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Der Kufki-Vater sagt seinem «Kind» Lebewohl

Nach 30 Jahren Kindertheater «Kufki» Uster verabschiedet sich Initiant René Krebs in den Ruhestand. Und nun?

30 Jahre Kufki sind genug: René Krebs und seine Lebenspartnerin Krystyna Koller.

Foto: Karin Sigg

Der Kufki-Vater sagt seinem «Kind» Lebewohl

Ustermer Kindertheater-Legende tritt zurück

30 Jahre lang hat René Krebs mit dem Kindertheater Kufki für leuchtende Kinderaugen gesorgt. Doch nun ist er müde. Ob das Projekt weitergeführt wird, steht noch in den Sternen.

Zum fünftletzten Mal begrüsste René Krebs am Sonntag die Zuschauer zu einer Theatervorstellung im Schulhaus Pünt in Uster. Nach 30 Jahren Engagement hängt der Initiant und Leiter des Theaters Kultur für Kinder (Kufki) seinen Job an den Nagel. Der umtriebige Macher möchte seinen wohlverdienten Ruhestand antreten. Der Kindertheater-Zyklus ist in seiner letzten Saison.

«Die nervliche Belastung wird mir je länger, je mehr zu viel», erklärt der fast 83-Jährige, «inzwischen habe ich vor jeder Aufführung schlaflose Nächte.» Der organisatorische Aufwand sei immens für eine einzelne Person. «Das fängt beim Visionieren, also der Auswahl der Vorführungen, an, geht über den Auf- und Abbau bis hin zur Ticketadministration.»

Der eingefleischte Kulturfreak schaut sich alle Inszenierungen zuerst selbst an, bevor er Künstler und Theaterstücke sorgfältig auswählt. «Manchmal fahre ich dazu auch ins nahe Ausland.» In den Anfängen hat er zu diesem Zweck jeweils die Schweizer Künstlerbörse, eine Fachmesse für Bühnenschaffende in der Schweiz, besucht.

Dadurch seien wertvolle Kontakte und Bekanntschaften entstanden: «Ich traf Leute aus der Szene und lernte neue Stücke kennen.» Inzwischen kann Krebs auf ein breites Repertoire von Theatergruppen zurückgreifen, die regelmässig im Kufki auftreten.

Der Auf- und Abbau der Bühne und des Zuschauerraums stellt René Krebs jeweils vor eine weitere Herausforderung: «Die Turnhalle bietet viel Platz, allerdings sind die Bestuhlung und der Aufbau der Bühne mitsamt Vorhang ein harter Knochenjob.»

Glücklicherweise erhält der rüstige Senior Unterstützung dabei. Die Stadt Uster vermittelt jeweils Jugendliche, die tatkräftig anpacken und auf diese Weise ein Entgelt bekommen. «Die Zusammenarbeit mit ihnen funktioniert immer super», freut er sich über die positive Erfahrung.

Man sieht eine Frau und einen Mann beim Aufräumen von Stühlen in einer Turnhalle.
René Krebs ist dankbar für die fleissigen Helferinnen und Helfer beim Auf- und Abbau.

Da ein Kasperlitheater beispielsweise eine andere Spielhöhe erfordere als eine Vorstellung mit Schauspielern, variiere der Aufbau je nach Theaterstück. Denn auch kleine Kinder sollen einen guten Einblick in die «Guckkastenbühne» erhalten. Der Organisator löst dies jeweils mit unterschiedlich hohen Turnmatten, auf welchen die Kinder sitzen oder liegen können.

In allen administrativen Belangen erfährt René Krebs seit einigen Jahren Unterstützung von seiner Lebenspartnerin Krystyna Koller. Die Naturwissenschaftlerin ist für die Website, die Ticketadministration sowie die Kasse zuständig.

Auf der Website des Kufki können Tickets vorbestellt werden, bezahlt wird vor Ort. «Früher war das Publikum zuverlässiger», sagt Krebs, «wer Tickets bestellte, kam auch tatsächlich an den Anlass.» Entsprechend habe die Bestuhlung anhand der Bestellungen gemacht werden können.

Heute würden längst nicht alle Tickets abgeholt, die reserviert seien. «So kann es sein, dass viele Stühle leer bleiben, obschon wir ein Stück im Vorfeld als ausverkauft angekündigt haben.» Dafür würden sich Zuschauer vermehrt spontan für einen Theaterbesuch entscheiden.

