«Mit Herdenschutzhunden kommt es zu viel weniger Schafrissen»
Schafbetrieb in Illnau
Der Bund stoppt die Zucht von Herdenschutzhunden per sofort. Für Bruno Zähner, Herdenschutzberater am Strickhof, eine «Hauruckübung». Nicht nur, weil er selbst Pyrenäen-Berghunde ausbildet
Herr Zähner, der Bund hat das Zuchtprogramm für Herdenschutzhunde per sofort gestoppt. Ab 2025 leistet er auch keine finanziellen Beiträge mehr. Als Herdenschutzberater am Strickhof sind Sie Anlaufstelle für die hiesigen Nutztierhalter. Läuft bei Ihnen jetzt das Telefon heiss?
Nein. Offizielle Herdenschutzhunde gibt es schweizweit rund 500, im Kanton Zürich sind meines Wissens bloss fünfzehn im Einsatz. Und offizielle Züchter gibt es hier neben mir gerade mal noch einen. Auch wenn es hie und da zu Wolfssichtungen kommt wie beispielsweise vor zwei Monaten in Rümlang, sind in unserer Region Elektrozäune das beste Mittel gegen Grossraubtiere. Hunde machen dort Sinn, wo nicht eingezäunt werden kann, also beispielsweise auf einer Alp. Abgesehen davon war bekannt, dass der Bund das Zuchtprogramm aufgrund des neuen Jagdgesetzes künftig an die Kantone delegieren will, wenn auch nicht per sofort. 2024 war als Übergangsjahr geplant, damit sich diese organisieren können. Das hat sich mit Bundesrat Albert Röstis Hauruckübung jetzt zerschlagen. Ich hoffe, er hat sich was dabei überlegt.
Bedeutet diese Kehrtwende in der Wolf-Politik das Aus für die Zucht und Ausbildung der Herdenschutzhunde?
Ich wäre extrem enttäuscht, wenn meine Zuchtkollegen nun sozusagen vorauseilend den Bettel hinschmeissen würden. Das wäre eine Katastrophe. In der Schweiz werden seit rund 25 Jahren offiziell Herdenschutzhunde gezüchtet und ausgebildet – 20 Jahre davon mit Unterstützung des Bundes. Unsere Hunde sind solide ausgebildet, sie sind angenehm im Umgang und Handling und zeigen eine akzeptable Abwehr gegen Eindringlinge. Und sie sind gesellschaftstauglich, was beim zunehmenden Bevölkerungsdruck immer wichtiger wird.
Sie züchten auf Ihrem Schafbetrieb in Illnau seit 2009 Pyrenäen-Berghunde. Was bedeutet das neue Regime für Sie?
So genau weiss ich das selber noch nicht, ich habe am Sonntag erst ein kurzes E-Mail vom Verein Herdenschutzhunde Schweiz erhalten, der sich auf eine Information vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) bezieht. Demnach gibt es für junge Hunde oder läufige Hündinnen ab sofort keine finanzielle Unterstützung mehr. Hunde, die jetzt noch in Ausbildung sind, werden dieses Jahr noch gezahlt.
Von wie viel Geld sprechen wir?
Aktuell habe ich sieben Hunde, zwei davon in Ausbildung. Bisher zahlte der Bund für die Haltung eines ausgebildeten Hundes 100 Franken pro Monat. Damit sind Hundefutter, Impfungen und Entwurmungen knapp gedeckt. Für die Ausbildung der Welpen erhalte ich pro Tier pauschal 2400 Franken. Müsste ich alles aus dem eigenen Sack finanzieren, würde mich mein eigenes Herdenschutzhunderudel rund 15’000 Franken pro Jahr kosten. Geld, das meinem Betrieb abgeht. –
Sie verkaufen aber auch Tiere, oder?
Nur müsste ich pro ausgebildeten Hund künftig 8000 statt wie bisher rund 1000 Franken heuschen. Sagen Sie mal einem Halter von 50 Schafen, dass er für seine zwei Herdenschutzhunde 16’000 Franken auf den Tisch legen soll. Der zeigt mir den Vogel und beschafft sich die Tiere für ein paar 100 Stutz in der Türkei oder in Mazedonien. Mit der Folge, dass wir Hunde ins Land bekommen, denen Sie beim Wandern lieber nicht über den Weg laufen möchten.
Gemäss Bund sollen nun die Kantone eigene Programme für den Herdenschutz ausarbeiten. Wie schätzen Sie das ein?
Meine Angst ist, dass wir in der Schweiz künftig 15 verschiedene Programme haben, die nicht miteinander kompatibel sind. Ich züchte meine Hunde in Illnau, unsere 450 Schafe sömmern wir auf einer Alp im Kanton St. Gallen. Was, wenn wir unsere Hunde dort plötzlich nicht mehr einsetzen dürfen? Ich hoffe sehr, dass sich die Kantone zusammenraufen und ein einheitliches System auf die Beine stellen, das der Bund gegebenenfalls mitfinanziert. In der Jagdverordnung steht, dass der Bund für Schutzmassnahmen aufkommen sowie allfällige Schäden durch Grossraubtiere entschädigen muss. Mit Herdenschutzhunden kommt es zu viel weniger Schafsrissen – das muss sich doch auszahlen!
