Von Frühlingsrollen zur Restaurantkette
Roth Ly aus Wetzikon
Die Reise startete in Kambodscha, darauf folgte Grüningen. Roth Ly, der Besitzer des «Suan Long» in Uster und Wetzikon, erzählt, was ihn dort hinbrachte.
Sie begann mit dem Verkauf von Frühlingsrollen an den Grüninger Märkten, jetzt besitzt er zehn Restaurants: Die Erfolgsgeschichte von Roth Ly könnte einem chinesischen Märchen entsprungen sein. Unter anderem mit den «Suan Long»-Restaurants ist der heute 53-Jährige seit Jahren in der Region verankert. Doch beginnen wir am Anfang – bei der Reise in die Schweiz.
Ein dunkles kambodschanisches Kapitel endet in Grüningen
Geboren und aufgewachsen ist Roth Ly in Kambodscha, wo er als gebürtiger Chinese bereits in jungen Jahren ein dunkles Kapitel der kambodschanischen Geschichte miterlebte. 1975 kam die kommunistisch-nationalistische Guerillabewegung Rote Khmer unter der Führung von Pol Pot an die Macht und regierte für mehrere Jahre. Deshalb flüchtete Ly mit nur zehn Jahren in die Schweiz – und landete im idyllischen Grüningen. Begleitet wurde er von seinen zwei Brüdern und seiner Schwester. Seine Eltern folgten den Kindern ein Jahr später.
Und genau dort in Grüningen beginnt die Geschichte von «Suan Long», der schweizweit bekannten Restaurantkette: An den Grüninger Märkten verkaufte die Familie selbst gemachte Frühlingsrollen und konnte damit Kapital erarbeiten, das 1986 für das erste «Suan Long»-Restaurant in der Nähe des Kreuzplatzes in Zürich eingesetzt wurde. Dort kochte die Familie typisch asiatische und vorzugsweise chinesische Gerichte, wie beispielsweise die Szechuan-Suppe, frittierte Wan Tan, verschiedene Currys, Poulet süsssauer und viele weitere Fleisch-, Fisch-, Reis- und Nudelgerichte. Roth Ly selbst ist vor allem Fan der Pekingente, die er bis heute am liebsten in seinen eigenen Restaurants isst.
Der chinesische Drache
«Suan Long bedeutet so viel wie Zwillingsdrache», erklärt Roth Ly. Der Drache (chinesisch: Long) spielt in der chinesischen Kultur eine wesentliche Rolle: Er symbolisiert Glück, Reichtum, Güte und Intelligenz. Er ist eines der chinesischen Sternzeichen und bestimmt ausserdem die Jahreszeiten – im Winter lebt er im Wasser, und im Frühsommer, wenn in China die grossen Regenfälle einsetzen, steigt er in den Himmel auf.
Der Drache ist aufgrund seiner Symbolik auch oft in asiatischen Restaurants anzutreffen – auf Bildern, in Figuren, Statuen, Schnitzereien und Zeichnungen.
Ein Vater und seine Söhne
Obwohl im Restaurant die ganze Familie mit anpackte, hatte Ly vorerst andere Pläne, die er aber bald wieder über Bord schmiss. Das BWL-Studium an der Uni Zürich nahm seine Zeit zu sehr in Anspruch, weshalb er die Abschlussprüfungen letztlich nicht absolvierte – seine Zeit und seine Kraft wurden im Restaurant gebraucht. «Wir alle haben den Karren gezogen», sagt Ly. Der Blick in eine gemeinsame Richtung, ein klares Ziel vor Augen: Das sei unter anderem der Grund, weshalb aus einem in 20 Jahren 20 Restaurants geworden seien.
Doch als der Vater starb, fiel auch der «Karren» auseinander. «Er war die Schlüsselperson für uns vier Söhne, er hielt alles zusammen.» Und so gingen die Brüder auseinander und teilten die Restaurants untereinander auf. Ly übernahm drei davon - eines in Witikon, das es heute nicht mehr gibt, dasjenige in Uster beim Wasserkreisel und eines im Winterthurer Bahnhof.
In den letzten 16 Jahren wuchs Lys Portfolio an Restaurants – heute nennt er zehn Restaurants seine eigenen. Darunter mehrere «Suan Long»-Ableger in Wetzikon, Zug, Zürich und Winterthur sowie das Sushi-Restaurant Ichiban in Uster und die Schlüsselbar auf dem Zeughausareal – ein italienisches Restaurant. Und das, obwohl er selbst überhaupt nicht kochen kann. «Ich bin eher der Geniesser», erzählt er schmunzelnd.
Das asiatische Rezept für Erfolg
Das Rezept für seinen Erfolg? Das kann er so nicht genau sagen. «Wir haben immer hart gearbeitet und an einem Strang gezogen», sagt der 53-Jährige. Doch die Gastronomie sei hart, vor allem Corona habe ihm wie allen anderen Gastrobetrieben einen deftigen Strich durch die Rechnung gemacht. «Glücklicherweise konnten wir uns über Wasser halten.» Mit einem bereits vor dem Lockdown etablierten Take-away- und Lieferangebot hatte er die Möglichkeit, auch während der Restaurantschliessungen weiter zu arbeiten.

Einen weiteren Erfolgsgrund sehe er in der Tatsache, dass es um einiges einfacher gewesen sei, ein Restaurant zu betreiben, als sie das erste «Suan Long» eröffnet hätten. Ganz im Sinn von «früher war alles besser»: der Wirtschaftsboom, das benötigte Gastropatent. Wenige Jahre vor der Jahrtausendwende wurde dieses im Kanton Zürich abgeschafft. «Damit spriessten an jeder Ecke Restaurants aus dem Boden.»
Von Ferien und Heimat
Doch das tut seinem Erfolg offenbar keinen Abbruch, denn der 53-Jährige arbeitet eisern, jeden Tag. Und das will er machen, bis es nicht mehr geht: Wer jedoch danach die Restaurants übernehme, sei unklar. «Ich bin der Letzte aus der Familie, der in der Gastronomie arbeiten soll.» Seine zwei Söhne, die sollen ihre Studiengänge abschliessen und dann was anderes machen, wo sie mehr Freizeit, mehr Ferien haben.
Denn ein von ihm verinnerlichter gastronomischer Grundsatz besagt, dass man mit einem Restaurant noch Ferien hat, mit dreien nicht mehr – und hat man mehr als drei, so geht auch die Freizeit flöten. Dementsprechend kann sich Ly nicht mehr daran erinnern, wann er das letzte Mal im Urlaub war. Doch sollte es irgendwann mal wieder klappen, würde er gerne nach Asien – zurück zu seinem Ursprung. Ob das seine Heimat sei? Nein. «Meine Heimat ist hier. Heimat ist für mich dort, wo ich und meine Familie sind.»
