Ustermer Model startet als Social-Media-Unternehmer durch
Steven Epprecht im Porträt
Er ist seit seiner Mister-Schweiz-Teilnahme 2012 als Model, Influencer und Unternehmer erfolgreich. Steven Epprecht erzählt, was ihn beschäftigt – und wie es 2024 weitergehen soll.
Ein strahlendes Lächeln, ein freundlicher Empfang. So öffnet Steven Epprecht seine Tür und bittet herein in die moderne 5½-Zimmer-Wohnung in der Ustermer Innenstadt.
Schon seit zwölf Jahren wohnt er hier – eine lange Zeit, in der sich viel verändert hat: Vom Sprachaufenthalt auf Hawaii zum Nachwuchsmodel, von der Mister-Schweiz-Wahl zum Influencer mit knapp 300’000 Followern auf Instagram, von der «One Man Show» bis zum Unternehmer mit sechs Angestellten – Epprecht blickt auf ereignisreiche Jahre zurück.
Mit Model und Influencerin Sara Leutenegger gründete er vor drei Jahren die Agentur Strategy Leaders, wo die beiden ihr Know-how rund ums Thema Social Media, Kommunikation und Events anbieten.
«Jetzt sind wir mit Sara und mir bereits acht Mitarbeitende», erzählt Epprecht stolz. Corona spielte dem Online-Business in die Karten – dank dem Lockdown konnten sich Sara Leutenegger und Steven Epprecht auf das Unternehmen konzentrieren, das schnell wuchs.
Im neuen Jahr ziehen sie in eine neue Location um, eine Namensänderung steht bevor, und das Konzept soll sich mehr in Richtung Events entwickeln. «Vor einigen Jahren hätte ich nicht damit gerechnet, einmal Events zu organisieren – aber wir nehmen es vorzu.»
Auf Hawaii entdeckt
Doch Epprechts Geschichte beginnt nicht in Uster oder Zürich – nein, sie startet am anderen Ende der Welt: mit einem Model-Scout auf Hawaii, 10 Kilogramm Gewichtsverlust und mit der Teilnahme an der Mister-Schweiz-Wahl 2012, wo er den dritten Platz belegt. Darauf folgt eine fordernde Zeit als Model. «Da hast du wenig Mitspracherecht, du bist eher wie eine Puppe, die halt macht, was verlangt wird.»
Und das reicht dem gebürtigen Schwerzenbacher nicht. Als Influencer startet er auf den sozialen Medien durch, ist eine «One Man Show» und kann viel mehr mitentscheiden, wie er sich darstellt, was für ein Bild er abgeben will. «Das hat mir schon mehr gelegen – da war ich mein eigener Creative Director, konnte mich besser entfalten», erzählt er. Das kann er wohl sehr gut: Seine rund 300’000 Follower auf Instagram werden von ihm zu den Themen Lifestyle, Mode und Reisen bespielt.
Die Schattenseite der Öffentlichkeit
Doch auch diese Medaille hat eine Kehrseite. «Du stehst natürlich enorm unter Druck. Krank sein gibt es da nicht – dann kommt halt kein Content.» Kommt kein Content, dann rächt sich der Algorithmus – das kostet Follower.
Ausserdem biete das Leben auf der grossen Social-Media-Bühne auch eine entsprechende Angriffsfläche, so Epprecht. «Nicht jeder liebt dich und mag, was du machst», sagt er. Auch damit muss man erst einmal umgehen können. «Ich habe für mich gelernt, dass keine Reaktion auf Hasskommentare oder böse Nachrichten die beste Reaktion ist», erzählt der 35-Jährige schmunzelnd.
Mit der Gründung der Agentur verlor auch das «Influencen» an Bedeutung – denn sein Fokus liegt klar auf der Agentur. Diese soll weiterwachsen. Anschliessend will er sich auf eine strategische Ebene zurückziehen, mal wieder mehr «Life» aus der Work-Life-Balance ziehen.
Ein normaler Umgang
Der 35-Jährige weiss, was er kann, wo er hinwill und – vor allem – wer er ist. Doch dazu konnte er nicht immer offen stehen: Vor gut zwei Jahren outete sich Epprecht öffentlich. Seither steht er zu seiner Beziehung mit Marcos, der nach einigen Monaten Fernbeziehung zwischen Uster und Madrid nun endlich zu Epprecht gezogen ist.
Sich selbst zu sein, ist viel wichtiger als irgendwelche Follower.
Steven Epprecht über sein Outing
«Man müsste meinen, ein Outing sei heutzutage keine grosse Sache mehr», erzählt er. Doch gerade als Model habe man natürlich viele weibliche Follower. Davon hänge viel ab, gerade wenn man Social Media beruflich betreibe. Mit dem Outing habe er viele Follower verloren, doch das spiele für ihn jetzt keine Rolle mehr. «Als es zur Abstimmung über die Ehe für alle kam, war ich bereit, öffentlich zu meiner Homosexualität zu stehen», sagt er. Auch deshalb, um sich für ein Ja zur Abstimmung einzusetzen. «Sich selbst zu sein, ist viel wichtiger als irgendwelche Follower.»
Er habe auch sehr viele positive Reaktionen bekommen: Menschen schreiben ihm, bedanken sich für seinen Mut, schöpfen selbst Kraft daraus. «Manchmal schreibt mir jemand, dass er oder sie dank mir nun auch zu seiner oder ihrer Sexualität steht. Und das berührt natürlich», erzählt Epprecht.
Das lasse einen die blöden Kommentare viel eher ertragen – zu wissen, dass man andere wirklich unterstütze mit dem, was man mache. «Trotzdem wünsche ich mir, dass der Umgang damit noch normaler wird. Lasst die Menschen so sein, wie sie sind. Und verkneift euch im Zweifelsfall doofe Kommentare. Man weiss nie, was ein Mensch gerade durchmacht», sagt er.
Steven Epprecht scheint mit sich, seiner beruflichen Entfaltung, seinem Privatleben und seinen Zukunftsplänen im Reinen zu sein. Was noch kommen soll? Die Firma soll weiterwachsen, vielleicht folgt irgendwann eine Hochzeit. Und bis dahin freut er sich auf Kurztripps mit Marcos, auf neue Meilensteine mit Sara und auf weitere ereignisreiche und erfolgreiche Jahre.
