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Der Bachtel war seine Leidenschaft

Wann immer er konnte, wanderte Alfred Künzler auf den Hinwiler Hausberg. Über 2500 Mal stand er ganz zuoberst.

Über 2500 Mal wanderte Bachtelfredi auf den Hinwiler Hausberg. (Archiv)

Foto: Lea Ernst

Der Bachtel war seine Leidenschaft

Nachruf auf Bachtelfredi

Insgesamt 2545 Mal wanderte Bachtelfredi auf seinen Lieblingsberg. Mitte Januar ist der Walder Alfred Künzler überraschend verstorben.

Aktiv war Alfred Künzler schon immer. Er war Leichtathlet, fuhr Kanu, bretterte auf den Ski die Piste hinunter. In den letzten Jahren ist der Walder aber vor allem leidenschaftlich gern gewandert. Tausende Berge hat er in seinem Leben bestiegen. Und einer hatte es ihm dabei besonders angetan: der Bachtel.

Morgens um 3.30 Uhr stand Künzler jeweils auf. Jeden Tag, bei jedem Wetter. Noch in der Dunkelheit machte er sich von seiner Wohnung aus auf den Weg, hoch auf den Berg. Und das nicht nur einmal. Bis zu dreimal pro Tag bestieg der pensionierte Plattenleger den Hinwiler Hausberg. «Der Bachtel war ein magischer Punkt für meinen Vater», erzählt seine Tochter in einem Telefongespräch.

Unterwegs als Bachtelfredi

Ein Motorradunfall durchkreuzte einst die Leichtathletik-Ambitionen von Alfred Künzler. Aufhalten liess er sich davon aber nicht. «Er besass einen extrem starken Willen», beschreibt ihn seine Tochter. Und er setzte sich stets Ziele. Manchmal sei er sogar auch etwas stur, vor allem aber pünktlich und zuverlässig gewesen.

Über seine Wanderungen führte Künzler stets akribisch Buch. Vor zwei Jahren knackte er am Bachtel die 1000er-Marke, Anfang letztes Jahr waren es schon 2000 Aufstiege. 3000 Aufstiege hatte er sich als nächstes Ziel gesetzt.

Nebenbei verfolgte er ein weiteres Ziel: eine Million Höhenmeter. Dafür trug er seine Wanderungen jeweils in ein Online-Tool ein, das allerdings letztes Jahr deaktiviert wurde. Da hatte er bereits einen grossen Abstand zu all seinen Verfolgern.

Wanderfreude in die Wiege gelegt

Seine privaten Statistiken führte Künzler auch nachher weiter. Ob im Sport oder im privaten Leben: «Wenn er etwas machte, dann mit 150 Prozent Einsatz», erzählt seine Tochter. Bei jeder Gelegenheit seine Wanderstöcke zu packen und loszuziehen, bedeutete für ihn pure Freiheit.

Die Wanderfreude war ihm sozusagen in die Wiege gelegt worden: Seine Eltern hatten sich auf einer SAC-Hütte kennengelernt. Auch seine Kinder waren immer in den Bergen unterwegs, auch auf dem Bachtel. «Aber ein- oder zweimal im Jahr reichte uns», sagt seine Tochter und lacht. «Ich fand das damals nicht so cool.»

Ganz besonders reizten Bachtelfredi, wie er sich selbst nannte, die Aufstiege am frühen Morgen. «Es ist jedes Mal eindrücklich, wie still es so früh ist», beschrieb er die morgendliche Atmosphäre. «Wenn die Sonne über dem Oberland aufgeht, ist die Stimmung magisch.» Dann zückte er jeweils sein Handy und teilte die faszinierenden Naturbilder in seinem Whatsapp-Status. «Er hat jeden Tag die schönsten Sonnenaufgänge gepostet», erzählt seine Tochter.

2545 Aufstiege auf den Bachtel

Im letzten Jahr musste sich Alfred Künzler für zwei Wochen von «seinem» Bachtel trennen: Er besuchte seine zweite Tochter, die vor 23 Jahren nach Kanada ausgewandert ist. Aber auch da fand er bald einen Berg, auf dem er nach schönen Fotomotiven suchen konnte.

Am 16. Januar brach Bachtelfredi wie gewohnt zu seinen Wanderungen auf. Zweimal stand er an jenem Tag zuoberst auf dem Berg. Doch der insgesamt 2545. Aufstieg sollte auch der letzte sein.

Am selben Abend verstarb Alfred Künzler überraschend im Alter von 67 Jahren. «Wenn man so sterben kann, ist es am schönsten», hatte er noch eine Woche vorher gesagt.

Ohne Vorwarnung schied er mitten aus dem Leben. Die letzten Bilder, die er geteilt hatte, zeigten einen wunderschönen Sonnenaufgang über dem schneebedeckten Zürcher Oberland.

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