruppen. Einige Frauen und Kinder bieten Punsch, Sandwiches und Kuchen an. Es wirkt wie ein Treffen unter Freunden.

Ein junger Mann aus Wetzikon ist mit dem Traktor vom elterlichen Hof angereist. Er möchte den Betrieb einst übernehmen, «doch die Landwirtschaft hat keine Zukunft, wenn das so weitergeht. Bauern müssen besser bezahlt werden», ist er überzeugt. Ausserdem befürchtet er, dass durch die starke Renaturierung der Landschaft die Böden schlechter bewirtschaftet werden können.

Marcel Hotz hat eine Landmaschinenwerkstatt im Tösstal und war sehr spontan bereit, bei der Aktion mitzumachen: «Eine halbe Stunde, nachdem ich angerufen wurde, machte ich mich auf den Weg.» Obschon er sich als Hobby-Landwirt bezeichnet, möchte er die Landwirtschaft unterstützen: «Die Preise müssen sich verändern, sonst gibt es bald keine Bauern mehr.»

Die Initiantin

Christa Urech vor dem Eingang zum Militärfahrzeug-Park.
Christa Urech vor dem Eingang zum Militärfahrzeug-Park.

Christa Urech ist eine der treibenden Kräfte hinter dem ersten Oberländer Bauernprotest. Obschon sie nicht in der Landwirtschaft tätig ist, möchte sie die Bauern solidarisch unterstützen. «Ich engagiere mich schon länger für die Bürgerrechtsbewegung. Speziell für unsere Grundrechte, die in der Verfassung garantiert und uns während Corona genommen wurden.»

Angesprochen auf die bescheidene Anzahl der sich beteiligenden Bauern kündigt die Fahrlehrerin aus Wetzikon an, dass noch weitere Protestaktionen folgen würden, «heute ist erst der Anfang.» Sie hofft, dass sich bei weiteren Aktionen noch mehr Leute beteiligen: «Viele haben Angst vor Sanktionen. Ich finde es toll, dass heute überhaupt so viele gekommen sind.» Der Zeitpunkt für eine Protestaktion im Dunkeln bei einem eher geringen Verkehrsaufkommen sei zugegebenermassen nicht ideal, das würde bei einer nächsten Aktion besser gewählt. Weshalb die Schweiz erst jetzt protestiert, nachdem unsere Nachbarsländern schon längst mit diesem Thema beschäftigt sind? «Die Schweiz ist halt immer etwas hintendrein.»

Er teilte die Idee und machte sie beliebt

Stefan Kaufmann
Gemäss Stefan Kaufmann sind die Oberländer Proteste unabhängig von den offiziellen Verbänden, sollen deren Anliegen aber Gewicht geben.

Stefan Kaufmann, der ehemalige Fraktionschef der Wetziker SVP, beteiligte sich ebenfalls an der Organisation des Bauernprotests. «Wir wollen mit dieser Aktion auf uns aufmerksam machen», erklärt er die Beweggründe. «Ausserdem unterstützen wir damit den Bauernverband bei seiner eingereichten Petition.» In dieser ginge es um eine Verbesserung der Bedingungen für die Schweizer Bauern: Nicht auf Kosten der Bauernfamilien zu sparen, die Auflagen in der Landwirtschaft nicht stetig zu steigern und die administrative Belastung entweder zu senken, oder die Entschädigungen zu erhöhen.

Weshalb suchten sich die protestierenden Bauern nicht eine stärker frequentierte Strasse für ihre Aktion, wie in unseren Nachbarländern, die teilweise ganze Strassen blockierten? «Wir wollen die Bevölkerung nicht verärgern, sondern nur aufrütteln und auf unsere Anliegen aufmerksam machen», erklärt der Wetziker Rindermast- und Ackerbauer. «Dass wir alles umstossen können, ist eine Illusion», gibt er zu, «doch wir setzen uns dafür ein, die Situation verbessern zu können.»

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