Geburtshaus in Bäretswil ruft zu Spenden auf
100’000 Franken fehlen
Das Geburtshaus Zürcher Oberland in Bäretswil steht vor einer finanziellen Herausforderung – helfen soll unter anderem eine Spendenaktion.
«Wir rechnen mit 100’000 Franken weniger Einnahmen im Jahr 2024», schreibt Karin Lietha-Kapp, Hebamme MSc und Vorsitzende der Geschäftsleitung des Geburtshauses Zürcher Oberland in Bäretswil. Dem soll ein Ende Dezember 2023 gestartetes Fundraising entgegenwirken.
Der voraussichtlich fehlende Geldbetrag läge den Tarifanpassungen der SwissDRG zugrunde: Wegen der Anpassungen würde das Geburtshaus für gleiche Leistungen weniger berechnen können, beispielsweise je nach Fall bis zu 400 Franken.
Nach Berechnungen ergäbe das aufs Jahr 2024 die rund 100’000 fehlenden Franken bei gleichem Leistungsaufwand. «Die Spenden geben uns den dringend nötigen Puffer, um Massnahmen zum Erhalt des Geburtshauses umzusetzen. Die Schliessung ist für uns keine Option», so Lietha-Kapp.
Die Swiss DRG und tarifgebundene Leistungen
Seit dem 1. Januar 2012 hat das Geburtshaus Zürcher Oberland einen offiziellen Leistungsauftrag der Gesundheitsdirektion und steht auf der Spitalliste des Kantons Zürich. Geburten in Geburtshäusern werden, genau wie im Spital, von der Grundversicherung der Krankenkasse übernommen. Für eine einheitliche Vergütung sorgt die Swiss DRG (Swiss Diagnosis Related Groups), welche von Spitälern und Geburtshäusern schweizweit angewendet wird. Die Swiss DRG passt ihre Tarife regelmässig an, was wiederum Auswirkungen auf die Geldbeträge hat, die Spitäler oder Geburtshäuser pro Geburt erhalten. Da die Leistung der Unternehmen jedoch gleich bleibt, stellen Tarifanpassungen diese oft vor neue finanzielle Herausforderungen.
Das Fundraising, welches das Bestehen des Geburtshauses Zürcher Oberland sichern soll, ist am 23. Dezember 2023 gestartet. «Das Spendenziel würde die Mindereinnahmen durch die Tarifanpassungen der SwissDRG decken und uns enorm dabei helfen, unsere Dienstleistung weiterhin anbieten zu können», so Lietha-Kapp.
Über die Hälfte in zwölf Tagen
Nach zwölf Tagen sind bereits über 55’000 Franken an Spendengeldern zusammengekommen.
«Unzählige Personen – ehemalige Familien, zuweisende Ärztinnen, Fachpersonen und andere Menschen, welche die Idee unseres Geburtshauses befürworten – haben uns in den letzten Tagen mit einer Spende unterstützt», sagt Gabriela Sutter Müller, Hebamme und Mitglied der Geschäftsleitung.
Bis zum 3. Januar sind bereits über 55’000 Franken zusammengekommen, aktuell (9. Januar) wurden über 62’000 Franken gesammelt.
Wir sind überwältigt von der riesigen Unterstützung und Solidarität.
Gabriela Sutter Müller
Hebamme und Mitglied der Geschäftsleitung
«Wir sind überwältigt von der riesigen Unterstützung und Solidarität», so Sutter Müller. «Die Spendenaktion läuft nach wie vor, und wir sind zuversichtlich, dass wir noch auf weitere Unterstützung zählen dürfen.» Der Einsatz der Spenden werde sorgfältig abgewogen, und alle Massnahmen würden zur Sicherstellung des hohen Standards eingesetzt.
Weitere Herausforderungen, weitere Massnahmen
Neben den Tarifanpassungen der Swiss DRG steht das Geburtshaus vor weiteren finanziellen Herausforderungen. So gebe es in der Schweiz einen Geburtenrückgang, der sich auch im Geburtshaus in Bäretswil zeige: Während es im Jahr 2021 noch 275 Geburten waren, verzeichnete man 2022 nur 210 und 2023 192 Geburten.
Dazu kämen zusätzliche Teuerungen und mehr Konkurrenz. So gibt es seit September 2023 Geburtshäuser in Winterthur und Zollikerberg, was das Einzugsgebiet des Geburtshauses Zürcher Oberland schmälert.
Um dem zusätzlichen finanziellen Druck entgegenzuwirken, würden weitere Massnahmen ergriffen. So gebe es Angebotsanpassungen und Projekte, um das Geburtshaus für Familien noch attraktiver zu gestalten. Beispielsweise würden frischgebackene Mütter nach dem stationären Wochenbett vor Ort zu Hause von einem ambulanten Hebammenteam weiterbetreut.
Zudem sieht das Geburtshaus eine sanfte Renovation der Liegenschaft vor. Die Spendengelder würden als «notwendiger Puffer» eingesetzt, bis die Mehreinnahmen aus den geplanten Projekten generiert seien.
Eine Marketingaktion mit Gutscheinen für eine Übernachtung mit Frühstück für eine Begleitperson (beispielsweise bei einer Geburt) soll den Bekanntheitsgrad erhöhen. «Wir erwarten dadurch Mehreinnahmen», sagt Lietha-Kapp. Ausserdem stünden Investitionen in die Aus- und Weiterbildung der Hebammen an. «Weitere Projekte zur Stärkung der Familien und zur Prävention von Stress und dessen Folgen sind in Planung», so Sutter Müller.
