Mit (Über-)Mut und italienischem Charme zum Erfolg
Ustermer Sängerin und Autorin
Sie singt, schreibt und spielt: Letizia Fiorenza ist eine vielseitig begabte Künstlerin. Die Ustermerin mit römischen Wurzeln über ihr Leben, Schaffen und ihre Zukunftspläne.
«Angefangen hat alles mit dem Geburtstagsständchen für meine Schwiegermutter», resümiert die italienisch-schweizerische Doppelbürgerin Letizia Fiorenza. Sie und ihr Mann David Sautter, international gefragter Gitarrist, Arrangeur und Komponist, studierten einige gemeinsame Lieder für den runden Geburtstag ein.
Zwar war Fiorenza auf den Rat ihres damals am Konservatorium studierenden Gatten hin daran, ihre Stimme professionell ausbilden zu lassen. Doch zu diesem Zeitpunkt übte sie das Singen noch nicht als Beruf aus.
Fiorenzas Schwiegermutter feierte ihren runden Geburtstag in einem Kulturlokal in Mogelsberg, als jenes besagte Ständchen gesungen wurde. Das Potpourri des jungen Ehepaars kam so gut an, dass die beiden angefragt wurden, ob sie professionell auftreten würden.
«In meinem jugendlichen Leichtsinn bejahte ich diese Frage keck», erinnert sich Fiorenza. Prompt wurden sie daraufhin vom Kulturlokal für einen Auftritt gebucht.

Im Nachhinein sei sie dann schon erschrocken gewesen über ihren Mut, «aber aufzugeben, war keine Option». Was für Letizia Fiorenza damals galt, hat sie sich über die Jahre hin zum Lebensmotto gemacht. «Irgendwie bringen wir das schon hin», laute auch heute noch ihre Devise. Ihre positive Lebenseinstellung verhalf ihr in so manchen Situationen zum Erfolg.
Das Paar hatte knapp sechs Monate Zeit, eine komplette Setliste auf die Beine zu stellen. Dem Auftritt in Mogelsberg folgten weitere. «In einer nächsten übermütigen Phase haben wir kurzerhand eine Kassette von uns aufgenommen und einem Verlag geschickt», erzählt die Sängerin lächelnd. Kurze Zeit später sei dann die erste LP im Zytglogge Verlag erschienen.
Die erfolgreiche Karriere von I Cantimbanchi, wie sich das Künstlerpaar nennt, nahm ihren Lauf. Viele Auszeichnungen, unter anderem der Kunstpreis der Stadt Uster (2018) oder das Goldige Chrönli (2000) für eine Kinderproduktion, bestätigten das erfolgreiche Duo in seinen Bestrebungen.
«Umnebelte» Teenagerzeit in einem fremden Land
Letizia Fiorenza ist, zusammen mit drei Geschwistern, geboren und aufgewachsen in Rom. Der Vater arbeitete als Herrencoiffeur, die Mutter als Näherin. 1969 siedelten erst die Eltern in die Schweiz um. Nach 15 Monaten, die sie bei den Grosseltern in Sizilien verbrachten, durften die Kinder nachziehen.

