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New York Times berichtet über Kyburger Panzerhandschuh

Der Fund war eine Sensation. Auf diesen wurden jetzt sogar auch amerikanische Medien aufmerksam.

Der in Kyburg entdeckte Panzerhandschuh ist etwa 36 Zentimeter lang und vollständig erhalten.

Foto: Urs Jaudas

New York Times berichtet über Kyburger Panzerhandschuh

Romantische Spekulationen

Der Sensationsfund eines Panzerhandschuhs in Kyburg ist auch der «New York Times» eine Schlagzeile wert – romantische Spekulationen inbegriffen.

Almut Berger

Der bei einer Notgrabung in Kyburg entdeckte Panzerhandschuh eines Ritters hat auch einen Journalisten der «New York Times» (NYT) dermassen aus dem Häuschen (oder wohl eher aus dem Hochhaus) gebracht, dass er dem sensationellen Fund einen ausführlichen Artikel gewidmet hat.

Dass die Amis Fans von «Old Europe» mit seinen mittelalterlichen Kirchen, Klöstern oder eben auch Burgen sind, ist ja nichts Neues. Und dass die Journalisten immer mehr an ihren Onlineklicks gemessen werden, die sie mit ihrer Schreibe generieren, auch nicht.

Das gilt auch für die «New York Times» (founded 1851). Da kommt so ein «Stunningly Well-Preserved 600-Year-Old Gauntlet» natürlich wie gerufen. «Panzerhandschuh eines Ritters wird international für Aufsehen sorgen» titelte der «Zürcher Oberländer» nach der Pressekonferenz der Kantonsarchäologen vom 16. Januar denn auch.

Livebericht aus dem Mittelalter

Ende Januar sprang dann die «New York Times» auf. Während sich die hiesige Presse in ihrer Berichterstattung über den «schon sehr aussergewöhnlichen Fund» (O-Ton Kantonsarchäologe Beat Eberschweiler) auf die Hardfacts beschränkte – 14. Jahrhundert, 36 Zentimeter lang, Notgrabung, wenig Vergleichbares –, könnte man beim Europa-Korrespondent der NYT glauben, er sei live mit dabei gewesen. Und zwar nicht bei der Pressekonferenz oder beim Fund, sondern damals vor 600 Jahren, als das Drama seinen Lauf nahm.

Von einem Ritter, der nach einer «siegreichen Schlacht auf eine Schweizer Burg zurückkehrt», weiss Victor Mather zu berichten. Und wie dieser «herzhaft jauchzt», als er in der Schmiede der Burg «seine wertvollen Panzerhandschuhe beiseite wirft» und anschliessend «zu einem Festmahl eilt». «Während die Handschuhe in einer dunklen Ecke verborgen liegen bleiben, bricht kurze Zeit später ein Feuer aus», rapportiert der Autor. «Die Werkstatt wird zerstört, und die Handschuhe sind für mehr als 600 Jahre verloren.»

Screenshot einer Website der New York Times, welche einen Panzerhandschuh zeigt.
So berichtete die «New York Times» über den archäologischen Fund in Kyburg.

Immerhin räumt Mather, bei der «New York Times» zuständig für «sports as well as Breaking News», ein, dass es sich «möglicherweise» doch nicht ganz so zugetragen habe. «Wenn ein so erstaunlich gut erhaltener Teil einer Rüstung nach so langer Zeit wiederentdeckt wird, ist es schwer, nicht ein wenig romantisch über seine Herkunft zu spekulieren.» Immerhin verortet er Kyburg korrekt nordöstlich von Zürich.

Der berühmteste Schweizer Ritter aus dieser Zeit sei übrigens Heinrich von Winkelried gewesen, der der Sage nach einen Drachen mit seinem Speer getötet haben soll, schreibt Mather abschliessend. Der Ritter per se sei verbürgt, die Sage – «of course» – nicht. Und sicherlich gehöre der kürzlich gefundene Panzerhandschuh auch nicht besagtem Ritter. «Right»?

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