Walder Käserei muss neuer Klinik weichen
Betrieb sucht neuen Standort
Reha statt Schafkäse: Dem Neubau auf dem Faltigberg ob Wald muss eine schweizweit bekannte Käserei Platz machen. Deren Besitzer suchen nun einen Alternativstandort.
Neben der einstigen Walder Höhenklinik wird bis Ende 2026 eine neue Reha-Klinik in Form eines geschwungenen Pentagons hochgezogen. Wenn dieser Bau bezogen wird, kann mit dem Abriss des in die Jahre gekommenen Sanatoriums begonnen werden.
Ungewissheit ist vorbei
Verschwinden muss dann auch die Schafmilchkäserei von Aninia Adewale-Koster, die sie zusammen mit ihrem Mann Babatunde im Sommer 2020 von ihrem Vater übernommen hat. «Unser Zeithorizont ist April 2029. Dann läuft das Baurecht aus», erklärt die bald 37-jährige Käserin.

Für die Adewales geht nun eine Zeit der Ungewissheit zu Ende. Dass die Klinikbetreiber oben auf der Anhöhe hinter ihrem Betrieb einen Neubau ins Auge fassten, ist vor sieben Jahren klar geworden. Damals erhielt der Vater von Aninia Adewale-Koster auf das Ersuchen für eine Verlängerung des Baurechts eine abschlägige Antwort. «Das traf mich damals sehr», meint sie.
Weiter käsen
Mittlerweile schauen die beiden aber nach vorne. Sie wollen eine neue Bleibe finden, die auch ihnen gehört. «Das Ende der Käserei hier auf dem Faltigberg bedeutet nämlich nicht das Ende unseres Käses», unterstreichen die Adewales, die seit der Geschäftsübernahme ihr ganzes Engagement in den Betrieb stecken. «Wir haben seither noch nie Ferien gemacht.»

Der 1990 gegründete Familienbetrieb verarbeitet rund 180'000 Kilo konventionelle Schafmilch primär aus der Ostschweiz sowie rund 30'000 Kilo Bio-Jersey-Kuhmilch und Bio-Büffelmilch aus der Region Zürich. 21 Sorten Käse führt der Kleinbetrieb im Sortiment.
Vertrieb über Grossverteiler – und den Automaten
In der Schafmilchkäserei wird alles von Hand gemacht, sogar das Einpacken der Chäsli. Und da ist der 32-jährige Babatunde Adewale ein wahrer Meister. «Er schafft 380 Chäsli in einer Stunde», erklärt seine Frau voller Stolz.
Das Video zeigt die Käseproduktion, als noch Franz Koster den Betrieb führte. Video: PD
Die Produkte gelangen über Grossverteiler wie die Migros, die Natürli Zürioberland AG oder das Schwyzer Milchhuus an die Kundschaft. Ausserdem können diverse Käsesorten direkt ab Käserei am Automaten gekauft werden.
Klar ist für die Familie, dass sie in der Region einen neuen Produktionsstandort finden will. So geht es darum, dass sie den bisherigen Kundenstamm behalten will.
Im Sommer erste Veränderungen
Ein Ersatzstandort oben beim Parkplatz der Klinikangestellten ist für sie nicht infrage gekommen, da sie dort wieder nur im Baurecht hätten wirtschaften können. Bereits im April Schluss ist mit dem Landwirtschaftsteil, den Aninias Vater Franz Koster vorher zusammen mit der Käserei betrieb. Koster, der letztes Jahr pensioniert worden ist, wird dann die Weiderinder weggeben. Die umliegenden Weiden sind von der Besitzerin, der Valens-Klinik-Gruppe, an benachbarte Bauern verpachtet worden.
Franz Koster bleibt aber auch danach als helfende Hand in der Käserei, sei es für allfällige Reparaturen, Lieferungen, in der Produktion oder «einfach für einen guten Rat», wie seine Tochter festhält.

Auch anderweitig sorgen die Baupläne schon rasch für Veränderungen. Das prächtig gelegene Wohnhaus, das auf der Kuppe hinter der Käserei ist, muss bis im Juni geräumt werden. Dessen Bewohner sind in der Reha-Klinik angestellt. Das Gebäude steht an dem Punkt, wo die Pentagon-Klinik erstellt wird. Und für die sollen die Bauarbeiten im August beginnen.
