Nur zu Besuch: Schafe auf Wanderung durch Hinwil
Thurgauer Wanderherde
Wer am Donnerstagnachmittag auf der Winterthurerstrasse zwischen Hinwil und Wetzikon unterwegs war, wurde unter Umständen Zeuge einer Herdenwanderung: Rund 1000 Schafe zogen über die Felder.
Wer zum Einschlafen Schafe zählt, dem dürften bald die Augen zufallen. Denn am Donnerstagnachmittag zog eine Herde von mehreren hundert Schafen über die Hinwiler Felder. Wie aus dem Nichts tauchten sie vor dem Ettenhuserwald auf, zogen am Burger King Hinwil vorbei und stapften über Erlosen in Richtung Kezo.
Im Zaum gehalten von nichts als dem Bauern, seiner Helferin und den vier Herdenhunden, die wie ein Schwarm Geier um die Herde schwirren. Die Vierbeiner horchen aufs Wort – mittels Pfiffen und Rufen wissen sie genau, wie sie die Herde zu koordinieren haben.
Bei der ungewöhnlichen Wandertruppe handelt es sich um eine Herde, die ursprünglich auf einem Bauernhof in Aadorf im Thurgau beheimatet ist. Vorneweg der Schafbauer – mit dem wir bis Redaktionsschluss nicht mehr sprechen konnten. Dafür mit seiner Helferin.
«Gerade kommen wir von Pfäffikon her», erzählt Celia, die Helferin des Thurgauer Bauern. Ursprünglich kommt sie aus Spanien – seit drei Jahren geht sie dieser Arbeit nach.
«Das Wandern hat den Vorteil, dass wir nicht für zusätzliches Futter sorgen müssen», erklärt sie. Den Sommer verbringt die Schafherde auf der Alp in Graubünden, im Winter wird gewandert – über Stock und Stein, Fels und Fluss.
«Mit den Schafen und den Hunden zu sein, die Natur zu geniessen. Das mache ich einfach gerne», erzählt sie. Zwei der vier Herdenhunde, Lucky und Lanas, sind ihre. Gemeinsam mit den Border Collies des Bauern haben die Hunde die Herde fest im Griff. Nur nachts, da werden die Tiere mit einem portablen Elektrozaun in Schach gehalten.
Wo entlang gewandert wird, schauen sich Celia und ihr Chef im Voraus an – denn der Weg muss geplant sein. «Wir suchen uns eine passende Route, vor allem auch wegen der Bauern», erzählt Celia. Denn ein paar hundert Schafe zertreten die Felder ganz schön. Und dementsprechend fragt die Wandergruppe die Bauern im Voraus an, ob sie den gewünschten Pfad über die Wiesenlandschaft nehmen dürfen.
«Normalerweise freuen sich die Bauern aber, wenn wir vorbeischauen», sagt die Spanierin. Und nicht nur sie – vom nahe gelegenen Kuhstall rufen die Kühe zu den Schafen rüber. «Die wollen auch mit», witzelt Celia.
Und dann muss sie auch schon weiter – denn die Herde rastet nicht. So schnell die etwas andere Wandergruppe gesichtet wurde, ist sie auch wieder verschwunden. Auf dem langen Weg, in Richtung Zuhause, zurück in den Thurgau. Was bleibt, sind matschige Schuhabdrücke im Boden – und eine Gutenachtgeschichte mit echten Schafen.