Man sieht René Krebs vor dem Publikum.
Leere Stühle trotz ausverkaufter Vorstellung: Die Planung wird durch die Mentalität der Unverbindlichkeit erschwert.

In all den Jahren war ihm dieser Aufwand stets wert, um Kindern Theater näherzubringen. «Ich bin überzeugt, dass Kultur wichtig ist für unser Seelenleben», resümiert René Krebs, «Kunst trifft uns im Herzen.» Gerade für Kinder sieht der ehemalige Ustermer Kultur als wichtige Ergänzung zum Lernen. «Gemeinsam ein Theater zu schauen oder Musik zu hören, ist Seelen- und Herzenspflege für Kinder und Erwachsene», ist er überzeugt.

Für den Besuch eines Kindertheaters mit seinem damals fünfjährigen Sohn musste Krebs 1992 nach Zürich fahren. «In Uster gab es das noch nicht, das wollte ich ändern», erklärt er seine Beweggründe und damit die Geburtsstunde des Kufki.

Aller Anfang war schwer

Der ehemalige Jazzmusiker und Trompetenlehrer an der Musikschule Zürcher Oberland (MZOL) hatte Erfahrung in der Organisation von Festivals. Unter anderem war er 1986 Mitbegründer der Tage für Neue Musik Zürich.

Allerdings erwies sich die Stadt Uster in der damaligen Zeit als nicht sehr einfaches Terrain für seinen Projektstart. «Dass Kultur nicht nur von Freiwilligenarbeit lebt, sondern auch entsprechend entlöhnt werden soll, war damals Neuland.» Er führte einen jahrelangen zähen Kampf um Subventionen. «Positiver, zukunftsgerichteter Support würde Veranstalter motivieren oder gar einen Ausbau ermöglichen.» Diese Forderung nach genügend finanzieller Unterstützung im Kulturbetrieb stehe auch heute noch im Raum.

Die finanziellen Risiken eines Veranstaltungszyklus des Kufki seien für ihn als Rentner heute nicht mehr tragbar. «Ich bin summa summarum immer etwa herausgekommen mit den Kosten.» Wenn eine Saison schlecht gelaufen sei, habe er jeweils draufgelegt. Ein weiterer Grund für ihn, einen Schlussstrich zu ziehen.

Grundsätzlich kann sich René Krebs gut von seinem «Kind», dem Kufki, trennen: «30 Jahre Kufki waren eine runde Sache.» Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: «Ich würde mich natürlich freuen, wenn das Kulturangebot den Ustermer Kindern in irgendeiner Form erhalten bleibt.»

Mögliche Nachfolger seien angesprochen worden, entsprechende Verhandlungen seien am Laufen. Krebs hätte sich an dieser Stelle mehr Engagement von der Stadt Uster gewünscht: «Meiner Meinung nach wäre die Suche nach Folgelösungen Aufgabe der Kulturkommission. Es wäre schön, würden sie zu verhindern versuchen, dass dieses Angebot stirbt.»

Langeweile? Kennt Krebs nicht

Angesprochen auf seinen Ruhestand, verrät René Krebs: «Ich werde das Schreiben, mein zweites Standbein, ausbauen.» Das ehemalige Heimkind hat einen Teil der Biografie über seine Mutter veröffentlicht und wurde dafür im Januar 2024 mit dem Schweizer Autobiographie-Award ausgezeichnet. Weitere Buchprojekte habe er bereits parat, sodass er sie «aus dem Ärmel schütteln» könne.

Bis zu seinem 60. Lebensjahr hatte der Berufstrompeter noch regelmässig Auftritte im In- und Ausland. Heute nimmt er seine Trompete nur noch selten zur Hand. «Mein Herz sagt zwar, dass ich auf die Bühne soll. Aber mein Verstand hält dagegen, dass ich dazu schon zu alt sei.»

Die Tatsache, dass das Ustermer «Urgestein» noch täglich 1,5 Kilometer schwimmt, relativiert allerdings seine Aussage von wegen «zu alt». Die Motivation für seine inzwischen 50-jährige Leidenschaft fürs Streckenschwimmen: «Man muss seinem Körper etwas geben, damit er etwas zurückgibt.»

Da schliesst sich der Kreis zum Motto des Kufki: «Der Zukunft zuliebe.»

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