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Pro Velo wirft Gegnern von Veloweg Doppelmoral vor

Der geplante Veloweg zwischen Hinwil und Ettenhausen sorgt für Uneinigkeit zwischen Velo- und Bauernverband.

Die Kantonsstrasse zwischen Hinwil und Ettenhausen führt durch Landwirtschaftsflächen. Eine Beeinträchtigung dieser Gebiete wollen die Gegner des geplanten Velowegs verhindern. (Archiv)

Foto: Lennart Langer

Pro Velo wirft Gegnern von Veloweg Doppelmoral vor

Nach Petition der Bürgerlichen

Mit einer Petition soll der Bau eines Velowegs zwischen Hinwil und Ettenhausen verhindert werden. Während der Bauernverband das Anliegen unterstützt, äussert Pro Velo Kritik.

Der geplante Veloweg entlang der Kantonsstrasse zwischen Ettenhausen und Hinwil steht in der Kritik. Bürgerliche Parteien prangern die hohen Kosten des Projekts sowie den Verlust von Landwirtschaftsflächen an. Sie fordern einen sorgsamen Umgang mit der Natur – und schlagen vor, dass Velos und Fussgänger weiterhin über die Alternativroute via Bächelacker- und Holzweidstrasse ausweichen sollen.

Visualisierung des neu geplanten Velowegs von Wetzikon nach Hinwil
Die Alternativroute über die Bächelacker- und die Holzweidstrasse genügt aus Sicht der Petenten.

Vor wenigen Wochen haben sie deshalb eine Petition gestartet, um den Veloweg zu verhindern. Inzwischen sind online schon fast 700 Unterschriften zusammengekommen. Vorgesehen ist neben dem Bau des Velowegs auch die Sanierung der bestehenden Kantonsstrasse. Darauf geht die Petition nicht ein.

Naturschutz nur bei Velowegen ein Anliegen

Die Kritik am Veloweg stösst bei Pro Velo Kanton Zürich auf wenig Verständnis. Der politisch unabhängige Verein setzt sich für die Verbreitung des Velos als Alltagsverkehrsmittel ein. «Der Lückenschluss dieser regionalen Velohauptverbindung entlang der Kantonsstrasse ist zwingend», findet Geschäftsleiterin Yvonne Ehrensberger mit Verweis auf den kantonalen Velonetzplan und den regionalen Richtplan.

Offenbar geht es weniger um den Natur- und Landschaftsschutz als um den Widerstand gegen das Velowegprojekt als solches.

Yvonne Ehrensberger

Geschäftsleiterin Pro Velo Kanton Zürich

Lokale Umwege und Alternativrouten – so wie sie die Gegner vorschlagen – würden kein direktes und zügiges Vorankommen mit dem Velo ermöglichen. «Die Führung direkt entlang der bestehenden Strasse ist sinnvoll», sagt Ehrensberger. Es werde hier «nicht kopflos ein übergeordnetes Schutzgebiet ‹zerschnitten›».

Dass dieses durch die Sanierung der Kantonsstrasse und den Velowegbau tangiert wird, ist indes klar. Die kantonale Baudirektion spricht von rund 10’000 Quadratmetern.

Umweltschutzmassnahmen eingeplant

Den Widerstand der bürgerlichen Parteien bezeichnet die Vertreterin von Pro Velo als «entlarvend». Beim Ausbau von Autobahnen sei denselben Parteien der Naturschutz kein Anliegen. «Offenbar geht es weniger um den Natur- und Landschaftsschutz als um den Widerstand gegen das Velowegprojekt als solches». Der Veloverkehr werde viel zu oft gegen Grünflächen ausgespielt.

Das Projekt befindet sich derzeit nach mehreren Einwendungen in Überarbeitung. Massnahmen zum Umweltschutz waren aber bereits in der ursprünglichen Version enthalten. So soll die Fahrbahn beispielsweise im Bereich des Gigerbachs nach Südwesten verschoben werden, sodass beim angrenzenden Waldstück keine Rodungen nötig werden.

Eine Strasse, die an einem Waldstück vorbeiführt.
Der Wald direkt an der Strasse soll durch das Bauprojekt nicht beeinträchtigt werden.

Gleichzeitig hielt der Wetziker Stadtrat bereits in seinem Beschluss vom 12. Juli 2023 fest, dass durch die Bauarbeiten mehrere kommunale Schutz- und Inventarobjekte tangiert werden könnten. Er forderte den Kanton als Bauherr dazu auf, die betroffenen Gebiete während der Bauarbeiten zu schützen und – wo nötig – für einen Ersatz zu sorgen.

Ausgleich der Beeinträchtigungen

Dieses Anliegen unterstützt auch Andreas Hasler, Geschäftsleiter der Naturschutzorganisation Pro Natura Zürich. Obwohl der geplante Veloweg lediglich an den Naturschutz-Inventarobjekten vorbeiführe, sei ein Einfluss wahrscheinlich. «Die Beeinträchtigungen im Rahmen des konkreten Bauprojekts sind mit Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen auszugleichen», findet Hasler.

Eine abschliessende Beurteilung könne Pro Natura Zürich aber erst nach der erneuten Auflage des Bauprojekts vornehmen. «Eine naturverträgliche Lösung scheint jedoch möglich», sagt Hasler. Und sowieso spiele bezüglich Landschaftsschutz ein strassenbegleitender Veloweg im Vergleich zur viel befahrenen Strasse eine untergeordnete Rolle.

Unterstützung des Bauernverbands

Rückendeckung erhalten die Petenten hingegen vom Zürcher Bauernverband (ZBV). «Beim Veloweg Hinwil–Ettenhausen scheint eine alternative Wegführung ohne Verlust von landwirtschaftlichen Nutzflächen machbar», schreibt Geschäftsführer Ferdi Hodel. «Der ZBV unterstützt die betroffenen Bauernfamilien im Rahmen seiner Möglichkeiten.»

Hodel anerkennt zwar, dass der Kanton eine Kompensation der Landwirtschaftsfläche in Aussicht stellt, allerdings würde das nutzbare Land trotz solchen Kompensationen insgesamt abnehmen. Im konkreten Fall sei zwar der Ersatz der Fruchtfolgeflächen, also der für die Lebensmittelproduktion wertvollsten Böden, vorgesehen. Dies ist gemäss Hodel aber ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Aufwertung alternativer Flächen sei aufwendig und dauere mehrere Jahre.

Ein Einlenken des Kantons auf die Forderungen der Petenten ist derzeit kaum zu erwarten. Aufschluss darüber werden aber voraussichtlich erst die Beratungen im Kantons- und im Regierungsrat geben, wenn über die Kosten des überarbeiteten Projekts entschieden wird.

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