Dübendorferin wartete vergebens auf ihre Geburtstagskarten
Ärger mit der Post
Die Post für Heidi Steiner landete öfters nicht in ihrem Briefkasten in Dübendorf. Trotz mehrmaligem Reklamieren ist sie bis heute nicht sicher, ob alle Sendungen ankommen.
Was Heidi Steiner widerfahren ist, beschreibt sie selber mit einem Wort: ohnmächtig. Ohnmächtig, weil sie über Jahre ihre Post nicht zuverlässig bekommen hat und nichts daran ändern konnte. Und auch heuer musste sich die Rentnerin über die Festtage fragen, ob denn alle Weihnachtskarten und Pakete von Verwandten, Freunden und Bekannten bei ihr eingetroffen sind.
Begonnen hat die Postmisere 2020. «Damals erhielt ich einen Anruf von einer Frau Steiner. Sie sagte mir, dass sie meine Post erhalte.» Diese Frau Steiner wohnt zwar ebenfalls in Dübendorf, aber in einer anderen Strasse und trägt auch einen anderen Vornamen. Sie ist in der Zeit innerhalb der Stadt umgezogen und hatte eine Adressänderung aufgegeben, so bekommt es Steiner von ihrer Namensvetterin erzählt. «Sie kam so in den Besitz meiner Steuerunterlagen und Bankbelege, die sie netterweise ungeöffnet liess», sagt Heidi Steiner.
Also ging sie bei der anderen Frau Steiner vorbei, um ihre Briefe abzuholen. Daraufhin meldete sie sich bei der Post. «Die Post entschuldigte sich. Der Fall war für mich erledigt.»
Glückwunschkarten, die nie ankommen
Doch damit lag sie falsch. Zwar landete die Post von Heidi Steiner nicht mehr bei ihrer Dübendorfer Namensvetterin, dafür ging sie aber zurück zum Absender.
So meldete sich bereits wenige Monate später ihr Zahnarzt. Eine Rechnung kam als unzustellbar zurück, und er bat um die neue Adresse. «Die Post wollte als Beweis den Umschlag, den hatte die Praxis allerdings nicht mehr», sagt Steiner.
«Ich bin machtlos und frage mich, ob anderen Menschen das Gleiche widerfährt.
Heidi Steiner
Rentnerin aus Dübendorf
Auch von anderen Absendern erhielt sie Anrufe mit der Frage, ob sie umgezogen sei. «Zum Glück ist meine Telefonnummer online gut zu finden.» Abermals meldete sich Heidi Steiner bei der Post. Die findet intern einen Fehler. «Man versprach mir, es werde nie mehr vorkommen.»
Doch es kam immer wieder mal vor: Ein Brief von einer Freundin aus Deutschland wurde als unzustellbar retourniert. Gemeinnützige Organisationen, die Heidi Steiner unterstützt, konnten ihr die Spendenbescheinigung für die Steuererklärung nicht mehr schicken. Weihnachts- und Glückwunschkarten – Heidi Steiner hat am 22. Dezember Geburtstag – kamen nie an. Steiners Gang zum Briefkasten war öfters umsonst. «Ich bekam zwar Post, aber deutlich weniger als früher.»
Entschuldigung der Post
Mehrmals habe sie sich bei der Post wegen des Problems gemeldet. Eine Mitarbeiterin habe sich zwar erneut bei ihr entschuldigt. «Ich wollte aber keine Entschuldigung mehr, sondern verlangte eine Abklärung und wollte den genauen Grund wissen.» Eine plausible Erklärung habe sie aber von der Post bis heute nicht erhalten.
Wo Menschen arbeiten, werden auch Fehler gemacht.
Markus Werner
Mediensprecher Post
«Ich bin machtlos und frage mich, ob anderen Menschen das Gleiche widerfährt.» Dass Absender bei einer Retoure zurückfragten, sei nicht selbstverständlich. «So können auch Beziehungen zu Bekannten in die Brüche gehen. Ganz nach dem Motto: Wenn die uns beim Umzug vergisst, dann melden wir uns auch nicht mehr.» Das sei ihr selbst passiert. «Eine an mich adressierte Geburtsanzeige wurde zurückgesendet. Ich habe dies erst viel später per Zufall mitbekommen.»
Mediensprecher Markus Werner sagt, dass Heidi Steiner tatsächlich mit dem Vermerk «nicht zustellbar» verzeichnet gewesen sei. «Dabei handelte es sich klar um einen Fehler der Post. Wie es zu diesem falschen Vermerk kam, können wir im Nachhinein im Detail nicht mehr nachvollziehen.» Wo Menschen arbeiteten, würden auch Fehler gemacht. «Wir möchten uns nochmals herzlich bei Frau Steiner dafür entschuldigen.»
Ein Rätsel bleibt
Eigentlich komme der Vermerk «nicht zustellbar» dann zum Einsatz, wenn beispielsweise an der Adresse kein Briefkasten vorhanden sei, erklärt Werner. Weitere Beispiele dafür seien, wenn ein Adressfehler vorliege, der Empfänger weggezogen sei oder aus einem anderen Grund nicht habe ermittelt werden können.
Aufgrund des falschen Vermerks seien die Sendungen, die an die Kundin adressiert gewesen seien, bereits bei der Sortierung – etwa im Briefzentrum Zürich-Mülligen – aussortiert und zurückgeschickt worden. «Aus diesem Grund hatten auch die Postmitarbeitenden in Dübendorf nichts von diesen Rücksendungen gewusst.»
Da kann man die Post effektiv auf online umstellen, wie neuerdings vom Postchef vorgeschlagen wird.
Heidi Steiner
Rentnerin aus Dübendorf
Doch weshalb Heidi Steiners Briefe bei ihrer Namensvetterin gelandet sind, ist auch für Markus Werner mysteriös: «Dass es zu einer Verwechslung mit einer anderen Person gleichen Namens in Dübendorf gekommen sein soll, können wir hingegen nicht nachvollziehen.» Es gebe beim Unternehmen auch keine Hinweise darauf, dass dies geschehen sei.
Seit einem Jahr soll der Fehler aber behoben und der Vermerk «nicht zustellbar» entfernt worden sein. «Seither sind uns keine weiteren Probleme bei der Zustellung an diese Adresse bekannt.»
Heidi Steiner traut der Sache nicht so recht. Das ungute Gefühl bleibe, dass wieder ein paar Zusendungen den Weg zu ihr nicht geschafft hätten. Offenbar misstraut auch ihr Umfeld dem Postweg: Weihnachts- und Glückwunschkarten seien in diesem Jahr mehrheitlich per E-Mail eingetroffen. Für Steiner ist das die sicherere Alternative. «Da kann man die Post effektiv auf online umstellen, wie neuerdings vom Postchef vorgeschlagen wird.»