Fiorenza war damals 13-jährig. Sie erinnert sich noch heute daran, dass sie wie «umnebelt» gewesen ist, in einem fremden Land mit einer Sprache, die ihr absolut unbekannt war. Sie sah sich mit sprachlichen Barrieren konfrontiert. «Auf der Packliste für die Schulreise stand ‹Regenpelerine›. Was in aller Welt sollte das sein?», erinnert sie sich lachend.
Ausserdem habe sie noch nie zuvor etwas von Wanderschuhen gehört: «Als Römerin trug ich schon als Teenager hochhackige Sandalen.» Kein Wunder, hielten sie ihre Mitschüler für eine Lehrperson, als sie erstmals vor die neue Klasse gestellt worden war.
Da Letizia Fiorenza früh Mutter wurde und heiratete, holte sie die neusprachliche Matur als Erwachsene nach. Sie begann, Literaturkritik zu studieren. Doch dann kam die Musik dazwischen.
Atemtherapie anwenden und vermitteln
Um ihre Stimme möglichst schonend einsetzen zu können, absolvierte sie neben ihrer Gesangs- auch noch gleich eine Ausbildung in Atemtherapie. «Beides parallel zur Betreuung unserer beiden Kinder.» Der Sohn hatte inzwischen ein Schwesterchen bekommen.
Mehrere Jahre lang führte sie eine eigene Praxis als Atemtherapeutin. Als sich dann der Terminkalender nicht mehr mit der künstlerischen Laufbahn vereinbaren liess, gab sie ihre Praxis auf. Und erhielt just in derselben Woche das Angebot, als Dozentin für Atem und Stimme an der Schule zu arbeiten, in der sie diese Ausbildung absolviert hatte.
Gemeinsam mit der Atem- und Körperpsychotherapeutin Maria Höller-Zangenfeind leitete Fiorenza Kurse in «Atem-Tonus-Ton» und bildete Lehrpersonen aus. Sie hatten mit einem internationalen Team Niederlassungen in Europa und Japan und bauten sich ein grosses Netzwerk auf.
Das Vermitteln steht für Fiorenza bei dieser Tätigkeit auch heute noch im Zentrum. «In Japan treffen wir die gleichen Themen an wie in der Schweiz», resümiert sie, «aber man vermittelt diese Arbeit anders.»
Die Theater- und Songautorin
Da sich Letizia Fiorenza beim Singen schon immer sehr für den textlichen Inhalt der Lieder interessiert hatte, begann sie vor über 15 Jahren zu schreiben.
Mit ihrer spontanen und positiven Art hatte sie schnell Kontakt mit einer Regisseurin geknüpft. Mit der Ustermer Künstlerin Eveline Ratering konnte sie ihr Debüt als Theaterautorin feiern und eine Trilogie auf die Bühne bringen.
Heute pflegen die beiden Künstlerehepaare Fiorenza/Sautter und Ratering sowie Gatte und Schauspieler Ingo Ospelt eine freundschaftliche Beziehung. In einer Produktion standen die vier gemeinsam auf der Bühne. «Wenn wir zusammen an einen Auftritt fahren, fühlt sich das wie ein Ausflug an», freut sich Letizia Fiorenza.

Eine weitere Herzensangelegenheit ist für Fiorenza ihre Liebe zu Kindern. Aus dieser heraus entstand die Produktion «Adelheid, oder Lieder für Chind und Chindschöpf». «Ursprünglich wollten wir einfach ein paar Songs für unsere Tochter schreiben», sagt sie bescheiden.
Um Kindern Musik spielerisch näherzubringen, setzte sie sich intensiv mit der Music Learning Theory von Edwin E. Gordon auseinander. Gemeinsam mit der Musikpädagogin Regula Schwarzenbach gründete Letizia Fiorenza das Ensemble miam. Die speziellen Konzerte sind für Kinder bis sechs Jahre und deren Eltern konzipiert.
Wertvoller Generationenaustausch
Aktuell ist Letizia Fiorenza mit Recherchearbeiten für ein Theaterstück zum Thema «Scham» beschäftigt, das Anfang 2025 seine Premiere im Ustermer Central feiern wird. Sie arbeitet oft mit jüngeren Künstlern zusammen, was sie als Bereicherung für beide Seiten sieht.
Gerade erst standen Fiorenza und Sautter mit der gemeinsamen Tochter, der Schauspielerin und Sängerin Maria Rebecca Sautter, auf der Bühne: «Sie hat eine fantastische Stimme, wir sind sehr stolz auf sie», erzählt sie strahlend.
Wenn die Süditalienerin von ihren Projekten erzählt, sprudelt es nur so aus ihr heraus. Auch wenn ihr Schweizerdeutsch perfekt ist, hört man den charmanten Akzent heraus. Ihre Schaffenskraft ist auch mit 66 Jahren ungebrochen: «Solange meine Projekte gefragt sind, denke ich nicht an die Pensionierung.»
Rückblickend ist Fiorenza dankbar über die vielen Fügungen und glücklichen Umstände in ihrem Leben. «Wenn ich Wonderwoman wäre, hätte ich vielleicht einige Dinge anders, perfekter gemacht. Doch vieles hat sich einfach so ergeben. Es kam alles zur richtigen Zeit.»
