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Wenn das Neinhorn lieber im Schlamm spielt statt im rosa Herzwald

Bei der letzten Saison des «Kufki Uster» sorgte das eigenwillige «Neinhorn» für leuchtende Kinderaugen und schmunzelnde Erwachsene.

Die verschieden grossen Buchstaben dienten als Kulisse, Spielfläche und Requisite.

Foto: Karin Sigg

Wenn das Neinhorn lieber im Schlamm spielt statt im rosa Herzwald

Grossandrang im Ustermer Kindertheater

Das berühmt-berüchtigte Neinhorn machte mit dem Figurentheater Winterthur halt im Ustermer Kufki. Und bescherte Organisator René Krebs zum Abschied rund 200 begeisterte Zuschauer.

Aus allen Richtungen hüpften kleinere und grössere Kinder, gefolgt von ihren Eltern oder Grosseltern, Richtung Schulanlage Pünt. In Uster stand vergangenen Sonntag eine Theatervorführung des Kindertheaters Kultur für Kinder (Kufki) auf dem Programm.

Die 30. Saison des Kufki ist zugleich die letzte von Initiant und Theaterleiter René Krebs.

Freudig-aufgeregt rutschten die kleinen Zuschauer auf ihren Plätzen herum. Zu diesem Zeitpunkt schien es unvorstellbar, dass sie sich eine Stunde lang auf eine Theateraufführung würden konzentrieren können.

Doch die Betrachterin würde eines Besseren belehrt werden. Denn kaum hatten die beiden Schauspieler des Figurentheaters Winterthur die ersten Sätze gesprochen, hingen ihnen die rund 200 Augenpaare gebannt an den Lippen.

Die Figurenspieler Patricia Sauter und Dave Hefti erzählten, spielten und sangen sich in die Herzen der kleinen und grossen Zuschauer. Ihre Mundartfassung nach dem deutschen Kinderbuchklassiker «Das Neinhorn» von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn wirkte spontan und ungezwungen. Mit viel Wortwitz konnten sie den Charme der eigenwilligen Protagonisten vermitteln.

Mittels stapelbarer Buchstaben aus Karton untermalten sie die Szenen. Das fing schon damit an, dass Dave Hefti seiner Kollegin Patricia Sauter den Buchstaben A zuwarf – «chasch A-fange». Oder wenn die beiden mithilfe der Buchstaben «Weg» schrieben und das Neinhorn und den Was-Bär darauf setzten: «Sie sind auf dem Weg.»

Bei der Rollenbesetzung der «Königs-doch-ter» wurde auch noch die Genderfrage behandelt. Als Frau hielt sich Patricia Sauter als prädestiniert für diese Rolle. Doch Dave Hefti schnappte sich seine Favoritenrolle. Nicht nur, weil er glitzernde Regenbogen-Haarspangen trug, sondern auch noch eine Prinzessinnenkrone.

Man sieht zwei Schauspieler des Figurentheaters Winterthur mit dem Neinhorn und seinen Freunden.
«Weshalb soll ich als Mann nicht auch die ‹Königs-doch-ter› spielen können?»

Die Spielfreude der beiden Schauspieler war deutlich spürbar. «Wir spielen gerne in dieser Formation», bestätigte Patricia Sauter im Anschluss an das Theater. Sie und ihr Kollege Dave Hefti sind Lehrpersonen und üben ihre Tätigkeit für das Figurentheater Winterthur als zweites Standbein aus. «Die Möglichkeiten, mit Figuren zu spielen, sind praktisch unbegrenzt», erklärte Sauter ihre Begeisterung, «alles ist beseelt und belebt, und wir können vollkommen in die Phantasie eintauchen.»

Unterhaltung für Gross und Klein

Olivia mit ihrem Sohn Lenny sowie Alexandra mit ihren Töchtern Lena und Anna waren zum ersten Mal an einer Kufki-Vorstellung. «Ich fand es toll, wie die Schauspieler in die Geschichte eingetaucht sind und mit verschiedenen Elementen und Ebenen gearbeitet haben», sagte Olivia, «dieses Zusammenspiel war auch für Erwachsene überraschend und unterhaltsam.»

Auch ihrer Kollegin Alexandra gefiel die Vielseitigkeit des Programms mit Licht, Sprache, Bühnenbild und Musik. «Ausserdem sind die Figuren mega herzig gemacht.» Die Länge des Theaters von einer knappen Stunde empfanden beide als ideal: «Unsere Kinder wurden erst am Schluss etwas unruhig.»

Anschliessend an die Theatervorstellung hatten die Kinder die Möglichkeit, beim freien Malen das Erlebte zu verarbeiten und sich kreativ auszudrücken. Karin und ihr Sohn Nicolai wohnen noch nicht so lange in Uster, weshalb sie nicht viele vergleichbare Angebote in der Region kannten. «Wir haben uns köstlich amüsiert heute, wir mussten beide sehr viel lachen», erzählte Mami Karin. «Nicolai war schon mal mit seinem Götti im Kufki-Theater, während es bei mir der erste Besuch war. Wir werden sicher wieder herkommen.»

Etwas Wehmut schwang mit, als Initiator und Theaterleiter René Krebs dem Publikum ankündigte, dass dies die fünftletzte Vorstellung des Kufki sei. «Interessenten für eine mögliche Nachfolge-Übernahme dürfen sich gerne bei mir melden.»

Man sieht René Krebs vor dem Publikum.
Kufki-Vater René Krebs begrüsste das Publikum zur fünftletzten Vorstellung.

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